Vorgefühlt: Der Ballettabend „Gefallene Helden“

Ein Held ist die Verkörperung von heldenhaften Taten und Tugenden, die durch vorbildlich mutiges Handeln und moralisches Verhalten Bewunderung erwecken. Vielfach sind sie bereits aus dem antiken Heroen-und Ahnenkult hervorgegangen, wo sie oft als mythologischer und legendärer Göttersprössling oder Halbgott beschrieben wurden, der favorisiert als Kulturbringer und Kulturbeschützer galt. Andererseits kann der Held auch ein nichtsnutziger junger Mann sein. Zum Helden wird er erst durch seine erste außergewöhnliche heroische Tat, wenn er etwa einen Feind, ein Ungeheuer oder einen Riesen erschlägt, eine Blutrache ausführt oder Menschen aus Bedrängnis rettet. Ein Held entspricht normalerweise der Definition dessen, was in der jeweiligen Kultur als herausragend gilt.

Unsere Ballettcompagnie zeigt in „Gefallene Helden“ große Vielseitigkeit. (Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

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Vorgefühlt: „Zwiegespräch“ – Tanzabend von Kaho Kishinami und Michael Waldrop

Kaho Kishinamis „Statistik – normal?“ eröffnet den Doppelabend (Foto: Katharina Dielenhein)

Also, wenn ich hier das Sagen hätte, dann…

Ein Satz den die Meisten von uns schon mal in irgendeinem Zusammenhang gesagt oder heimlich gedacht haben. Stimmt es denn aber eigentlich, dass alles besser wäre, wenn man selber die Position des Vorgesetzten einnehmen könnte oder ist das nur so eine daher gesagte Floskel, die im Eifer des Gefechtes so raus rutscht. Die Gefahr, dass die andere Perspektive oder die Verantwortung nämlich doch nicht so einfach sind und andere Herausforderungen birgt, die man als Außenstehender gar nicht sieht, ist in jeder Branche ähnlich. Würde man aber einmal die Chance auf einen Positionswechsel auf Zeit bekommen und damit die Möglichkeit über den eigenen Tellerrand zu gucken, seine eigenen Qualitäten prüfen zu dürfen und Verständnis für den anderen zu entwickeln, dann könnte das eine Win-win-Situation sein.

Dem Ballettensemble bietet sich in der Reihe „50°N 7°O – Tanzt …“ genau diese Möglichkeit. Die Tänzer wechseln die Seite und können sich an eigenen Choreografien ausprobieren, die Steffen Fuchs dann professionell dramaturgisch unterstützt. Besonders hervorgehoben haben sich da in der letzten Veranstaltung von „50°N 7°O – Tanzt …“ Kaho Kishinami und Michael Waldrop. Steffen Fuchs hat den Ballettabend „Zwiegespräch“ in das Programm aufgenommen, um den beiden begabten Nachwuchs-Choreografen eine weitere Plattform zu bieten. Sozusagen einen nächsten Schritt auf der Karriereleiter.

Das Hauptthema des Abends, der sich aus zwei Teilen zusammen setzt, stellt Aspekte der menschlichen Kommunikation dar beziehungsweise den einzelnen Menschen in der Gesellschaft und sein Kommunikationsverhalten mit der Umwelt.

Den Abend eröffnet Kaho Kishinami mit „Statistik = normal?“ Sie hinterfragt statistische Darstellungen und die definierte Norm. Eine Statistik stellt bestimmte Sachverhalte als gegeben dar. Das Individuum wird dabei außer Acht gelassen. Wie jeder einzelne hinter der zusammengefassten Menschengruppe der Statistik wirklich denkt und fühlt, erfährt man nicht. Sind Menschen wirklich so leicht zu kategorisieren? Wie steht es um die Emotionalität hinter den Zahlen und was passiert mit Menschen, die durch das Raster fallen? Dieser Frage geht die junge Choreografin am Beispiel einer Schulklasse auf den Grund. Modern, fröhlich und unterhaltsam ist der erste Teil des jungen Ballettabends mit Musik von japanischen Komponisten.

„without the words“ ist der Titel der Choreografie von Michael Waldrop (Foto: Katharina Dielenhein)

Michel Waldrops Arbeit „without the words“ stellt in seiner Inszenierung die Emotionalität dar, die man nicht in Worte fassen kann. Der Umgang mit Trauer, Trennung und Schmerz in menschlichen Beziehungen steht im Vordergrund. Abstrahierte Bewegungen und amerikanischer Minimalismus zeigen in bewegenden Bildern das was nicht in Worte gefasst werden kann.

Zwei sehr unterschiedliche Inszenierungen erwarten Sie und gerade das macht den Abend zu einem abwechslungsreichen Erlebnis, der auch uns, die die Möglichkeit des Perspektivenwechsels nicht erhalten haben, einen frischen Blick auf das faszinierende Medium des Tanzes erhaschen lässt. Experiment geglückt!

Sie können den Tänzern ganz nah sein, denn Sie sitzen beim Spielort „Hinter dem Eisernen“ mit auf der Bühne. Und was nicht in Worte fassbar ist, müssen Sie sich am 27.05.2017 um 19:30 Uhr selber ansehen.

 

Vorgefühlt: „Cinderella“

Die legendäre Verfilmung aus der ČSSR/DDR „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, kommt mir direkt in den Sinn, wenn ich an „Cinderella“ denke. Das Märchen wird bis heute in der Weihnachtszeit gezeigt und hat Kultstatus erreicht.

Wahrscheinlich geht es vielen Kindern der siebziger Jahre wie mir, also zumindest den Frauen. Auf dem Sofa, in Decken gewickelt, mit heißem Kakao, diesen Film sehen, herrlich. Wer noch keine Kinder hat guckt heimlich und die mit Kindern können die heimliche Leidenschaft wenigstens als: „Das hat Mutti in eurem Alter gerne gesehen“, verkaufen. Dann geht es los, die Titelmelodie frisst sich sofort als Ohrwurm für den Rest der Weihnachtszeit in den Kopf und „Klassik Radio“ sorgt für die tägliche Auffrischung. Nach dem Vorspann beginnt der Film, aber ich verfolge weniger die Handlung, die kenne ich ja in und auswendig und so besonders sexy ist der Prinz da in dem Film auch nicht mehr, außerdem wird er bei meinem gleichbleibenden Alter und unverändertem Aussehen, von Jahr zu Jahr jünger. Dabei war der Prinz mal ein zu alter erwachsener Mann, da stimmt doch im Konzept was nicht.

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Vorgefühlt: Bach-Ballett

„Ich find meine Tänzer toll!“ antwortet Steffen Fuchs stolz, als ich frage, ob ihm eine Information für meinen Blogbeitrag wichtig ist. Das Ensemble hat sich in der vergangenen Zeit nämlich nicht nur mit Bach beschäftigt, sondern parallel auch mit „Lulu“, „The Beautiful Game“, „Die Herzogin von Chicago“ und „My Fair Lady“. Also nicht nur theoretisch, sondern – wie im Ballett üblich – mit vollem Körpereinsatz. Trotzdem haben sie sich mit großer Leidenschaft in das Projekt geschmissen und versucht, Steffen Fuchs Wünsche zu realisieren, die anspruchsvoll und anstrengend sind − mit Erfolg.

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Vorgefühlt: „Lulu“

Tänzer aus der Tanzrevue "Lulu"
Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

Die Büchse der Pandora ist geöffnet!

Aber nicht, weil sie jemand geöffnet hätte, sondern, weil der Zahn der Zeit an ihr genagt hat. Jetzt ist sie porös, und ihr Inhalt schwappt rücksichtslos aus ihr heraus. Zur Erinnerung: Die Büchse der Pandora bedeutet laut der griechischen Mythologie nichts Gutes. Zeus wies Pandora an, den Menschen die Büchse zu schenken und ihnen mitzuteilen, dass sie unter keinen Umständen geöffnet werden dürfe. Die neugierige Pandora öffnete gleich nach ihrer Hochzeit die Büchse trotzdem und brachte damit bisher unbekannte Übel über die Menschen – wie Arbeit, Krankheit, Tod, Laster und Untugenden. Von diesem Zeitpunkt an eroberte das Schlechte die Welt.

Was haben Pandora und die griechische Mythologie mit „Lulu“ zu tun? Frank Wedekind hat zwei Tragödien geschrieben: „Der Erdgeist“ (1898) und „Die Büchse der Pandora“ (1904). Diese beiden Stücke wurden zu „Lulu“ zusammengefasst, das war 1913 – benannt nach der Protagonistin der beiden Tragödien. Der erste Teil beschreibt den sozialen Aufstieg eines Mädchens, das auf der Straße lebte und gerettet worden ist. Sie wird von allen Männern begehrt und weiß ihre Reize gezielt einzusetzen. Der zweite Teil beschreibt die Wende in Lulus Leben. Nach einer luxuriösen Zeit in Paris flieht sie nach London, um einem Mädchenhändler zu entkommen. Dort haust sie verarmt mit Freunden auf einem Dachboden … wie es weitergeht, erzähle ich hier natürlich nicht.

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Das Ballettensemble erobert Räume der Stadt

Ballettdirektor Steffen Fuchs über Tanz in der Stadt

Steffen Fuchs bei Tanz in der Stadt
Ballettdirektor Steffen Fuchs bei Tanz in der Stadt in der Stadtbibliothek

Wenn ich an das Bühnenbild im klassischen Ballett denke, sehe ich meist gemalte Kulissen, die eine räumliche und zeitliche Atmosphäre andeuten, die aber nicht den Fokus von der Choreografie ablenken. Diese Choreografie legt genau fest, welcher Tänzer sich wann, wo, wie und mit wem in diesem nahezu leergeräumten Bühnenraum bewegt. Dabei ist sie so zugeschnitten, dass möglichst jeder Zuschauer auf seinem Platz die Feinheiten der Bewegungsabläufe sehen kann.

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