Vorgefühlt: „Über Lang oder Kurz“

Weck, ein fiktiver Ort, an dem die Stimme wohnt. Es treffen sich Lulatsch, Doris und Martin (Foto: Katharina Dielenhein für das Theater Koblenz)

„Ich sag jetzt schon: Daumen hoch!“ ruft ein kleiner Junge, noch bevor die Probe überhaupt begonnen hat, in den Raum und hampelt ganz aufgeregt auf seinem Stuhl rum. Ich vermute mal, das liegt an dem tollen Ausflug ins Theater, den eine zweite Klasse unternehmen durfte, um als Testpublikum das neue Theaterstück im Puppentheater ansehen zu dürfen. Außerdem ist der lässige Spruch „Daumen hoch“ ja auch für alles andere gut. Zum Beispiel für den Ausfall des regulären Unterrichts an diesem Morgen. Ich lasse mich da nicht so einfach zufrieden stellen, naja, für mich fällt ja auch kein Unterricht mehr aus. Eigentlich schade, das Ausflugsgefühl kenne ich noch, das war immer ein besonderer Tag mit Milchschnitte und Capri Sonne, das gab es nur an Ausflugstagen.

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Vorgefühlt: „Die verrückten Schlossgespenster“

Es spukt auf der Festung Ehrenbreitstein. Diese Annahme liegt nahe, schließlich bietet das alte Gemäuer unendlich viele Möglichkeiten für ein ungestörtes Gespensterleben. Und wer weiß schon so genau was sich in den vielen hundert Jahren, die es die Festung jetzt gibt, in den Kellergewölben und in den Sälen so zugetragen hat. Häufig hörte ich in der Nacht unheimliches heulen und schreien vom Festungsgelände.

Aber jetzt ist der Spuk endlich vorbei! Gestern habe ich ein Gespenst erwischt. Es huhute durch die Gewölbe und hat seine Zahnbürste gesucht. Ich grusele mich nämlich seit Wochen in der Nacht wie verrückt, wenn von der Festung diese unheimlichen Geräusche zu hören sind. Mit Ketten klirrende bleiche Untote habe ich mir vorgestellt, die mir nachts das Blut aussaugen wollen oder andere schreckliche Gestalten mit roten Augen und spitzen Zähnen. Und jetzt schwebte da gestern, als ich der Sache mal genauer auf den Grund gehen wollte ein kleiner vorwitziger Geist vor meiner Nase herum. Der hat sich vielleicht erschrocken als er mich da nachts getroffen hat. Gustav, ist sein Name und er hat mir erzählt, dass er sich sehr langweilt, weil nur sein Freund Louis noch mit auf der Festung wohnt. Sein anderer Freund, der Fritz hat sich verliebt und nun keine Zeit mehr für Gustav. Außerdem ist der Fritz ein Mensch, der immer Touristen durch die schönen Räume geführt hat. Das hat der Gustav gerne beobachtet und sich immer gefreut, wenn der Fritz sich den Kopf gestoßen hat oder so, der ist nämlich ein bisschen tollpatschig. Und dann ist die Französin Cecile aufgetaucht und der Fritz war plötzlich ganz verliebt.

Naja, jedenfalls sind die beiden Gespenster sehr nett und versuchen mich ständig zu erschrecken, das ist vielleicht lustig. Das Erschrecken scheint ein bisschen eingerostet zu sein, genauso wie Gustavs Witze, obwohl er die so gerne erzählt. Aber was mir da gerade einfällt: Warum braucht ein Gespenst eigentlich ein Zahnbürste? Die haben doch gar keine Zähne!…

Fragt den Gustav mal am Wochenende auf der Festung Ehrenbreitstein selbst, da will er seine Geschichte und die von Fritz und Cecile nämlich für Euch alle nochmal erzählen, damit er neue Freunde findet. Wenn Ihr Euch auch schon immer einen Gespenster-Freund gewünscht habt, müsst ihr unbedingt Gustav und Louis kennenlernen.
Premiere am 09.06.2017 um 18:00 Uhr Festung Ehrenbreitstein Lichthof.

Vorgefühlt: „Unterirdische Komödie“

Bild könnte enthalten: 5 Personen
Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

Guten Tag, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie aus aktuellem Anlass zu einer Sondersendung der Nachrichten.

Am 5. August 2010 kam es in den Anden, in der chilenischen Atacamawüste, 45 Kilometer nördlich von Copiapó, zu einem schweren Minenunglück, das bislang zu der aufwendigsten und riskantesten Rettungsaktion in der Geschichte des Bergbaus führte.

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Vorgefühlt: „MIRJAM & MYRIAM“

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Myriam Rossbach und Mirjam Schollmeyer spielen in „MIRJAM & MYRIAM oder: Sieh dich vor, im Traum eines kleinen Mädchens gefangen zu sein“.

Ein Mädchen besteht zu 30 Prozent aus Wasser, aus 70 Prozent Angst, aus 40 Prozent Herz und 5 Prozent Verstand. Naja, nach neuesten Erkenntnissen des DFG-Grundlagenforschungsprojekts eigentlich aus 6 Prozent Verstand. Rein rechnerisch besteht Mädchen also aus 146 Prozent. Hätten Sie das gewusst?

Was ist Mädchen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Stück „Mirjam & Myriam oder: Sieh dich vor, im Traum eines kleinen Mädchens gefangen zu sein“. Wie sieht denn ein Mädchentraum aus? Der Mainstream sieht ihn wahrscheinlich in einer rosafarbenen Glitzerwolke. Elfengleiche Mädchen mit hübschen Zöpfen schweben über Blumenwiesen, während sie sich mit Zuckerwatte vollstopfen und Einhörner striegeln. Also eher plüschig und rosa. Entspricht das aber dem, was Mädchen wirklich wollen und denken? Die Regisseurin Katharina Kummer hat sich dem Begriff „Mädchen“ über Interviews, Filme und Bücher aus den unterschiedlichsten Gesellschaftsschichten und Sujets genähert. Die Interviews fließen teilweise wortwörtlich in die Inszenierung ein und ergeben so ein collageartiges Gesamtbild in einem besonderen Tonfall – eine umfangreiche, kreative Mädchen-Alb-Traum-Fantasie.

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Vorgefühlt: „Der selbstsüchtige Riese“

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Foto: Theater Koblenz

Als ich heute Morgen das Theater betreten habe, bin ich von einem fürchterlichen Rumpeln begrüßt worden. Es donnerte so laut durch die Flure, dass ich vermutete, das sei den unzähligen Baustellen geschuldet, die momentan das Theater umgeben. Da hatte ich mich aber mächtig getäuscht. Als ich dem Rumpeln folgte, fand ich mich vor der Tür der Probebühne 2 wieder. Ich öffnete sie vorsichtig und entdeckte eine Riesin, die in einem wunderschönen Garten saß und sich mit winzigen Kindern unterhielt. Ach natürlich, da hatte ich ja gar nicht mehr dran gedacht: Das Puppentheater probt gerade für die Geschichte „Der selbstsüchtige Riese“ nach Oscar Wilde. Continue reading →

Von Jazz bis Puppentheater

Von unserer Musiktheaterpädagogin Franziska Preiser

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Der Kulturclub Jugend besucht in dieser Spielzeit unter anderem das Ballett „Die 28 Jahreszeiten“. Foto: Matthias Baus

Theater und Konzert besuchen und drum herum Einblicke in die Probenprozesse und Produktionsabläufe erhalten: Der Kulturclub Jugend von Theater Koblenz und Staatsorchester Rheinische Philharmonie bietet die Möglichkeit, mehr zu erleben. Wie in der letzten Spielzeit werden wir uns auch in diesem Jahr mit den gemeinsam besuchten Produktionen und Konzertprogrammen im Voraus beschäftigen. In der Vorbereitung findet eine gemeinsame Annäherung an die Inhalte und Themen der jeweiligen Veranstaltung statt: eine Probe besuchen, Verfilmungen ansehen, recherchieren, selbst spielen und vieles mehr. Die Nachbereitung ermöglicht es, über die Eindrücke aus dem Veranstaltungsbesuch ins Gespräch zu kommen, aber auch Beteiligte aus den Produktionen zu Besuch zu haben.

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