Kannst du uns aus deiner Perspektive als Kostümbildner erklären, was die Ausstattung einer Komödie von der Ausstattung anderer Schauspielstücke unterscheidet?
Zu Beginn unterscheidet sich die Arbeit tatsächlich gar nicht. Es ist erst einmal wichtig, die Figuren zu verstehen und sie ernst zu nehmen. Als nächstes entscheidet man, wie das Stück erzählt und ob die Figuren überzeichnet oder karikiert werden sollen und – ob man einfach nur übertreiben oder schon bloßstellen möchte. Das sind immer die ersten Schritte, egal ob man an einer Komödie oder einem Schauspiel arbeitet.

Was die Charaktere auf dem Papier tragen:

Wie wird das Publikum das Karikieren der Charaktere in der Produktion „Das Sparschwein“ optisch wahrnehmen können?
Wir unterscheiden hier grundsätzlich in zwei Welten. Die erste Welt bildet die französische Kleinstadt La Ferté-sous-Jouarre, in der Provinzbürger wohnen. Diese Kleinstädter reisen in die Metropole Paris – die zweite Welt – die sich in der Ästhetik sehr stark von der der Kleinstädter unterscheidet. Die Bewohner von La Ferté-sous-Jouarre haben einen naturalistischen Ansatz und sind daher etwas unförmig. Genauer gesagt, sie haben etwas größere Popos. Darüber tragen sie moderne, gehobene und Freizeitkleidung in heiteren Farben. Sie versuchen Praktikabilität und (aus deren Sicht) Stil zu kombinieren – allerdings nur mit mäßigem Erfolg.
Die Pariser sind optisch das komplette Gegenteil. Sie sind groß, schlank und elegant. Die Kleidung ist schwarz-weiß gehalten und erinnert sehr stark an Haute Couture. Pragmatismus spielt hier keine Rolle. Den Parisern geht es um Stil. Aber natürlich ist auch deren Darstellung mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

Was die Charaktere auf der Bühne tragen:

Was ist bei der Anfertigung und beim Tragen der Kostüme die große Herausforderung?
Das Konstruieren der Wattons für die dicken Popos war aufwändig, weil das Endergebnis sehr natürlich aussehen sollte. Wir wollten die Proportionen überdimensional darstellen, sie aber nicht grotesk oder absurd wirken lassen. Und was man nicht vergessen darf: Die Kostüme müssen waschbar sein. 
Wir mussten uns also überlegen, was für ein Material verwendet werden kann. Unser Damengewandmeister Maik Stüven hat sehr schnell etwas Passendes gefunden: Filterschaumstoff, der eigentlich für den Teichbau verwendet wird. Der ist extrem leicht, atmungsaktiv und gut zu verarbeiten. Man kann ihn waschen und auch in den Trockner schmeißen. Das perfekte Material. Die Verarbeitung war auch recht einfach. Der Schaumstoff wird in mehreren Lagen auf eine Leggings genäht. Dazwischen sind Wattelineschichten zum Modellieren und dann wird das Ganze bezogen. Durch die vielen Schichten sind die Hosen aber recht warm, auch wenn der Stoff luftdurchlässig ist. Die Schauspieler*innen werden auf der Bühne ordentlich ins Schwitzen kommen. Aber das ist es definitiv wert, da bin ich mir sicher.

Figurinen: Christian Binz
Interview und Fotos: Anja Merfeld