Von Katharina Dielenhein

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Matthias Mainz komponierte nicht nur die Musik, sondern musiziert auch live auf der Bühne. Foto: Matthias Baus

Unauffälliger Begleiter oder wichtiges dramaturgisches Instrument: Nicht nur in Oper und Operette, auch im Schauspiel spielt Musik immer wieder eine Rolle. In Koblenz ist das im Moment deutlich in der Inszenierung des Kleist’schen Lustspiels „Der zerbrochne Krug“ zu sehen. Darin räumt Regisseurin Esther Hattenbach der Musik gleich einen hohen Stellenwert ein und wünschte sich für diese Aufgabe Musiker und Komponist Matthias Mainz als Mitstreiter.

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Das Setup verbindet verschiedene Elemente, darunter auch eine Trompete. Foto: Matthias Baus

Über der gemeinsamen Arbeit der beiden Künstler stand die Frage: „Wie kann ich Musik inszenieren?“ Diese suchte Hattenbach erstmals in ihrer „Die Nibelungen“-Inszenierung in Neuss zu beantworten. Und 2014 stellte die Regisseurin sich der Frage in Koblenz erneut. Wie schon in Nordrhein-Westfalen auch diesmal mit Matthias Mainz an ihrer Seite, der als Komponist der Musik im Stück sowie als Bühnenkünstler gleich eine Doppelfunktion bekleidet.

Mit wenigen Vorgaben ist Hattenbach an den Musiker herangetreten. Fest stand für die Regisseurin jedoch schon vor den ersten Gesprächen, dass die Musik, die der Zuschauer hört, live sein muss. Und Mainz pflichtet ihr in diesem Punkt bei: „Wir waren uns einig, dass Musik, die live entsteht, eine andere Qualität hat als solche, die vom Band kommt.“ Letztere klänge bei jeder Vorführung gleich. Livemusik hingegen ändere sich von Aufführung zu Aufführung. Denn: „Auf der Bühne improvisiere ich. Es gibt zwar eine Komposition für die Inszenierung, aber innerhalb dieser Komposition gibt es einen Spielraum, in dem ich mich als Musiker bewegen kann.“

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Regisseurin Esther Hattenbach wollte für „Der zerbrochne Krug“ elektronische Musik. Foto: Matthias Baus

Und noch eine zweite Vorgabe hatte die Regisseurin an den Komponisten: „Esther wollte elektronische Musik, kein Orchester. Sie sah mich allein auf der Bühne mit einem hybriden Instrumentarium.“ Durch diese Präsenz sei die Musik im „Zerbrochnen Krug“ zu einem Bindeglied zwischen dem Schauspiel und dem Publikum geworden, erklärt Mainz seine Sicht auf die prominente Position. Er sei sichtbar, aber nicht sichtbar Teil der Handlung. Verstärkt wurde dieser Eindruck dadurch, dass Regisseurin Esther Hattenbach den Bühnenmusiker mitten auf der Bühne platzierte, leicht eingelassen in den Boden. Und mit ihm sein Setup aus Computer, Mischpult, Ringmodulator, E-Piano, Trompete und sichtbaren perkussiven Elementen wie Klangschalen und einem Gong. Die Darsteller spielen vor ihm, hinter ihm, bewegen sich um ihn herum. Interaktion hingegen gibt es keine. Jedenfalls nicht mit Mainz, sehr wohl aber mit der Musik, etwa wenn Schauspielerin Magdalena Pircher passend zur Musik pantomimisch agiert.

Die Parallelität von Schauspiel und Musik bedingt, dass beide Kunstformen einander Raum gewähren. Die meiste Zeit des Abends drängt Mainz’ Musik sich nicht auf, sodass der Zuschauer sie fast schon unbewusst wahrnimmt. Dennoch ist sie bei der Koblenzer Inszenierung unabdingbar. Für ein paar Minuten unterbricht sogar das Schauspiel, und die Schauspieler treten bewusst zurück, wörtlich und bildlich, und überlassen der Musik in Form eines Solos die Bühne fast allein. In diesem Moment und wann immer Matthias Mainz ein bestimmtes, immer wiederkehrendes Thema wiederholt und sich beim Zuschauer ein Gefühl des Wiedererkennens breitmacht, wird die Musik plötzlich präsent. Und das ist ganz in Mainz’ Sinne: „Wenn man mit Musik arbeiten möchte, muss man ihr auch den entsprechenden Raum geben. Hier passiert das.“

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Matthias Mainz und Teile seines Setups. Foto: Matthias Baus

Der Musiker selbst bezeichnet seine Zeit in Koblenz als spannend, weil er unterschiedliche Anforderungen bedienen musste. „Das Ergebnis, das ich abliefere, muss einen roten Faden haben, sagt der Künstler in mir. Der Dienstleister will einfach einen guten Job machen.“ Und dieser war nicht unbedingt einfach. Denn genau wie das Stück entwickelte sich auch die Musik im Laufe der Proben immer wieder. „Es war ein wechselseitiger Prozess zwischen mir und der Regie.“ Für Mainz hat sich das Ergebnis aber gelohnt: „Wenn ich an die Szene mit E-Piano und Trompete denke, dann ist die für mich schon sehr befriedigend.“

 

„Der Zerbrochne Krug“ wird noch insgesamt dreimal gezeigt, am 1. Juni, 18 Uhr, am 18. Juni, 19.30 Uhr, und am 26. Juni, 19.30 Uhr.