Das Programm der Spielzeit 2020/2021

So langsam haben wir uns an den Namen für das neue Jahr gewöhnt: 2020. So langsam scheinen die 20er Jahre des 21. Jahrhunderts begonnen zu haben. Da blicken wir schon auf die kommende Spielzeit 2020/2021 und fangen an, Pläne zu schmieden und uns auf die kommenden Theatererlebnisse zu freuen. Und die werden bequemer denn je, dank vollständig sanierter Bestuhlung im Großen Haus ab Herbst 2020.

Aufgrund der aktuellen Lage können Sie sich das Programm der Spielzeit 2020/21 hier online herunterladen oder bequem nach Hause bestellen, indem Sie uns an info@theater-koblenz.de eine e-Mail mit Ihren Kontaktdaten senden.

Fotostrecke 2020/2021 © Matthias Baus

Premieren im Großes Haus

Wenn sich sechs Provinzbürger aufmachen, um in der großen Stadt was zu erleben, kann so einiges schiefgehen und anders laufen als erwartet. Die Komödie Das Sparschwein findet in der Bearbeitung von Botho Strauß ihren Weg in die heutige Zeit und –  mit ausdrücklicher Genehmigung durch den aus Bad Ems stammenden Autor – in seine Heimatregion. Vom Wahnsinn getrieben lässt Donizetti seine Protagonistin eine der wohl bekanntesten und spektakulärsten Arien der Operngeschichte singen: Lucia di Lammermoor eröffnet die Musiktheatersaison am 10. Oktober mit dieser großen Belcanto-Oper über unglückliche Liebe, Machtverlust und leidvolle Verzweiflung. Mit Der Schwanensee ist einer der größten Klassiker der Ballettliteratur endlich wieder im Theater Koblenz zu sehen. In einer neuen Choreografie erarbeitet Steffen Fuchs die dramatische Liebesgeschichte um die Schwanenprinzessin Odette und Prinz Siegfried zu Tschaikowskis ergreifender und historisch wegweisender Musik.

Fotostrecke Spielzeit 2020/2021 © Matthias Baus

Große Songs und eine bewegte Geschichte verbindet das Sting-Musical The Last Ship. Inspiriert von seiner eigenen Biografie erzählt Sting vom Leben der hart arbeitenden Werftarbeiter im englischen Newcastle und ihrem Kampf gegen die Schließung der Werft. Regierung und Werftinhaber trotzend, bauen sie stolz das letzte Schiff fertig. Wussten Sie, dass Varasdin (wo noch die Rosen blühen) die Partnerstadt von Koblenz ist? Nicht nur das ist Grund, die Operette Gräfin Mariza auf die Bühne zu holen: Große Liebe zwischen Stolz und Sehnsucht, schmissige, ungarische Melodien und immer wieder Walzerklänge versprechen einen unterhaltsamen und herzerwärmenden Abend. In eine ganz andere Welt nimmt uns das Weihnachtsmärchen mit. Von Freundschaft, Güte und Zuversicht selbst in ausweglosen Situationen erzählt Schneewittchen in einer spartenübergreifenden, kindgerechten Aufführung. Und wenn am Ende Prinz und Prinzessin glücklich vereint sind, strahlen nicht nur Kinderaugen. Schon die Überschriften der drei Akte dieser Oper verdeutlichen das unaufhaltsame, tragische Ende: Die Liebe – Die Intrige – Das Gift. Auf der Grundlage von „Kabale und Liebe“ schuf Verdi mit Luisa Miller ein Werk, das politische Brisanz mit privatem Liebesdrama verknüpft.

© Matthias Baus

Nach Brecht widmet sich Esther Hattenbach 2021 Heinrich von Kleists Drama Prinz Friedrich von Homburg. Vor dem Hintergrund der Schlacht bei Fehrbellin 1675 breitet Kleist ein Spektrum zwischen Schuld und Verantwortungsbewusstsein aus, das zunächst bei seinen Zeitgenossen auf Widerstand traf, bis es zu einem Klassiker von zeitloser Aktualität wurde. Nach dem Erfolg von „Doctor Atomic“ inszeniert Intendant Markus Dietze nun John Adams erste Arbeit für das Musiktheater: Nixon in China. Die Oper zeigt mit heutigem Blick den ersten Staatsbesuch eines amerikanischen Präsidenten in der Volksrepublik China und stellt die Frage „Wie viel von dem, was wir taten, war gut?“. Ein klassischer Stoff in aktueller Bearbeitung, ist die letzte Schauspielpremiere der Spielzeit. Deborah Köttings Beschäftigung mit Friedrich Schillers Drama Maria Stuart beleuchtet das Duell der zwei Königinnen im Spannungsfeld zwischen Macht und Moral, Politik und Religion, Liebe und Intrige aus Sicht einer jungen Frau des beginnenden 21. Jahrhunderts.

Spielzeit 2020/2021 © Matthias Baus

Bach, Händel und Telemann bilden das Fundament für den Ballettabend Im Goldenen Schloss, bei dem Steffen Fuchs – frei von einem bindenden Thema oder einer stringenten Handlung – kreativ dem Geist dieser unterschiedlichen Kompositionen nachspürt und sie mittels bewegten Bildern formlich sichtbar macht. So entsteht ein inniger Dialog zwischen Musik und Tanzenden. Tragik und Komik liegen im wahren Leben ebenso wie auf der Opernbühne manchmal nah beieinander. Das Erfolgsduo Mozart und da Ponte schuf mit Così fan tutte ein Kammerspiel, das die Gefühlsachterbahn der handelnden Figuren auf unvergleichliche Weise einfängt. So machen’s alle – auch am Theater Koblenz mit der finalen Opernpremiere. Die Bewohner der Avenue Q im gleichnamigen Broadway-Musical-Erfolg sind in der Mehrheit Puppen, die sich mit Humor, Schlagfertigkeit und Gesang durch die Unwägbarkeiten des modernen Lebens schlagen. Dabei werden auch schwierige Themen wie Immigration und Rassismus, Homosexualität, Arbeits- und Obdachlosigkeit unterhaltsam und absolut respektlos auf die Bühne gebracht.

Fotostrecke Spielzeit 2020/2021 © Matthias Baus

Premieren Andernorts

Rebellisch, feministisch, modern. Mit Prinzessin Hamlet startet das Theater Koblenz als erste Premiere in die neue Spielzeit und präsentiert in E.L. Karhus Shakespeare-Spin off Themen wie innere Zerrissenheit, das Zerbrechen an gesellschaftlichen Forderungen und den Drang, sein Leben selbst zu formen und zu bestimmen. Die Wanze ist eine bissige Krimiparodie, maßgeschneidert für eine Puppenspielerin samt ihren tierischen Figuren. Denn Wanze Muldoon hat alle Eigenschaften eines guten Privatdetektivs: er ist klug, mutig, ziemlich vorlaut und vor allem sehr cool! In Tradition des Film Noir werden die Ermittlungen im Insektenreich begleitet von markanten Klassikern der Filmmusik. Inwieweit beeinflusst das Leben an einem spezifischen Ort die eigene Biografie? Wäre der Lebensweg an einem anderen Ort anders verlaufen? Bürgerpuzzle, die Eigenproduktion der Enthusiasten begibt sich auf die Suche nach Antworten zu diesen Fragen und setzt sie im Laufe des Probenprozesses zu einem performativen „Gesellschaftsspiel“ zusammen. Statistisch gesehen wird Schtschedrins „Carmen-Suite“ jeden Tag irgendwo auf der Welt live gespielt oder im Radio gesendet. Ab Januar trägt auch das Theater Koblenz zu dieser Statistik bei, wenn das Ballett Carmen in Momentaufnahmen den Entwicklungen und Spannungen der verschiedenen Beziehungsgeflechte zwischen Männern und Frauen nachgeht.

 © Matthias Baus

In die scheinbare Idylle begibt sich Martin Crimps Theaterstück Auf dem Land. Was zunächst als Sinnbild für ein friedvolles Familienleben stehen soll, wird zunehmend zur Chiffre für menschliche Isolation, dominiert von Heuchelei, Besessenheit, Verrat und Selbstbetrug. Das friedvolle Landleben wandelt sich zum Schauplatz städtischer Neurosen. Eine erschütternde Parabel über das Erwachsenwerden, die Erziehung und letztlich nicht weniger als den Sinn des Lebens ist Janne Tellers Schauspiel Nichts. Was im Leben wichtig ist. Am Theater Koblenz stehen sich Pierre Anthon, überzeugt von der Sinnlosigkeit des Seins, und seine Klassenkameraden in einer Puppentheaterinszenierung gegenüber.

Spielzeit 2020/2021 © Matthias Baus

Herzrasen kann durch vieles ausgelöst werden: Angst, Sport, Verliebtheit. Der Spielclub der Jungen Enthusiasten spüren den unterschiedlichen Situationen nach, mit der Risikobereitschaft sich auf etwas Unbekanntes einzulassen und am Ende mit klopfendem Herzen etwas Eigenes zu präsentieren. Der Traum ist der Ort, an dem sich das Bewusste und das Unbewusste treffen. Hier werden Welten geschaffen, die uns inspirieren oder verstören können. Im Rahmen der Reihe 50°N 7°O Tanzt… erarbeiten Mitglieder der Ballettkompanie eigene Choreografien, in der Spielzeit 2020/21 zum Thema Träume, und geben Einblicke in ihre ganz persönlichen Assoziationen. Bereits mehr als zehn Koblenzer Theaterarbeiten sind aus der Kooperation mit dem Studiengang Szenisches Schreiben der UdK hervorgegangen. Mit Szenen zu Wahrheit, Lüge und Fiktion setzen sich zehn junge Autoren in Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten auseinander. Das Musical West Side Story erzählt in der amerikanischen Variante von „Romeo und Julia“ die wohl bekannteste Liebestragödie im New York der 50er Jahre. Mitreißend, aktuell und dramatisch kehrt die Geschichte um Maria und Tony nach zehn Jahren auf die Festung Ehrenbreitstein in neuer Inszenierung zurück.

Fotostrecke Spielzeit 2020/2021 © Matthias Baus

Wiederaufnahmen

Beliebte Klassiker zur Winter- und Weihnachtszeit locken Kinder wie Großeltern, Familie und Ballettliebhaber ins Theater. Nussknacker und Mausekönig lässt Claras Träume unter dem Weihnachtsbaum einmal mehr zum Leben erwachen, während Die Schneekönigin in einem rasanten Abenteuer die Kleinsten unserer Theaterzuschauer in die Welt des Puppentheaters entführt. Mit Versetzung und Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute kehren 2020/21 zwei von Presse und Zuschauern gleichermaßen gefeierte Produktionen aus dem Bereich Schauspiel zurück: Aufrüttelnd, bewegend und voller Denkanstöße. Die Opernbühne lässt Markus Dietzes Inszenierung Der fliegende Holländer wieder aufleben und führt die Erfolgsserie von Mozarts dramatischster Oper Don Giovanni auch 2020/21 fort.

Text: Julia Schinke
Fotos: Matthias Baus

Lesen Sie hier die bestehenden Blogbeiträge zu den Wiederaufnahmen:
“Versetzung”
“Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute”
“Der fliegende Holländer”
“Don Giovanni”
“Nussknacker und Mausekönig”