Ab Samstag, 7. März, ist die Mezzosopranistin Monica Mascus in der Neuinszenierung von Sergej Prokofjews Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ zu erleben. Ein schöner Anlass, sie einmal zu einem Gespräch zu treffen. Denn nach mittlerweile 21 Jahren in Koblenz ist es jetzt wirklich an der Zeit, mehr von ihr – und über sie – zu erfahren.

Monica Mascus im Bühnenbild zu

Wurzeln geschlagen hat sie in Koblenz längst. „Das bleibt nicht aus, wenn man ein Kind hat“, sagt sie. Der Sohn ist mittlerweile 14 Jahre alt, die Familie lebt nach langer Zeit auf der Karthause nun seit vier Jahren in der Südstadt. Muss sie irgendwohin, nimmt sie das Rad – „es ist ja alles so nah“. Und dann sieht man sie eben manchmal durch die Casinostraße flitzen, oft auf dem Weg ins Theater.

Gerade jetzt ist das täglich der Fall, denn Monica Mascus steht demnächst als Prinzessin Clarice in der Neuinszenierung von Prokofjews „Die Liebe zu den drei Orangen“ auf der Bühne. Premiere ist am Samstag, 7. März. Und das bedeutet für sie im Augenblick: Vormittags von zehn bis eins oder zwei hat sie Proben, gefolgt, nach einer Pause, von weiteren Proben ab sechs oder sieben. Das Familienleben mit Kind und Ehemann – ihr Partner Bernhard Steiner ist freischaffender Dirigent und ebenfalls vielbeschäftigt – muss also in diesen Wochen etwas zurückstehen. „Aber das passt schon. Immerhin ist unser Sohn jetzt alt genug, um auch mal ein paar Stunden allein sein zu können.“

Dass sie eines Tages in Koblenz sesshaft werden würde – „nein, danach hat es damals nicht ausgesehen“, erinnert sie sich beim Cappuccino. Hergezogen war sie vor 21 Jahren, war von der damaligen Intendantin Annegret Ritzel aus Gießen abgeworben worden. Für die Mezzosopranistin einfach nur perfekt – denn ihr einstiger Freund und heutiger Mann war nur ein Jahr zuvor noch von Ritzels Vorgänger George Delnon ebenfalls aus Gießen ans Deutsche Eck geholt worden. Erst einmal ein paar gemeinsame Jahre in Koblenz, dachten die beiden, dann würde man vermutlich weiterziehen. Doch wie es oft so ist: Manches erweist sich selbst in einem unsteten Künstlerleben wider Erwarten als besonders dauerhaft.

Wobei sicher dazu beigetragen hat, dass der Sohn die Leidenschaft der Eltern fürs Theater teilt und mittlerweile auch schon ein paarmal auf der Koblenzer Bühne gestanden hat, zuletzt den Harry in „Albert Herring“ spielte. Ob eines Tages ein Sänger aus ihm wird? Eher nicht, vermutet die Mutter. Obwohl sie sich für ihn wünscht, dass er den Gesang als Hobby auch nach dem Stimmbruch beibehält. „Aber er soll später nur das machen, was er möchte.“

Monica Mascus in „Der Rosenkavalier
Monica Mascus in „Der Rosenkavalier

Begonnen hatte es für die kleine Monica mit der Musik übrigens einst im Kirchenchor in ihrer Geburtsstadt Wiesbaden. „Da war ich fünf“, sagt sie, „und weil meine großen Geschwister dort bereits sangen, fanden es meine Eltern eine gute Idee, mich ebenfalls anzumelden.“ Mutter und Vater waren keine Berufsmusiker, aber musikbegeistert. Und förderten die Tochter in allem. Mit 16 folgte der erste professionelle Gesangsunterricht, und, nach dem Abitur, das Gesangsstudium. Zunächst für ein Jahr in München, dann wechselte sie nach Würzburg. Zwei Jahre in der Opernschule in Karlsruhe schlossen sich an. Das Rüstzeug also – es ist umfassend erworben.

Und so verlief der Berufseinstieg auch problemlos: Monica Mascus startete 1995 im Stadttheater Gießen als Gast in der „Zauberflöte“, bekam eine Spielzeit später ein Festengagement. Drei Jahre sollten es am Ende werden, in denen sie zahlreiche wichtige Partien ihres Fachs singen konnte. Sie verkörperte den Ritter Ruggiero in Händels „Alcina“, Orlowski in der „Fledermaus“, Charlotte in Massenets „Werther“, Cherubino im „Figaro“ und Humperdincks Hänsel. „Eine tolle Zeit“, sagt sie heute. „Ich habe viel gelernt und mich sehr entwickeln können.“

Was später in Koblenz u.a. zu Ortrud („Lohengrin“), Herodias („Salome“), dem Prinzen in der zeitgenössischen Oper „Emilia Galotti“ und 2016/17 zur Marschallin im „Rosenkavalier“ führte – letzteres eine große Herausforderung, da sie ein gutes Jahrzehnt zuvor deren jungen Liebhaber Octavian gesungen hatte. „Es war nicht einfach, die Perspektive zu wechseln“, gesteht sie ein. „Die Haltung der Marschallin war schwierig für meinen Kopf, ich war in allem so sehr auf Octavians Seite.“

Monica Mascus in „Emilia Galotti“

Nach über einem Jahrzehnt der Festanstellung arbeitet sie nun seit 2014 freischaffend. Der Vorteil daran? „Die Vielseitigkeit“, antwortet sie sofort. Mitglied eines Ensembles zu sein bedeutete für sie knapp zwei Jahrzehnte lang, so gut wie ausschließlich Opern zu singen. Nun kann sie sich endlich intensiver dem Konzert widmen. Und da vor allem den Orchesterliedern der Romantik. Mahler oder Berlioz vor allem. Was sie abseits der Bühne sonst noch liebt? „Das Verdi-Requiem.“

Ein weiterer Vorzug der Selbstständigkeit: Jetzt kann sie auch Lehraufträge annehmen. An der hiesigen Uni arbeitet sie ja schon länger. Aber nun pendelt sie zudem einen Tag in der Woche nach Hannover, um an der dortigen Hochschule zu unterrichten. Ist das vielleicht auch eine Art von Zukunftsplanung, falls die Stimme eines Tages nicht mehr mitmacht? Nein. Schließlich ist sie ja keine Soubrette und nicht auf Jungmädchenrollen abonniert. „Das Mezzo-Fach kann man bis weit ins hohe Alter singen.“ Die Hexe in „Hänsel und Gretel“ etwa oder die Klytämnestra in Strauss’ „Elektra“ seien Partien, für die eine Sängerin naturgemäß ein gewisses Alter braucht.

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich noch viele Jahre auf der Bühne stehen werde“, sagt sie. Und es läuft gut. Auch weil sie mittlerweile andernorts gastiert, beispielsweise im Leipziger „Ring“ als Waltraute dabei ist. Und die Ungewissheit, mit der eine Freiberuflerin leben muss – ist das ein Problem für sie? Offenbar nicht. Oder, besser gesagt: nicht mehr. „Ich habe gelernt, damit umzugehen. Freie Zeiten ebenso gut auszuhalten wie den hohen Stress, den man natürlich auch mal hat.“ Aber es geht eben immer irgendwie weiter. Das ging es ja immer.

Text: Margot Weber
Fotos: Anja Merfeld (Porträt), Matthias Baus (Rollenporträts)