Seit 1787 steht das Theater Koblenz als Kulturinstitution im Mittelpunkt dessen, was unsere Gesellschaft zusammenhält.

In diesem Jahr feiert das Theater Koblenz sein 230-jähriges Bestehen. Es ist der einzige erhaltene klassizistische Theaterbau am Mittelrhein und wurde 1787 in nur siebenmonatiger Bauzeit errichtet – eine derart kurze Zeitspanne für den Bau eines Gebäudes dieses Umfangs ist heutzutage schier undenkbar. Das Große Haus wurde durch den Trierer Erzbischof und Kurfürsten Clemens Wenzeslaus in Auftrag gegeben. Seinen Wunsch eines “Opern-, Komödien-, Ball- und Assembléehauses” für die Stadt Koblenz und seine Einwohner setzte der Architekt Peter Joseph Krahé schließlich in die Tat um. Den Zweck dieses Theaterbaus fasst Wenzeslaus damals zusammen mit den lateinischen Worten “Musis Moribus Et Publicae Laetitiae Erectum MDCCLXXXVII” (Den Musen, der Sittlichkeit und zur Freude der Öffentlichkeit errichtet 1787). Wenzeslaus platzierte diese Inschrift über den Eingang des Großen Hauses: Wie ein Credo sollte es seine Zeitgenossen und alle Nachfahren daran erinnern, dass dieses Theater gebaut wurde, damit das Volk zusammenkommen, sich versammeln und sich an der Kunst erfreuen kann.

Dass wir allerdings überhaupt in der Lage sind, weiterhin dem Credo entsprechend zu handeln, Zuschauer in unser Haus einzuladen und am 23. November sogar dieses Jubiläum zu begehen, ist nahezu ein Wunder. Denn ohne den kühnen Einsatz zweier Bühnentechniker im Zweiten Weltkrieg hätte das Große Haus diesen nicht überstanden. Obwohl das Theater geschlossen war, harrten die Bühnentechniker vor Ort aus. Als dann in einer Bombennacht im Herbst 1944 nicht nur das Theater, sondern auch das Post- und Regierungsgebäude gegenüber brannten, retteten die Bühnentechniker durch eine List das Große Haus: Sie behaupteten, dass der Gauleiter befohlen hätte, zuerst das Theater zu löschen. Die Feuerwehr – autoritätshörig wie man damals war – befolgte diesem angeblichen Befehl sofort, sodass das Theater Koblenz den Zweiten Weltkrieg nur leicht beschädigt überstand.

Inzwischen ist das Theater Koblenz ein Vierspartentheater mit eigenem Ensemble für Schauspiel, Musiktheater, Ballett und Puppenspiel. Das Repertoire umfasst Oper, Musical, Schauspiel, Ballett, Kinder- und Jugendtheater aus allen Epochen und bietet so einen atemberaubenden Streifzug durch die Theatergeschichte: Von der antiken Tragödie über die Barockoper bis zur Uraufführung und Projekten des Musiktheaters für junge Menschen ist das Spektrum gefasst. Spielorte sind neben dem Stadttheater die Probebühne 2 und Probebühne 4 im neuen Erweiterungsbau. Mobile Produktionen ermöglichen Theateraufführungen im Kindergarten, der Grundschule und für Schüler der weiterführenden Schulen. Damit wird das Spielangebot des Theaters Koblenz dem Anspruch an ein Stadttheater gerecht und bereichert maßgeblich das kulturelle Leben der umliegenden Regionen an Rhein und Mosel, in Hunsrück, Eifel und Westerwald.

Das Ziel des Assembléehauses, das Volk – und zwar nicht nur das hiesige – im Theater Koblenz zu versammeln, wird auch intern wörtlich genommen: Unter der Leitung von Markus Dietze, der seit der Spielzeit 2009/2010 die Intendanz bekleidet, arbeiten insgesamt rund 200 fest Angestellte (ohne Orchester) aus ca. 28 Nationen, die 27 verschiedene Berufe ausüben.

Unikate kaufen, Sanierung unterstützen

Im Rahmen des diesjährigen Jubiläums hält das Theater Koblenz außerdem zwei Besonderheiten parat, bei denen vor allem Nostalgiker und Sammler aufhorchen werden. Zur Feier des 230-jährigen Bestehens des Theaters Koblenz verkaufen wir Unikate der speziellen Art: Die letzten 70 Exemplare unserer Theater-Taschen aus Theatervorhang (je 30,00 €) sowie eine streng limitierte Auflage aufgearbeitete Blöcke aus dem Bühnenboden mit eingravierter Jahreszahl (je 23,00 €). Dabei wird der Erlös aus dem Verkauf für die geplanten Sanierungsmaßnahmen verwendet.

Im Sommer 2014 wurde der ausgediente Bühnenvorhang unseres Theaters ausgetauscht. Die faszinierende Entstehung unseres neuen Vorhangs haben wir damals in einem Zeitraffer-Video zusammengefasst:

Über 30 Jahre eröffnete, begleitete und schloss dieser Vorhang unzählige Proben und Vorstellungen. Der treue Wegbegleiter unserer Bühne wurde erstmals zur Spielzeiteröffnung 2014/2015 in eure Hände übergeben – als Taschen in unterschiedlichen Ausführungen. Nun bieten wir erneut die Möglichkeit, ein ganzes Stück Geschichte unseres Theaters zu erwerben und verkaufen die Shopper-Bag im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten. Dafür schneiderten der Gewandmeister Maik Stüven mit seinem Team einzigartige Taschen aus dem gut erhaltenen, übrigen Material des Vorhangs. Das alles geschah in Handarbeit, die Damen der Schneiderei nähten dabei unter anderem speziell gefertigte, kleine Theateretiketten in diese ein.

Mit der Stoffmalfarbe und einem weißen Vorhang fing alles an. Wir haben die Taschen dahin gebracht, wo ihr ursprüngliches Motiv entstanden ist.

Auch einen kleine Teil unseres alten Bühnenbodens haben wir für Sie zum Erwerb aufbereitet: Einige der langen Platten, die insgesamt eine Bühnenfläche von 305 m² bilden, wurden in unserer Schreinerei in 230 kleine Blöcke zurechtgeschnitten. Seit der Generalsanierung in den Jahren 1984-85 wurde der Bühnenboden alle zehn Jahre teilweise erneuert. Die Blöcke sind Fragmente der vergangenen drei Jahrzehnte, in denen sie den soliden Grund für unzählige Schritte und Sprünge der Sänger, Schauspieler und Tänzer bildeten. Jeder einzelne dieser Blöcke wurde mit einer Plakette versehen, auf der jeweils eine Jahreszahl zwischen 1787 und 2017 eingraviert ist. Somit ist jeder Block in jeglicher Hinsicht einzigartig und ein Zeugnis der langen, beachtlichen Geschichte unseres Theaters.

Ein Stück Bühnenboden für jedes Theaterjahr.

Wir sind dankbar, Teil dieses geschichtsträchtigen Theaters in Koblenz zu sein und dieses Jubiläum mit Ihnen feiern zu können. Sichern Sie sich am 23. November Ihren ganz persönlichen Teil dieser Tradition und tragen auch Sie so dazu bei, dass wir die vor uns liegenden Herausforderungen einer weitreichenden Sanierung unserer altehrwürdigen Bausubstanz in Angriff nehmen können.

Nathalie Thomann