Von Markus Dietze

Das hängen sie beide. Bald wird nur noch der neue Vorhang zu sehen sein.
Da hängen sie beide. Bald wird nur noch der neue Vorhang zu sehen sein.

Der denkmalgeschützte, klassizistische, in nicht als dezent zu bezeichnenden Blautönen gehaltene Zuschauerraum unseres Theaters mit Stuck, Goldimitat und historischer Trompe-l’œil-Malerei hat noch so gut wie jeden Gast in seinen Bann gezogen. Selbst hartgesottene postdramatische Jungregisseure können sich dem speziellen Reiz einer so eindeutig die Theaterkunst als etwas Wertvolles und Bewundernswürdiges kennzeichnenden architektonischen Gestaltung kaum entziehen.

Allerdings sind die speziellen Herausforderungen, die der umfassende Denkmalschutz eben dieser Gestaltung im täglichen Arbeiten an die technische Direktion und die Theaterleitung stellt, oft Anlass für nah an die Verzweiflung heranreichende Gemütszustände: von der vermutlich auf ewig bestehenden Unmöglichkeit einer Klimatisierung (wohlwollende Opernfreunde nennen es „das kleine Bayreuth-Feeling“) über die Tatsache, dass zum Beispiel der ursprüngliche Lieferant der Theaterbestuhlung längst nicht mehr existiert (was jede Reparatur defekter Stühle zu einer besonderen Aufgabe für die Haustechnik macht), und alltägliche Herausforderungen, wenn es um die Barrierefreiheit geht, bis hin zur Tatsache, dass auch die kleinste Renovierung eine kostspielige Angelegenheit zu werden droht.

Der besondere Blickfang des Zuschauerraums, der Hauptvorhang, ist seit der letzten Generalsanierung vor 20 Jahren nicht nur durch tägliche „Schwerstarbeit“ in Mitleidenschaft gezogen worden: Der Staub von Jahrzehnten, Löcher, Risse, Verfärbungen und zwei Wasserschäden durch Fehlfunktionen der Sprinkleranlage haben dafür gesorgt, dass aus dem „Blickfang“ inzwischen ein „Da-gucken-wir-jetzt-lieber-mal-nicht-so-genau-hin“ geworden ist – und das an der größten und prominentesten Fläche eines Theater-Zuschauerraums.

Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass (wie in diesem Zusammenhang nicht weiter ausgeführt werden muss und soll) die Zuwendungen unseres Rechtsträgers nicht in unerschöpflicher Menge fließen und jenseits unserer Kern- und Pflichtaufgaben, nämlich das Theater und kulturelles Zentrum für die Menschen in Stadt und Region zu sein, so gut wie keinen Handlungsspielraum lassen, hatte ich nicht erwartet, je der Intendant sein zu dürfen, der diesem Theater und seinem Publikum einen neuen Hauptvorhang präsentieren kann.

Dass es nun am 18. Februar 2014 nun doch dazu kommt, ist in erster Linie dem großen Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Malersaal und der Deko-Abteilung zu verdanken, die Dank vorausschauender und effektiver Planung der Produktionsleitung in der Lage waren, zwischen November und Januar die insgesamt benötigten 396 Quadratmeter Stoff zu konfektionieren, malerisch zu gestalten und zu nähen – neben all den Aufgaben, die sonst noch zu erledigen waren.

Und natürlich wäre das ganze Projekt ohne das wahrlich großzügige Engagement des Freundeskreises des Theaters Koblenz niemals zustande gekommen: Denn der Freundeskreis hat aus den Spenden seiner Mitglieder die erheblichen Materialkosten des neuen Theatervorhangs komplett übernommen.

Die große Energie und Freude, mit der sich Theatermaler und Dekorateur dieser einmalige Aufgabe gewidmet haben, hat uns alle angesteckt und täglich neu zu begeistern vermocht. Und so ist eine wirklich schöne multimediale Dokumentation des Projektes „Hauptvorhang 2014“ entstanden, mit der wir möglichst viele Theaterfans (und solche, die es nach dem Anschauen zum Beispiel des tollen Zeitraffer-Videos ebenfalls sein werden) begeistern möchten.

Die Finanzierung: ein Beispiel für bürgerschaftliches Engagement für ein Theater, das auch 226 Jahre nach seiner Eröffnung durch den berechtigten Stolz der Bürgerinnen und Bürger des ein Theater tragenden Gemeinwesens und seine künstlerische Vielfalt fest im intellektuellen und emotionalen Herz der Gesellschaft verankert ist. Danke. Die Umsetzung: Ein Beispiel für die Hingabe, die Professionalität, die Kreativität und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter eines Stadttheaters. Danke.