Von Markus Dietze

Theater_Koblenz_reneguels
Theaterbesucher mit Handys und Kameras in den ersten Reihen: Twitterer Rene Güls (@reneguels) nahm dieses Foto während des Tweetups auf.

Theater ist als tief in unserer Gesellschaft und Kultur verwurzeltes Medium immer schon sozial. Wenn also von „Social Theatre“ die Rede ist, muss ich mir – ehrlich gesagt – immer ein wenig auf die Zunge beißen, damit nicht ein langer Grundsatzvortrag daraus wird.

Theater wirkt – und das tut es schon immer – durch seine Unmittelbarkeit. Twitter wirkt – und das ist als Vorteil dieses Mediums zu beschreiben und zu begreifen – durch seine Mittelbarkeit.

Und deshalb ist die „Twitterbühne“ für uns Theater eine schöne und sinnvolle Erweiterung dessen, was die Kunstform Theater schon immer ausmacht. Es sind die alten und neu erdichteten Geschichten von glücklichem Gelingen und tragischem Scheitern, die uns immer wieder unterhalten und berühren. Diese Geschichten erzählt Theater, und sie sind es seit über 2500 Jahren wert, weitererzählt zu werden. Auf allen Wegen der Kommunikation, die sich bieten. Also eben ganz natürlich auch auf Twitter.

Das Schönste an unserem Tweetup war für mich, dass „das Theater“ als Kunstform und Medium deshalb gar nichts anders machen musste als sonst.

Wenn wir von technischen Fragen absehen: Alles, was zum Gelingen nötig war, war, dass die „Theaterkünstler“, also wir, akzeptieren, dass über ihre Kunst in einer vielleicht (noch) nicht so weit verbreiteten Art und Weise kommuniziert wird und unsere Geschichten in einem weiten öffentlichen Medium weitererzählt und diskutiert werden und unsere Scheu davor und die vollkommen unbegründete Angst vor dem Verlust einer wie auch immer gearteten „Deutungshoheit über theatralische Ereignisse“ einfach loszulassen.

Es gibt Sonntage – zum Beispiel auf der abendlichen Dienstreise im Zug – da schaue ich Tatort quasi nur über Twitter. Interessant dabei ist, dass einem eher schlecht gemachten, unzureichend gespielten, blöd geschriebenen Tatort auch eine fulminante Begleitung auf Twitter nicht wirklich auf die Beine hilft, während ein Tatort, den ich an sich als sehenswert empfinde oder im Nachhinein als sehenswert empfand auch in seiner Darreichungsform als eine große Menge Twitter-Kommentare spannend und unterhaltsam ist.

Dass unser #TweetUpKO von den Beteiligten, ob unmittelbar oder mittelbar, an den „Empfangsgeräten“ als bereichernd und unterhaltsam erlebt wurde, hat also im Grunde genommen vor allem mit der Qualität dessen zu tun, was das Theater an diesem Abend zu bieten hatte. Das ist eine schöne Erkenntnis, denn sie bedeutet vor allem, dass uns als Theater auch vor kommenden Kommunikationsexperimenten mit den „neuen Medien“ alles andere als bang sein muss.

In diesem Sinne: Auf zum nächsten Tweetup am Theater Koblenz.­