„Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“, Teil 3. Wir sehen ein gutbürgerliches, wohlsituiertes Mutter-Tochter-Gespann und tauchen ein in die Abgründe der Kunst-, Künstler- und Kritikerszene. Ursprünglich waren das lediglich zwei Teile eines größeren Theaterabends. Aufgrund der Pandemie ist aus ihnen nun ein eigenständiger Film geworden.

Am Set von The Screaming Impossibility of Death – Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten

In „Gänseblümchen pflücken“ von Sofiya Sobkowiak treffen wir auf eine Mutter und ihre Tochter aus der vermeintlich besseren Gesellschaft, verkörpert von Raphaela Crossey und Esther Hilsemer. Die erst 22-jährige Autorin beschäftigt sich in ihrem Stück, wie sie uns erzählte, mit dem Vererben von Traumata, aber auch mit der Selbstwahrnehmung von Frauen in unserer Gesellschaft. „Ich finde es interessant“, sagt sie, „wie Mütter ihren Kindern Gefühle und Lebenseinstellungen weitergeben können, so dass die nächsten Generationen weiter mit ihnen im Konflikt stehen.“

Das zweite Werk dieses Doppelabends, „The Screaming Impossibility of Death“, hat hingegen mit Familie nichts zu tun. Von einem Beziehungskonflikt erzählt die gebürtige Potsdamerin Elisabeth Pape gleichwohl. Bei ihr begegnen wir einer Künstlerin und einem Kritiker, die einst eine private Beziehung verband, aufgrund derer sich ein Konflikt entspinnt. So dass wir Zuschauer vor interessante Fragen gestellt werden: Wer hat die Macht über die gemeinsame Vergangenheit? Wer die Kontrolle? Wer die Deutungshoheit? Und: Was ist noch Plagiat – und wo beginnt die eigenschöpferische Kunst? Und ist ein Plagiat eigentlich eine Lüge – oder nur eine andere Form von Wahrheit?

Insgesamt zehn junge Autor*innen aus dem Studiengang „Szenisches Schreiben“ an der Berliner Universität der Künste (UdK) hatten wir um Stücke gebeten, die sich mit dem 8. Gebot auseinandersetzen: “Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten”. Diese beiden Werke sind ein Teil davon. Die Uraufführungen hatten wir für dieses Frühjahr im Theater vorgesehen. Pandemiebedingt können wir sie aber nun leider nicht vor einem Live-Publikum spielen, weshalb wir beschlossen haben, sie zu verfilmen.

Wir zeigen Ihnen die insgesamt neun Stücke – eines der Werke ist das Teamwork zweier Studierender – allerdings nicht als dreistündigen Episodenfilm, sondern jeweils als Zweiteiler im Doppelpack. Jeder Abend wird dabei von einem eigenen, digitalen Programmheft begleitet. Die Filme sind hier zu finden. Zur Einstimmung, Einführung und zum kostenlosen Download: das Heft des dritten Teils.

Am Set von Gänseblümchen pflücken – Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten

Text: Margot Weber
Fotos: Matthias Baus


Hier finden Sie alle weiteren Programmhefte zu “Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten”:
Folge 1 – “beretta kaliber 22” von Sarah Amanda Dulgeris und “Hausmusik” von Rosa Rieck
Folge 2 – “Zigaretten zum Nachtisch” von Patty Kim Hamilton und “Rabenmutter” von Katharina Kern