von Katharina Dielenhein

1. Manchmal schreit jemand, und dann sagt jemand anders: „Das ist hier normal.“

Als es passierte, war ich die einzige Person, die zusammenzuckte. Wir saßen zu viert in der wöchentlichen Dramaturgie-Konferenz, als auf dem Flur plötzlich jemand laut aufschrie. Mein erster Instinkt war, aufzuspringen, raus zu rennen, nachzuschauen. Aber außer mir machte niemand Anstalten, dem Schrei zu folgen. Stattdessen schaute eine Kollegin mich an, als würde sie bereits ahnen, was in meinem Kopf passiert, und sagte lächelnd: „Das ist hier normal.“ Nun, normal ist natürlich ein starkes Wort, aber sie hat Recht: Ungewöhnlich ist es nicht. Da die Probebühnen im Haus verteilt sind, höre ich während der Arbeit immer mal wieder einen Schrei oder einen Ruf, wenn die Künstler gerade in intensiven Probenphasen stecken. Bald habe ich mich sicherlich an die Schreie, die Stimmen gewöhnt. Und so lange nutze ich sie einfach zu meinem Vorteil. Im Gewirr der Geräusche fällt nämlich nicht so schnell auf, wenn ich meinen Computer anmotze.

2. Fremde Sprachen, fremde Menschen

Sri Lanka, USA oder Großbritannien: Viele unterschiedliche Nationen treffen im Koblenzer Theater aufeinander. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert, wird während der Proben und auch in der Kantine überwiegend Deutsch gesprochen. Davon ausgenommen ist das Ballett. Im Zwiegespräch, etwa am Drucker, während Noten oder eine Partitur kopiert werden, oder in der Küche, in der gerade schnell ein Tee aufgebrüht wird, wird dann doch immer mal wieder zu Englisch oder – je nach Gesprächspartner – zur Muttersprache gewechselt. Und so schallen den ganzen Tag über verschiedene Sprachen, Dialekte, Akzente durch die Flure. Das Theater wird auf diese Art zu einer bunten Mischung der unterschiedlichsten Kulturen, der unterschiedlichsten Menschen. Und jeder von ihnen bringt eine eigene spannende Geschichte mit.

3. Entschuldigen Sie, werter Sir, gibt es noch A4-Papier?

Auch ungewöhnliche Begegnungen im Flur sind am Theater durchaus an der Tagesordnung. So rannte ich jüngst, als ich mein Büro verließ, fast in einen Herrn, der einen samtenen, wallenden, roten Umhang und einen extravaganten Schnauzbart trug. Während er grüßte, als sei das für ihn eine ganz normale Begegnung, um dann schnell ein paar Blätter zu kopieren, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Zwar sind Kostüme in der Endprobenzeit regelmäßige Begleiter der Künstler, dennoch hat es etwas Abwegiges, wenn die Kunstfiguren plötzlich ganz alltägliche Arbeiten ausführen – und das an ganz alltäglichen Plätzen und nicht auf der Bühne.