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Solch lustigen Gesellen begegnet man mitunter im halbdunklen Flur. Foto: Matthias Baus

von Katharina Dielenhein

1. Die Stimme aus dem Nichts

Als ich zum ersten Mal das Gemurmel gehört habe, dachte ich: „Jetzt ist es so weit. Du wirst verrückt.“ Beim zweiten Mal nahm ich kein reines Murmeln mehr wahr, sondern hin und wieder auch ein Wort. Techniker. Bühne. Kommen. Diesmal war ich sicher: Da sprach doch jemand. War ich doch nicht verrückt? Ich blickte um mich und suchte nach der Quelle der flüsterleisen Stimme. Auf dem Flur? Nichts. Das Nebenbüro? Leer. Draußen vor dem Fenster? Fehlanzeige. Als die Geräusche anhielten, schloss ich die Augen und versuchte, die Geräuschquelle zu orten. Über mir hing ein Lautsprecher. Und dort schien die Stimme auch herzukommen. Hatte die Kollegin mir nicht schon vor Monaten, noch während meiner Bewerbungsphase, erzählt, dass ich mithören konnte, was im Großen Haus passiert, wenn dort geprobt wird? An der Tür entdeckte ich einen Drehschalter; und siehe da: Die Stimme wurde lauter. Und ich verstand. Während der Proben höre ich auf diesem Wege die Stimme der Inspizientin oder des Inspizienten. Auf diesem Weg erfahren unter anderem Künstler oder Bühnentechniker, wenn sie gebraucht werden beziehungsweise wenn ihr Auftritt bevorsteht. So sind sie rechtzeitig da, egal, wo im Haus sie sich gerade befinden.

2. Die singenden Kollegen

Nun, jetzt könnte man sagen: Singende Kollegen hat doch jeder. Tatsächlich wurde bei meinem früheren Arbeitgeber, vor allem in meiner letzten Abteilung, ständig gesungen. Wir hatten sogar ein gemeinsames Lied, das wir hier und da im Chor geschmettert haben. Seit meinem Wechsel zum Theater hat sich aber eines fundamental verändert: Der Gesang, der immer wieder durch den Flur oder aus den Büroräumen hallt, ist plötzlich schön anzuhören. Ich möchte niemandem zu nahe treten, aber früher war das nicht immer so. Mitunter kamen sogar Kollegen aus dem Nebenbüro, um sich zu erkundigen, ob alles okay ist. Und nicht nur der Gesang ist das Besondere. Immer wieder höre ich plötzlich in der Ferne ein Klavierspiel oder – je nachdem, wo ich mich gerade befinde – die Klänge eines ganzen Orchesters. Das Haus ist voller Musik. Wundervoll!

3. Tote Ziegen überall

Nein. Im Theater liegen selbstredend nicht überall tote Ziegen rum. Aber eine habe ich gesehen. Tot war sie natürlich auch nicht – also nicht wirklich. Erschreckt habe ich mich trotzdem, als ich nichtsahnend aus dem Foyer kam und über die Seitenbühne schlich. Da lag sie, die „blutige“ Stoffziege, im Halbdunkeln. Und mein Herz rutschte mir für einen kurzen Moment in die Hose. Immer wieder, wenn ich durch das Gebäude laufe, stehen und liegen an bestimmten Stellen Requisiten und Bühnenbilder herum. Pistolen, Gläser, Schwerter, menschenhohe Blumen, Tonbandgeräte, Papageien, Stoffhunde, Schilder, Koffer – was habe ich nicht schon alles gesehen.