Via und Tom, Bruder und Schwester, treffen am Vorabend der Beerdigung ihrer Mutter aufeinander. Beide haben, nach einer traumatisierenden Kindheit, nicht Fuß fassen können im Leben. „Die Brücke in der Nacht“ von Lisa Wentz erzählt davon, wie es ist, in einer Suchtfamilie aufzuwachsen, in der Alkohol und blaue Flecken, womöglich aber auch Missbrauch, zum Alltag gehörten. „Zwei Geschwister, die gerne einfach nur zusammen ,Kinder Bueno’ essen würden, aber sich stattdessen gegenseitig verlieren müssen“ – so beschreibt es die Autorin selbst.

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten – Am Set von Mädchen im Wald

Die Uraufführung dieses Werks hatten wir für dieses Frühjahr im Theater geplant. Pandemiebedingt können wir es aber nun leider nicht vor einem Live-Publikum spielen. Deshalb haben wir beschlossen, es zu verfilmen. Entstanden war es im Rahmen unseres Projekts „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ – ein Abend, für den Wentz und neun ihrer Kommiliton*innen Auftragswerke für das Theater Koblenz geschrieben haben. Sie alle studieren an der Berliner Universität der Künste (UdK) „Szenisches Schreiben“ unter der Leitung des Autors und Dramaturgen John von Düffel.

Als uns klar war, dass aus unserem Projekt kein Theaterabend werden könnte – und wir uns entschlossen, daraus einen Film zu machen –, haben wir uns allerdings ebenfalls entschieden, Ihnen die Uraufführungen nicht als mehrstündigen Episodenfilm zu zeigen, sondern jeweils als Zweiteiler im Doppelpack.

Und so sehen Sie im vierten Teil nun im Anschluss an „Die Brücke in der Nacht“ das Zweipersonenstück „Mädchen im Wald“ von Lena Reißner. Eine Szene einer Ehe, in der ein namenloser „Er“ eine gleichfalls namenslose „Sie“ offensichtlich nicht nur seit langem irritiert und verunsichert, sondern auch manipuliert und nachhaltig verstört hat. So sehr, dass auch wir Zuschauer am Ende nicht mehr wissen, was wir hier sehen. Ein einigermaßen alltägliches Beziehungsdrama – oder eine Geschichte, die als Alptraum der Frau beginnt und bei der sich nach und nach die Realität auflöst?

Jeder Teil wird von einem eigenen Programmheft begleitet. Die Filme sind hier zu finden. Zur Einführung auf „Die Brücke in der Nacht” und “Mädchen im Wald“ gibt’s unter nachfolgendem Link das digitale Heft zum Download.

Text: Margot Weber
Fotos: Arek Głębocki


Hier finden Sie alle weiteren Programmhefte zu “Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten”:
Folge 1 – “beretta kaliber 22” von Sarah Amanda Dulgeris und “Hausmusik” von Rosa Rieck
Folge 2 – “Zigaretten zum Nachtisch” von Patty Kim Hamilton und “Rabenmutter” von Katharina Kern
Folge 3 – „Gänseblümchen pflücken“ von Sofiya Sobkowiak und „The Screaming Impossibility of Death“ von Elisabeth Pape