Intelligent telefonieren

von Juliane Wulfgramm

Gerade habe ich eine Werbung gesehen, eine von vielen, in denen mir intelligentes Telefonieren versprochen wird. Das ist ja eigentlich super! Entgegen besseres Wissen stelle ich mir folgendes Szenario darunter vor: Mein Telefon ist so intelligent, automatisch unerwünschte Anrufe abzuwimmeln. Es wählt dazu die angebrachten Texte eigenständig aus: Nein, ich möchte kein supergünstiges Tarifupgrade mit 100 Freiminuten zusätzlich, denn ich habe eine Flatrate. Nein, ich will kein Probeabonnement der Fachzeitschrift für Haustierliebhaber, ich bin allergisch. Nein, ich möchte auch die Apothekenumschau deswegen noch lange nicht regelmäßig im Briefkasten haben. Nein, ich will auf keinen Fall an einer Umfrage zum Thema „Wie viele Zacken hat der Leibnizkeks?“ teilnehmen und ich möchte auch nicht am Telefon mit wildfremden Menschen über meine private Altersvorsorge, mein Wählerverhalten oder meine Urlaubsziele reden. Einen Kredit brauche ich gerade wirklich nicht. Und eine Probefahrt mit der neuen A-Klasse auch nicht, ich habe doch den Kredit nicht genommen. Und danke, NEIN!!! Sie müssen alle nicht noch mal anrufen. DAS nenne ich ein intelligentes Telefon.

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Drei Gründe, aus denen das Arbeiten an einem Theater ein besonderes ist – Teil IV

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Sich vor einer Premiere “Toi toi toi” zu wünschen, ist beim Theater Tradition – und die perfekte Vorlage für ein Fettnäpfchen für neue Mitarbeiter.

von Katharina Dielenhein

1. Der abergläubischste Arbeitsplatz der Welt

Es liegt doch eigentlich so nah, und jede Faser meines Körpers will es tun: Danke sagen. Und doch reiße ich mich zusammen. Und tue es nicht. Sondern beiße mir unauffällig auf die Lippe und schweige. Nicke leicht. Lächle. Mehr nicht. Auf den Ausspruch „Toi toi toi“, den man im Theater vor allem dann ganz häufig hört, wenn eine Premiere ansteht, antwortet man nicht mit Danke. Das schickt sich nicht. Dummerweise musste ich das erst einmal lernen. Stattdessen sagt man „Wird schon schiefgehen“ oder antwortet wiederum mit „Toi toi toi“. Aber wieso ist „Danke“ als Antwort verboten? Der Ausruf „Toi toi toi“ soll lautmalerisch für dreimaliges Ausspucken stehen. Das galt früher als Mittel, um Unglück abzuwenden. Heute wünscht man seinem Gegenüber damit Erfolg; die verbotene Antwort hingegen soll – so ein alter Aberglaube – wiederum das bringen, was man gar nicht möchte: eben Unglück. Und dieser Glaube wird hier sehr ernst genommen. Denn Unglück will – vor allem kurz vor der Premiere – verständlicherweise keiner.

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Ein Jahr Theater, ein Jahr Kultur

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Schon wenige Wochen nachdem das FSJ begonnen hat, ist Miriam Arnold als Produktionsassistentin von “Bilge Nathan” im Einsatz. Foto: Katharina Dielenhein

von Katharina Dielenhein, Miriam Arnold und Miriam Leuther

Als das Ende meiner Schulzeit nahte, stand ich – wie viele andere Schüler auch – vor der großen Frage: “Und nun?” Möglichkeiten, was man nach dem Schulabschluss machen kann, gibt es viele. Ganz klassisch etwa Ausbildung oder Studium, aber auch Praktika, Duale Studiengänge oder Work and Travel. Aber es gibt noch eine Möglichkeit, die viele junge Menschen beim Betrachten ihrer Möglichkeiten ganz außer Acht lassen: Das Freiwillige Soziale Jahr. Im sogenannten FSJ können junge Menschen ein Jahr lang Einblicke in die unterschiedlichsten Gebiete gewinnen, unter anderem ins Theater Koblenz. Denn auch wir bieten einmal im Jahr ein FSJ in unserer Abteilung Theaterpädagogik an. Die junge Frau oder der junge Mann, der sich in der Bewerbungsphase durchsetzt, nimmt an Workshops und Führungen teil und darf sogar ein eigenes Projekt auf die Beine stellen, bei dem ihm oder ihr fast vollkommen freie Hand gelassen wird. Miriam Leuther hat ihr FSJ bei uns gerade beendet, sie hat uns in der Spielzeit 2012/2013 begleitet. Miriam Arnold hat gerade mit ihrem FSJ begonnen. Wir haben die beiden gefragt, was ihnen gefallen hat beziehungsweise auf was sie sich freuen. /kdi

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Mit dem Handy ins Theater: Wir laden ein zum TweetUp im Januar

TweetUp
Vorhang auf, Smartphone an – im Januar laden wir ein zu einem TweetUp.

von Katharina Dielenhein

Woche für Woche und Abend für Abend kommentieren Twitternutzer unter Hashtags wie #wwm, #heuteshow, #illner und #tatort das Fernsehprogramm in Echtzeit. Im Theater ist so etwas üblicherweise undenkbar. Spätestens wenn die Ansage ertönt, dass jeden Moment die Vorstellung beginnt und Mobiltelefone nun auszuschalten sind, und der Raum langsam dunkler wird, liegt mein Handy stumm geschaltet in der Handtasche. Schließlich stört sich mein Nachbar sonst an dem hell erleuchteten Handydisplay. Verständlicherweise.

Im Januar machen wir es in Kooperation mit der Rhein-Zeitung nun möglich, live aus dem Koblenzer Theater zu twittern, bei Facebook zu posten und sogar aufzustehen, um das Geschehen auf der Bühne zu fotografieren – bei einem TweetUp. Am 25. Januar, einem Samstag, dürfen 30 Blogger, Twitterer und/oder Instagramnutzer zuerst das Theater erkunden und später eine Probe für das Schauspiel „Die Comedian Harmonists“ besuchen – mit eingeschaltetem Handy.

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Drei Gründe, aus denen das Arbeiten an einem Theater ein besonderes ist – Teil III

Kollege
Nicht alle Kollegen sind immer nett. Dieser hier blinkt manchmal frech.

von Katharina Dielenhein

1. Das Du gewinnt

Am Anfang habe ich noch höflich alle Kollegen so lange gesiezt, bis sie mir ganz offiziell das Du angeboten haben. Schließlich bin ich so erzogen worden. Mittlerweile traue ich mich immer häufiger, auch Kollegen, die ich zum ersten Mal treffe, vorsichtig „Sagen wir du?“ zu fragen. Denn auch wenn in meinem Berufsleben das Du nicht immer verboten war, selbstverständlich war es auch nicht. Hier am Theater ist das ganz anders. Sich zu duzen, gehört zum guten Ton und unterstreicht, dass jeder, der hier angestellt ist, für das gleiche arbeitet: für das Theaterstück, das Musical oder den Ballettabend, eben die Inszenierung, die es am Abend zu sehen gibt. Bald bin ich wohl so weit, dass ich, wenn mich jemand duzt, einfach zurückduze, ohne die Ansprache überhaupt zum Thema zu machen – und das ist etwas, das ich mich bei anderen Arbeitgebern nicht trauen würde. Doch hier ist es fast selbstverständlich. Am Theater ist es eben alles ein bisschen familiärer.

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Drei Gründe, aus denen das Arbeiten an einem Theater ein besonderes ist – Teil II

von Katharina Dielenhein

1. Manchmal schreit jemand, und dann sagt jemand anders: „Das ist hier normal.“

Als es passierte, war ich die einzige Person, die zusammenzuckte. Wir saßen zu viert in der wöchentlichen Dramaturgie-Konferenz, als auf dem Flur plötzlich jemand laut aufschrie. Mein erster Instinkt war, aufzuspringen, raus zu rennen, nachzuschauen. Aber außer mir machte niemand Anstalten, dem Schrei zu folgen. Stattdessen schaute eine Kollegin mich an, als würde sie bereits ahnen, was in meinem Kopf passiert, und sagte lächelnd: „Das ist hier normal.“ Nun, normal ist natürlich ein starkes Wort, aber sie hat Recht: Ungewöhnlich ist es nicht. Da die Probebühnen im Haus verteilt sind, höre ich während der Arbeit immer mal wieder einen Schrei oder einen Ruf, wenn die Künstler gerade in intensiven Probenphasen stecken. Bald habe ich mich sicherlich an die Schreie, die Stimmen gewöhnt. Und so lange nutze ich sie einfach zu meinem Vorteil. Im Gewirr der Geräusche fällt nämlich nicht so schnell auf, wenn ich meinen Computer anmotze.

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