Drei Gründe, aus denen das Arbeiten an einem Theater ein besonderes ist – Teil II

von Katharina Dielenhein

1. Manchmal schreit jemand, und dann sagt jemand anders: „Das ist hier normal.“

Als es passierte, war ich die einzige Person, die zusammenzuckte. Wir saßen zu viert in der wöchentlichen Dramaturgie-Konferenz, als auf dem Flur plötzlich jemand laut aufschrie. Mein erster Instinkt war, aufzuspringen, raus zu rennen, nachzuschauen. Aber außer mir machte niemand Anstalten, dem Schrei zu folgen. Stattdessen schaute eine Kollegin mich an, als würde sie bereits ahnen, was in meinem Kopf passiert, und sagte lächelnd: „Das ist hier normal.“ Nun, normal ist natürlich ein starkes Wort, aber sie hat Recht: Ungewöhnlich ist es nicht. Da die Probebühnen im Haus verteilt sind, höre ich während der Arbeit immer mal wieder einen Schrei oder einen Ruf, wenn die Künstler gerade in intensiven Probenphasen stecken. Bald habe ich mich sicherlich an die Schreie, die Stimmen gewöhnt. Und so lange nutze ich sie einfach zu meinem Vorteil. Im Gewirr der Geräusche fällt nämlich nicht so schnell auf, wenn ich meinen Computer anmotze.

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Drei Gründe, aus denen das Arbeiten an einem Theater ein besonderes ist

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Solch lustigen Gesellen begegnet man mitunter im halbdunklen Flur. Foto: Matthias Baus

von Katharina Dielenhein

1. Die Stimme aus dem Nichts

Als ich zum ersten Mal das Gemurmel gehört habe, dachte ich: „Jetzt ist es so weit. Du wirst verrückt.“ Beim zweiten Mal nahm ich kein reines Murmeln mehr wahr, sondern hin und wieder auch ein Wort. Techniker. Bühne. Kommen. Diesmal war ich sicher: Da sprach doch jemand. War ich doch nicht verrückt? Ich blickte um mich und suchte nach der Quelle der flüsterleisen Stimme. Auf dem Flur? Nichts. Das Nebenbüro? Leer. Draußen vor dem Fenster? Fehlanzeige. Als die Geräusche anhielten, schloss ich die Augen und versuchte, die Geräuschquelle zu orten. Über mir hing ein Lautsprecher. Und dort schien die Stimme auch herzukommen. Hatte die Kollegin mir nicht schon vor Monaten, noch während meiner Bewerbungsphase, erzählt, dass ich mithören konnte, was im Großen Haus passiert, wenn dort geprobt wird? An der Tür entdeckte ich einen Drehschalter; und siehe da: Die Stimme wurde lauter. Und ich verstand. Während der Proben höre ich auf diesem Wege die Stimme der Inspizientin oder des Inspizienten. Auf diesem Weg erfahren unter anderem Künstler oder Bühnentechniker, wenn sie gebraucht werden beziehungsweise wenn ihr Auftritt bevorsteht. So sind sie rechtzeitig da, egal, wo im Haus sie sich gerade befinden.

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Geschäftige Ruhe

Dirigent

Als ich das erste Mal in meinem Leben ein Theaterstück besucht habe, blieb mir eine Frage noch tagelang im Kopf: „Wie machen die das?“ Wie machen die das, dass jeder zur rechten Zeit an der richtigen Stelle steht? Wie machen die das, dass keiner seinen Einsatz verpasst? Wie machen die das, dass auf der Bühne niemand ineinander läuft, obwohl manchmal bis zu 30 Künstler oder mehr dort oben stehen und sich bewegen?

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Faust – aktuell wie nie

Immer dabei: "Faust" von Goethe
Gehört in jede Handtasche: “Faust” von Goethe

von Katharina Dielenhein

Dass Goethe Faust geschrieben hat, liegt mittlerweile mehr als 200 Jahre zurück. Und doch: Die Texte in Faust sind aktuell wie nie. Für fast alles, was dem Menschen im Laufe des Tages so passiert, gibt es ein Zitat aus Faust, mit dem man bei seinem Gegenüber mächtig Eindruck schinden kann. Wir haben fünf schöne Faust-Zitate gesammelt und erklären, wie man sie in Alltagssituationen nützlich anwenden kann.

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