Das Büro von Chefmaskenbildnerin Manuela Adebahr, ist so bunt, wie man sich die Maskenabteilung vorstellt: Es ist kein klassisches Büro, obwohl das Erste, das man beim Eintreten sieht, der Schreibtisch ist. Der mit verschiedenstem Make-up, Pinseln, Haarklammern bunt bestückte Schminktisch rechts neben der Tür, über dem ein großer Spiegel hängt, lenkt schnell vom administrativen Bereich des Büros ab. Genauso wie das Regal auf der linken Seite, aus dem mehrere unterschiedliche Perücken hervorstechen und an dem ein paar Masken hängen. Passend zu den grünen Wänden, ist die gesamte Fensterbank mit Pflanzen voll gestellt. Wir nehmen am Schreibtisch vor dem Fenster Platz.  

Welche Aufgaben gehören konkret zur Abteilung Maske?
Unsere Abteilung – wir sind insgesamt zu elft – ist zuständig für die Haare, das heißt Frisuren aus Eigenhaar, Haarschnitte am Darsteller, Perückenanfertigung und das Aufsetzen von Perücken am Abend sowie die Herstellung von Bärten. Außerdem machen wir auch das Make-up, das betrifft alle Körperstellen, die nicht mit Kleidung bedeckt sind. Das bedeutet unter Umständen auch ein Ganzkörper-Make-up, falls ein Darsteller z.B. komplett golden sein muss. Außerdem gehören die Maskenanfertigung und verschiedene Gipsarbeiten zu unseren Aufgaben: Diese waren bei der Produktion von „Das schlaue Füchslein“ besonders intensiv.

Wie detailreich und aufwendig sind denn die Masken für „Das schlaue Füchslein“?
In dieser Produktion sind ein paar Masken dabei gewesen, die extrem aufwendig gewesen sind. Zum Beispiel die Maske der Eule, für deren Anfertigung wir ca. 40 Stunden gebraucht haben. Die Hühnermasken (insgesamt sind das vier) oder der Eichelhäher sind mit ungefähr 20 Stunden pro Maske ebenfalls zeitaufwendig gewesen. Andere bestehen nur aus Rohlingen, oder aus KobraCast, einem speziellen Material, aus dem man mit warmem Wasser eine bestimmte Grundform modellieren kann. Diese Grundlagen wurden dann schlicht mit Fell oder Federn beklebt.

Und wie genau sieht der Entstehungsprozess einer solchen Tiermaske aus? Zuerst wird also eine Grundform erstellt?
Genau. Und in erster Linie muss natürlich auch geklärt werden, wo die Maske sitzen soll: wird es eine Maske, eine Büste, ein Gesichtsabdruck, auf dem man weiter modelliert? Die Verzierung wird entweder direkt auf die Grundform, den Gesichtsabdruck usw. drauf gearbeitet. Oder man macht aus flüssigem Gips nochmal einen Abdruck einer Negativform und arbeitet in diese Negativform hinein. Die Entstehung kann von Maske zu Maske ganz unterschiedlich sein und kann deshalb nicht verallgemeinert werden.

Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

Wie viel Vorlaufzeit habt ihr in der Regel, bis das Ergebnis am Ende für die Vorstellung parat sein muss? Hängt das auch mit der sechswöchigen Probenzeit zusammen, die man bis zur Premiere hat?
Das ist ganz unterschiedlich und je nachdem, wie die Kostümbildner verfügbar sind. Jetzt im Moment ist es zum Beispiel so, dass wir weit im Vorlauf sind: Wir haben jetzt schon (Vor-) Besprechungen für Produktionen der nächsten Spielzeit. Die Abgabe der Kostümentwürfe sind immer wesentlich früher, bloß ist die Maske zu den Kostümen manchmal zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar. Wenn zum Beispiel der Kostümbildner wie bei „Das schlaue Füchslein“ erst zu Beginn der szenischen Proben am Haus und verfügbar ist für Rücksprachen, ist das schon sehr knapp für unsere Abteilung. Denn die Anfertigung einer einzigen Perücke beispielsweise dauert schon, je nach Haarlänge, 60 bis 80 Stunden. Außerdem haben wir ja auch jeden Abend Vorstellungen, die wir betreuen. Die reine Werkstattzeit ist hier in dieser Abteilung also begrenzt.

Und die Zusammenarbeit mit dem Kostümbildner einer Produktion ist immer sehr eng?
Ja, genau. Letztendlich ist die Maskenbildnerei eine kreative, künstlerische Abteilung, aber wir bekommen klare Vorgaben vom Kostümbildner, nach denen wir arbeiten. Für die Tiermasken in „Das schlaue Füchslein“ haben wir von der Kostümbildnerin klare Vorgaben bekommen. Natürlich haben wir uns auch im Internet intensiv Fotos der Tierarten angesehen, die wir als Maske nachstellen. Für die Eule haben wir aber eine konkrete Eulen-Art vorgegeben bekommen.

Das heißt, der eigene kreative Anteil ist begrenzt.
Auch das ist von Kostümbildner zu Kostümbildner unterschiedlich. Der eine möchte die Ausarbeitung genau nach seiner Vorlage haben, die er in Form von Skizzen oder Fotos mitbringt. Andere arbeiten ausgehend davon, dass wir die Darsteller besser kennen und fragen nach: „Was steht den Darstellern?“ Oder sie geben uns Zeit und Raum vor, in denen das Stück spielt und fragen danach, was wir anbieten können.

Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

Arbeitet jeweils ein Mitarbeiter an einer Maske, Perücke, etc. oder arbeiten mehrere Mitarbeiter zusammen an einem Stück?
Dass mehrere Personen an einer Maske oder Perücke arbeiten, ist eher selten und hängt vor allem davon ab, wie viel Zeit für die Anfertigung bleibt. Teilweise arbeitet ein Mitarbeiter auch gleichzeitig an einer Maske und einer Perücke: Wenn es nach dem Modellieren der Maske Trockenphasen gibt, arbeitet man beispielsweise weiter an der Perücke usw. Unterm Strich ist also jede Maske und jede Perücke von einem Mitarbeiter der Maske gefertigt. Manchmal muss auch eine Kollege zwischendrin übernehmen. Aber der letzte obere Ansatz der Perücke muss immer von einer einzigen Person gemacht werden, denn jeder Maskenbildner hat seine eigene Handschrift. Die Technik für das Knüpfen von Perücken ist prinzipiell gleich, aber die Form und die Knoten können anders ausfallen.

Nun sind alle Masken und Perücken sowie das Kostüm parat: Wie lange braucht dann der Darsteller im Schnitt für seine Verwandlung, bevor es für ihn auf die Bühne geht?

Das ist wieder ganz abhängig davon, wie aufwendig das Make-up usw. ist. Ein einfaches Herren-Make-up dauert im Schnitt ungefähr 5–8 Minuten.

Das geht ja schnell!
Es muss ja auch schnell gehen: Am Abend sind natürlich nicht alle Mitarbeiter da. Teilweise laufen auch mehrere Produktionen parallel und auf jeden Maskenbildner verteilen sich dann im Schnitt 6–8 Darsteller, die vorbereitet werden müssen. Bei einem aufwändigeren Make-up wie der Blauen Libelle aus „Das schlaue Füchslein“, die auch eine Perücke aufgesetzt bekommt, brauche ich ca. eine halbe Stunde.

Was war denn eine der längsten Vorbereitungszeiten der Vergangenheit?
Bei großen Make-ups habe ich für einen Herren in einer Produktion mal ungefähr 45 Minuten gebraucht und für die Vorbereitung einer Darstellerin in einer anderen Produktion waren es sogar anderthalb Stunden. Da musste unter anderem eine Glatze geklebt werden, auf die dann auch noch Hörner gesetzt wurden.

Zum Abschluss nochmal zurück zu „Das schlaue Füchslein“: Auf welche der Masken seid ihr besonders stolz?
Also ich persönlich – das ist ja auch eine reine Geschmackssache! – finde die Hühner sehr präsent. Die vier modellierten Hühnerköpfe für die Chordamen sind sehr gelungen. Und die Eule natürlich, die aufwändigste Maske, ist schon sehr toll!

 

Die Oper „Das schlaue Füchslein“ hat Leoš Janáček im Jahr 1923 komponiert. Es geht um das Leben eines Försters und einer Füchsin, die er fängt und bei sich im Försterhaus hält. Neben der Füchsin, der es gelingt zu fliehen, gibt es noch allerhand andere Tiere. Genauso wie es noch weitere Menschen neben dem Förster gibt. In der Oper werden also Geschichten aus der Menschenwelt neben Geschichten aus der Tierwelt erzählt. Das ist bislang einmalig in der Opernwelt. Besonders interessant ist deswegen immer wieder, wie Kostüm- und Bühnenbildner den Wald und die Tiere darstellen und mit welchen Mitteln die Sänger für die Bühne in Tiere verwandelt werden.

Anja Merfeld und Nathalie Thomann

 

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