Wiederaufnahme
Pamina bekommt ein neues Gesicht.

von Katharina Dielenhein

“Die Zauberflöte” ist ein Dauerbrenner. Das klingt jetzt vielleicht etwas plump, aber es entspricht der Wahrheit. Seit drei Jahren steht die Mozart’sche Oper auf unserem Spielplan, und noch immer wird sie leidenschaftlich besucht. Die diesjährigen Vorstellungen sind bis auf weniger als zehn Karten ausverkauft. Da kann man wohl guten Gewissens von einem Dauerbrenner sprechen.

Wenn eine Produktion aus einer früheren Spielzeit in der nächsten wieder auf den Spielplan kommt, sprechen wir beim Theater von einer Wiederaufnahme. Die Entscheidung, ein Stück wieder in den Spielplan aufzunehmen, wird zum Beispiel dann getroffen, wenn eine Inszenierung sehr gut besucht war. Auf diese Art bieten wir den Zuschauern, die es nicht geschafft haben, sich die Vorstellung in der alten Spielzeit anzusehen, eine neue Chance.

Keine Arbeit? Von wegen

Wer das Prinzip der Wiederaufnahme von außen betrachtet, mag nun denken: “Das ist ja eine feine Sache. Da hat das Theater ja gar keine Arbeit mit.” So einfach ist es aber nicht. Je nachdem, wie viel Zeit seit der letzten Aufführung vergangen ist – im Falle der Zauberflöte ist das fast ein Jahr –, muss selbstverständlich wieder geprobt werden. Die Darsteller haben in der Zwischenzeit in vielen anderen Produktionen mitgespielt und hierfür Texte, Musik oder Choreografien gelernt. Also kommen alle Beteiligten wenige Wochen vor der Wiederaufnahme zusammen, um erneut zu proben, altes Wissen aufzufrischen, wieder in die Rolle hineinzufinden. Die Wiederaufnahmeproben übernimmt oft ein Regieassistentin oder ein Regieassistent, so auch bei der “Zauberflöte”.

In der Besetzung tut sich was

Nimmt man die Vita verschiedener Künstler unter die Lupe, erahnt man etwas, das sich bei der Arbeit an einem Theater dann auch bestätigt: Im künstlerischen Bereich herrscht eine hohe Fluktuation. Wechseln Künstler regelmäßig das Theater, an dem sie arbeiten, bietet sich ihnen die Chance, mit verschiedenen Regisseuren, Dirigenten und Choreografen zusammenzuarbeiten und ständig neue  Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig engagieren Theater – so auch wir – immer wieder Gäste für einzelne Produktionen. Wird ein Stück wieder in den Spielplan aufgenommen, werden gewöhnlich auch die Rollen so besetzt wie schon in der vorherigen Spielzeit. Was passiert aber, wenn ein Darsteller zwischenzeitlich das Haus verlassen hat? Was, wenn ein freischaffender Gast in der Probenzeit an einem anderen Haus engagiert ist? Dann muss umbesetzt werden.

Neue Gesichter, neue Requisiten

Das hat aber immer Konsequenzen. Ein neuer Darsteller bedeutet auch: neue Maße. Wird eine Rolle umbesetzt, muss also das Kostüm neu geschneidert oder zumindest angepasst werden. Und auch das Bühnenbild bleibt nicht zwangsläufig unberührt. Zum ersten Mal singt Deborah Leonetti in diesem Jahr die Partie der Pamina an unserem Haus. Unser Bühnenbild für “Die Zauberflöte” enthält allerdings noch ein Portrait der vorherigen Pamina. Das Bild vollständig neu malen zu lassen, hätte einen großen Aufwand bedeutet. Und so zauberte unsere Theatermalerin Sarah Henselek dem alten Gemälde buchstäblich ein neues Gesicht.

Wer es auch in diesem Jahr nicht schaffen wird, sich “Die Zauberflöte” anzuschauen, muss jetzt aber nicht gleich verzagen. Denn die Chancen stehen gut, dass die Oper auch im kommenden Jahr zu erleben ist. Dann geht “Die Zauberflöte” voraussichtlich in die vierte Runde. Ein echter Dauerbrenner eben.