Paul Abraham, der ‚König der Operette’, brachte mit „ Ball im Savoy “ im Dezember 1932, am Vorabend des 2. Weltkrieges in Berlin einen Triumph zur Uraufführung. Und dies zu Zeiten der Endzeitstimmung.

Kein Ball im Savoy ohne Modetanz: Hier der Känguru-Foxtrott (Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

„Die werden doch keinen Krieg gegen die Operette führen“, sagte Abraham und verkannte den Ernst der politischen Lage. Er empfand sich als Operettenkomponist. Alles andere war für ihn unwichtig. Er registrierte zwar die Pöbeleien und gewalttätigen Übergriffe der neuen Staatsgewalt, die das Volk einschüchterten, verdrängte sie dennoch. Eine Haltung, die ihn wegen seiner daraus resultierenden späten Flucht aus Berlin ins Exil und somit fast in Lebensgefahr brachte. Hitlers Machtergreifung zwang den in Ungarn geborenen Juden zur Emigration, was gleichzeitig das Ende seiner künstlerischen Karriere bedeutete.

Zunächst zog er zurück nach Ungarn, später weiter nach Paris und in die USA, wo sich der Staatenlose zunächst als Barpianist durchschlug, bis er zermürbt in eine New Yorker Heilanstalt eingeliefert wurde. Insgesamt dreizehn Bühnenwerke und etwa dreißig Filmmusiken umfasst sein künstlerisches Schaffen. Doch die Anerkennung blieb ihm in der Neuen Welt versagt. Erst 1945 durften seine Werke wieder in Deutschland aufgeführt werden. Von einem psychischen Leiden gezeichnet, kehrte er 1956 nach Deutschland zurück und verstarb vier Jahre später in Hamburg.

Das Meisterstück der Operette „ Ball im Savoy “ spiegelt das ausgelassene Lebensgefühl seiner Zeit, kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges wider und ist eine schillernde Revue rund um Liebe, Sex und Schlager. Auf einem feucht-fröhlichen Ball im Hotel Savoy, zu dem sich ein elusteres Völkchen aus aller Herren Länder versammelt hat, wird gefeiert und getanzt.

Die Handlung: Eine klassische Verwechslungskomödie (Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

Der Adlige Marquis Aristide de Faublas hat Madeleine de Faublas geheiratet. Sie kommen von einer einjährigen Hochzeitsreise um die ganze Welt zurück, die in der ‚Stadt der Liebe’ Venedig endete. Sie ziehen in ihre Villa in Berlin ein, in der sie von vielerlei Freunden herzlich empfangen werden. Aristide möchte am Abend mit seinem Freund Mustapha Bei auf den Ball im Savoy gehen, um einen angeblichen Bekannten, den Komponisten Pasodoble zu treffen. In Wahrheit ist er aber mit seiner Ex-Geliebten Tangolita verabredet. Er weiß nicht, dass sich hinter dem Pseudonym Pasodoble Madeleines Freundin Daisy Darlington versteckt. Die Freunde haben nicht mit Madeleines Gewitztheit gerechnet. Sie findet heraus, dass sich ihr Mann mit einer anderen Frau treffen möchte und folgt ihm ins Savoy, wo sie einen Flirt mit dem jungen Juristen Célestin Formant beginnt, um sich an ihrem untreuen Gatten zu rächen. Sie soupieren im Separee neben Tangolita und Aristide. Madeleine macht ihrem Mann eine Szene. Beide sind überzeugt vom jeweils anderen betrogen worden zu sein. Zurück in der Villa ruft Aristide einen Rechtsanwalt, um die Scheidungsangelegenheiten zu regeln. Es ist zufällig der junge Jurist Célestin Formant. Er beteuert, dass nichts Unmoralisches passiert sei. Weil Aristide sich auch nicht auf die Affäre mit Tangolita einlassen wollte, kommt es zur Versöhnung des Paares. Und auch Daisy Darlington findet mit Mustapha Bei als seine siebte Ehefrau ihr Glück.

Paul Abraham nutzt in diesem Werk die Gelegenheit zur Verwendung aktueller Tanzrhythmen der Zeit. Das Repertoire reicht vom melancholisch-sentimentalen English Walz bis hin zu eingängigen Schlagermelodien, die auch als Einzelnummern für Furore gesorgt haben. „Es ist so schön am Abend bummeln zu gehn“ und das sentimentale „Toujours l’amour“ sorgen für Ohrwurmgarantie.

Meisterin der Verführung: Die “Tangolita” (Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

Man amüsierte sich in der Operette und auf den Straßen Berlins wurde bereits geschossen. Davon ist in der Musik, abgesehen von der Melancholie und Einsamkeit mancher Nummern, nichts zu hören. Der Druck ist jedoch spürbar, vor allem in der Inszenierung von Ansgar Weigner, der die Haupthandlung in Gänze von Nizza nach Berlin verlegt hat und den historischen Zeitkontext aufgegriffen hat. Denn die Uraufführung von „Ball im Savoy“ hat nur einen Monat vor der Machtergreifung Hitlers stattgefunden und was zur dieser Zeit kaum absehbar war, wird in der Inszenierung von Ansgar Weigner sichtbar.

Soupieren Sie genüsslich und bummeln Sie dann gemütlich zum Theater. ,Die Liebe kommt, die Liebe geht, für einen Kuss ist’s nie zu spät’ beim „ Ball im Savoy “!

Anna Drechsler