Chordirektor Aki Schmitt
Chordirektor Aki Schmitt fiebert mit dem Opernchor der Premiere von Giuseppe Verdis „Luisa Miller“ entgegen.

Aufgeregter als sonst war Aki Schmitt vor der Generalprobe von Giuseppe Verdis großer Oper „Luisa Miller“. Vor dem Theater Koblenz holte er seine Chorsängerinnen und Sänger an dem regnerischen Abend sogar ab. „In Zeiten der Corona-Pandemie ist alles anders“, erklärte der Chordirektor den zusätzlichen Aufwand. Damit es mit dem Abstand halten klappt, zeigte er jedem und jeder den Weg. Um den Abstand auf der Bühne zu wahren, stehen die Sängerinnen und Sänger in dieser Produktion im ersten und zweiten Rang des Theaters. Damit alle den musikalischen Leiter Mino Marani sehen, sind zusätzliche Bildschirme im Zuschauerraum aufgestellt.

Mit einer strengen Teststrategie hat das Theater Koblenz die Inszenierung von Benedikt Borrmann zur Generalprobe gebracht. Die Premiere war für 31. Januar geplant. Wann die Inszenierung vor Publikum gezeigt werden darf, ist aber angesichts des Lockdowns noch offen. Mit der Ungewissheit müssen die Theatermacher leben. „Trotzdem war es für uns alle sehr motivierend, zusammen mit dem Ensemble die Inszenierung zu zeigen“, schwärmt der Chordirektor. Auch wenn er aus seiner Sehnsucht nach dem Publikum keinen Hehl macht. Gerade für seine Sängerinnen und Sänger sei es schwer, die lange Zeit der Vorstellungsunterbrechung zu überbrücken. Gearbeitet werde aber trotzdem. In Zeiten der Corona-Pandemie singen die 25 Männer und Frauen zuhause. „Dass alle ihre Stimmen schulen, ist auch für Profis unverzichtbar“, weiß der Chorleiter. Dass das auch läuft, solange der Probenbetrieb ruht – da hat er keine Zweifel. Dennoch vermisst er die gemeinsame Arbeit sehr.

Der Opernchor singt mit Abstand im 2. Rang

Vor der Zwangspause arbeitete Aki Schmitt mit dem Koblenzer Opernchor in einer leer stehenden Tanzschule neben dem Theater. Er hofft, dass das bald wieder möglich sein wird. „Es ist ein echter Glücksfall, dass wir diese Räume haben“, schwärmt er. Verdis „Luisa Miller“ ist für den erfahrenen Künstler „sehr anspruchsvoll und fordert eine große Vielseitigkeit.“ An Verdis „Melodramma tragico“ in italienischer Sprache, das am 18. Dezember 1849 am berühmten Teatro San Carlo in Neapel uraufgeführt wurde, hat er mit den Sängerinnen und Sängern intensiv gefeilt. Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden: „Das lässt sich alles wunderbar singen.“

Unmittelbar vor den Endproben hat es bereits eine gemeinsame Probe mit dem Chor und mit den Solisten gegeben. Dieser Austausch sei für die 25 Choristen wichtig. Trotz aller Schwierigkeiten hat das Inszenierungsteam das möglich gemacht. Zwischendrin schlüpfte Schmitt in die Rolle des Vermittlers. Immer wieder schaute er bei den Proben vorbei, brachte die Choristen dann auf den neuesten Stand: „Leider waren wir diesmal coronabedingt nur bei den Endproben dabei, da aber intensiv.“ Unter normalen Bedingungen sei der Opernchor von Anfang an in den sechswöchigen Probenprozess eingebunden. Umso wichtiger war bei „Luisa Miller“ die Vermittlerrolle des Chordirektors: Brücken zwischen allen Akteuren zu bauen, das fällt dem kommunikativen Künstler nicht schwer. Am Tag der Generalprobe hat alles bestens geklappt.

Der Opernchor singt mit Abstand im 2. Rang

Die politische Lesart des Stoffs von Regisseur Benedikt Borrmann gefällt Aki Schmitt. Die Handlung orientiert sich an Friedrich Schillers Drama „Kabale und Liebe“. Das Aufbegehren der zwei jungen Liebenden gegen die Elterngeneration ist Thema des 1784 uraufgeführten Dramas. Der italienische Komponist Verdi hat die Handlung in seiner Oper „Luisa Miller“ aufgegriffen. Seinen Chor gerade in dieser schwierigen Zeit zu motivieren, darin sieht Schmitt die große Herausforderung. Er hat Violine, Musiktheorie und Schulmusik an der Folkwang Universität der Künste in Essen studiert: Da bekam er ein Exzellenzstipendium und unterrichtete als Assistent von Professor Jacek Klimkiewicz Violine. An der Musikhochschule Stuttgart belegte er das Fach Dirigieren. Da hat er sich einen Namen gemacht, dirigierte unter anderem an großen Häusern wie der Opéra du Rhin in Straßburg und dem Theater Bremen. Das hat seiner Karriere einen Schub gegeben. Neben vielen anderen Engagements leitete er vertretungsweise den Mannheimer Opernchor. Nach der erfolgreichen Aufführung seiner „Zauberflöte für Kinder“ bei den Salzburger Festspielen ist Schmitt seit 2018 Chordirektor am Theater Koblenz. Was gefällt dem vielseitigen Künstler an der Leitungsaufgabe? „Ich finde es spannend, die unterschiedlichen Stimmen möglichst gut zu fördern.“ Aus dieser Vielfalt einen Chor zu formen, das reizt ihn in jeder Produktion aufs Neue.

Obwohl die Generalprobe von „Luisa Miller“ ein anderes Chorerlebnis bot als gewohnt, hat Schmitt die Verteilung der Choristen in den Rängen gefallen. „Das hörte sich ein bisschen an wie Dolby Surround“, sagte er lachend. Der Blickkontakt klappte bestens. Dass die Sängerinnen und Sänger „auch in dieser Sondersituation bestens aufeinander eingespielt sind“, das freute Aki Schmitt.

Derzeit sind die Choristen in Kurzarbeit. Ab dem 29. März wird wieder geprobt. „Dann werden wir nach derzeitigem Stand eine konzertante Version von Mozarts Oper ‚Cosi fan tutte‘ vorbereiten.“ Was tatsächlich in den nächsten Wochen möglich sein wird, ist coronabedingt noch nicht absehbar. Aki Schmitt freut sich nicht nur aufs Wiedersehen mit seinen Chormitgliedern. „Es wird wunderschön, wenn wir wieder zusammen singen dürfen.“ Aber noch mehr fieberten sie alle der Zeit entgegen, wenn sie ihre Gesangskunst wieder mit dem Publikum teilen dürften.

Text von Elisabeth Maier
Fotos: Theater Koblenz, Matthias Baus