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Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

Das waren Bilder in Frankreich! Russische Hooligans prügeln sich in den Straßen von Marseille. Deutsche Hooligans gehen auf ukrainische Anhänger los, leere Plätze in den Stadien, Krawalle, Schlägereien, schlechte Stimmung – und all das im eh schon schwer angeschlagenen Frankreich. Die Europameisterschaft 2016 drohte zu einem Negativ-Spektakel zu werden, zumal die Uefa auch noch versuchte, den Fernsehsendern den Zugriff auf die Bilder zu verweigern. Insgesamt erst mal unschön.

Doch dann kamen die Fans der “Boys in Green” aus Nordirland angereist. Sie sangen, tanzten, feierten und tranken sich in die Herzen der Europäer. Sie spiegelten eine Fangemeinde, die – ähnlich wie Island – gut gelaunt, freundlich, weltoffen und hilfsbereit nach Frankreich gekommen ist.

Obwohl der Kader der Nordiren keinen herausragenden Spieler vorweist und die Mannschaft eher als Außenseiter galt, schafften sie es bis ins Achtelfinale der EM. Der Star der Mannschaft ist Will Grigg. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere von Ihnen. Will Grigg hat die meiste Zeit auf der Ersatzbank verbracht und keine großartigen Glanzleistungen bei der EM vorzuweisen, dennoch ist sein Name in aller Munde. Er ist der Held der vergangenen Fußballsaison in England. Er schoss seine Mannschaft nämlich in die zweite Liga. Die Fans stimmten im Freudenrausch zur Melodie von „Freed from Desire“ von der Künstlerin Gala ein Loblied auf Will Grigg an, das dann auch bis in die französischen Stadien hallte. Der Song ist so eingängig, dass ihn sogar die Fans der gegnerischen Mannschaften mitschmetterten. Aus dem irischen Fangesang wurde also eine Art Hymne – „Will Grigg’s on fire“ –, die sich wie ein Lauffeuer im Internet verbreitete und zum Hit wurde. Zahlreiche andere Fans haben den Text auf ihre Teams zugeschnitten. So hört man mittlerweile zum Beispiel auch: „England is on fire“ oder „We are on fire“.

Diesen Bekanntheitsgrad hätte sich der Held unserer neuesten Musical-Produktion „The Beautiful Game“ bestimmt auch gewünscht. Das Musical von Andrew Lloyd Webber und Ben Elton aus dem Jahr 2000 erzählt die Geschichte von jugendlichen Mitgliedern eines Fußballteams in Nordirland. Doch die politisch-wirtschaftlichen Umstände und die Kämpfe zwischen den Konfessionen und konfessionellen Parteien machen den jungen Generationen ein unbeschwertes und freies Leben unmöglich. Zu den ersten Liebeswirren, der Pubertät und der Anstrengung des Erwachsenwerdens und Karriereplanung gesellen sich Straßenkämpfe, Demonstrationen und kleinkriminelle Geschäfte, die sich aus dem Chaos ergeben. Die Jugendlichen sind früh gezwungen, sich politisch zu positionieren und wenn nötig mit Gewalt ihren Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen.

Die Mannschaft wird von einem konservativen, katholischen Pater geführt, Pater O’ Donell. John Kelly ist ein begnadeter Fußballer, doch die schwierigen Lebensumstände wirken massiv auf sein Leben und das seiner Mannschaftskameraden ein und fordern mehrere System-Opfer. Johns Leben wird vom Jugendalter bis zur Gründung der eigenen Familie in einer großen Zeitspanne erzählt. Musikalisch umfasst das Musical eine Bandbreite die von irischen Volksklängen bis hin zu Balladen und Hymnen reicht und von der Beautiful Band live gespielt werden. 2014, nachdem sich in Nordirland der Frieden eingestellt hatte, wurde das Musical überarbeitet und die neuesten politischen Entwicklungen integriert.

Stadionatmosphäre, Fußballstimmung und ein Hauch von Schulhof mischen sich also gerade in unsere Theaterluft. Das Koblenzer Jugendtheater, genau genommen 25 sehr talentierte Jugendliche, sind zu Gast und opferten sogar die Herbstferien, um Ihnen in Kürze „The Beautiful Game“ präsentieren zu können. So wird der Intendant und Regisseur der Inszenierung, Markus Dietze, auch irgendwie zum Team-Manager und Fußballtrainer. Und die Schüler zu echten Musical-Profis, die von Ensemblemitgliedern aus der Sparte Schauspiel, dem Opernchor, Mitgliedern des Ballett-Ensembles und natürlich allen Mitarbeitern, die hinter der Bühne für geordnete, professionelle Abläufe sorgen, unterstützt werden. Neben Gesangsstunden, Tanztraining und Kampftraining, haben die jungen Künstler die allgemeinen Verhaltensregeln auf einer Theaterbühne kennengelernt und etwas Handwerkszeug der Schauspieler mitbekommen. Alles in allem haben die Jugendlichen einen wahrscheinlich unvergesslichen Einblick in die Welt des Berufstheaters bekommen, der natürlich mit dem vollen Probenumfang einherging, der sie optimal auf die große Premiere vorbereitet. Das Engagement der Jugendlichen ist mit den verbundenen Schulanforderungen bewundernswert. Bereits 2014 gab es in Kooperation mit dem „Koblenzer Jugendtheater“ eine sehr erfolgreiche Produktion, „Oliver“, an die Sie sich sicher erinnern werden. Erste Erfahrungen mit dem Publikum haben die jungen Akteure bereits beim Tweetup und in der Werkschau gesammelt.

Die Inszenierung lebt von Enthusiasmus und der Spielfreude der jungen Darsteller. Da steckt viel Liebe drin. Markus Dietze und Christian Binz haben ein ganzes Stadion auf die Bühne gezaubert, das sich wie magisch immer wieder in andere Orte verwandeln lässt.

Vielleicht studieren wir für die Spieler schon mal unsere Version der neuen irischen Hymne ein:

He will score goals,
he will just score more and more.
He will score goals, that’s what we signed him for.

John Kelly’s on fire, your defence is terrified.
John Kelly’s on fire, your defence is terrified
John Kelly’s on fire, your defence is terrifed
John Kelly’s on fire, na na na na na na na na na na na ….

Wer sich den Text nicht merken kann, ist auch mit dem allgemein gebräuchlichen:

Scha-la-la-la,
scha-lalalala la-la-la,
scha-lalalala la-la-la,
scha-lalalala la-la-la!

usw. gut beraten.

Wenn Sie schön üben, werden die Jungs am Premierenabend bestimmt über sich hinaus wachsen. Das Ergebnis der langen Probenzeit wird am 29. Oktober 2016 um 19:30 Uhr auf der großen Bühne präsentiert. Und nur, weil es mir die ganze Zeit wie ein Ohrwurm im Kopf umherträllert: „Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein werden Sie begeistert sein.“