Vorgefühlt: „Magazin des Glücks“
Joseph-Breitbach-Preis an Dea Loher

Der Deinhard-Keller bildet eine ganz besondere Kulisse für „Magazin des Glücks“ (Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

Zum Glück gibt es das Glück, wie unglücklich wären wir sonst. Im Unglück ist das Leben nicht lebenswert und glücklich ist nur der, dem es gut geht, der erfolgreich ist, viel Geld verdient, viele Freunde hat, der in einer glücklichen Beziehung lebt und bezaubernde Kinder hat. Glückskinder eben. Oder sind doch die Leute, die mehr Glück als Verstand haben, die Glücklichsten? Wer Glück hat führt ein gutes Leben, demjenigen geht es in allen Bereichen sehr gut.

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Vorgefühlt: „La Bohème“

Aus den Reiseerinnerung einen Bohémiens? (Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

Rodolfos Reiseblog
„Heroes on tour ‒ Home is where my backpack is.“

Freitag, ich glaube, der 15.09.2017, irgendwo in Südostasien, es ist bitterkalt

„Ist Reisen das wahre Leben? Es sieht so aus. Ich bin wieder losgezogen, dieses Jahr mit Marcello, Schaunard und Colline. Wir haben uns eine kleine Weltreise vorgenommen. Seit einer Woche sind wir jetzt mit Zelt und einem alten grünen Auto, das wir neulich gekauft haben, in Südostasien unterwegs. Und derzeit auf einem kleinen Campingplatz in der Nähe von einer Großstadt. Ich habe schon wieder vergessen wie die Stadt heißt. Ich bin meistens hinten auf der Rückbank des Autos zwischen Gepäck eingeklemmt und bekomme von der Fahrt wenig mit, außerdem muss ich gestehen, dass mich die vielen Städtenamen etwas überfordern.

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Vorgefühlt: „König Lear“

König Lear und sein Narr (Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

Manchmal sagt der Opa Sachen, über die wir heimlich lachen.
Er verwechselt, wie wir heißen, möchte mit der Droschke reisen
und ruft: „Oma, komm mal her!“, dabei lebt sie doch nicht mehr.

Abends zählt er dann alleine seine schwer ersparten Scheine
und versteckt sie unterm Kissen, weiß nicht, dass es alle wissen.
Plötzlich ruft er ganz erregt: „Wo habe ich mein Geld verlegt?“

Keinen Faden lässt er liegen. Krumme Nägel will er biegen,
dass man sie noch mal verwendet. Nicht ein Krümchen wird verschwendet,
weil er weiß, was Hunger ist und die Not nie mehr vergisst.

Manchmal sagt der Opa Sachen, die uns still und traurig machen,
sagt: „Bald muss ich von euch gehen, habe genug mich umgesehen.“
Und in solchen Augenblicken möchten wir ihn an uns drücken.

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KÖNIG LEAR revisited
Die Neubearbeitung für das Koblenzer Ensemble

von John von Düffel

Seien wir ehrlich: An einem Shakespeare kann man nur scheitern. Die Frage ist nur, wie? Dabei haben wir hierzulande einen großen Vorteil gegenüber dem Mutterland des großen Theaterbarden, und die Engländer beneiden uns regelmäßig darum: Auf deutschsprachigen Bühnen gibt es kein Shakespeare-Original. Bei uns darf, kann und muss jeder Shakespeare-Text übersetzt, übertragen und damit transformiert werden. Und diese Heraus- und Überforderung ist zugleich eine Chance, weil jede Zeit sich damit neu und anders in die Matrix der großen Shakespeare-Werke einschreibt – von der Romantik bis heute. Immer wieder gibt es die Notwendigkeit, die Kräfte von Shakespeares Sprache, die Wucht seiner szenischen Setzungen und die Größe seiner Figuren neu aufzusuchen und heraufzubeschwören. Dieser Versuch, an den phantastischen Kern und den vibrierenden Puls seines „Lear“ heranzukommen, hat mich bei meiner Neufassung für das Theater Koblenz geleitet.

Georg Marin (König Lear) und Bühnenbildner Bodo Demelius im Gespräch (Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

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Vorgefühlt: „Deportation Cast“

„Deportation Cast“ von Björn Bicker bringt ein komplexes gesellschaftliches Thema anschaulich auf die Bühne (Foto: Katharina Dielenhein für das Theater Koblenz)

Ende Mai blieb ich in den sozialen Netzwerken bei einem Skype-Video hängen, in dem ein 15-jähriges Mädchen weinend und tief verzweifelt erzählte, dass sie aus dem Unterricht geholt wurde und noch am selben Tag mit ihrer Familie nach Nepal abgeschoben wurde. In ein Land, dass ihr bis dahin völlig unbekannt war. „Das gibt es doch nicht!“, dachte ich voller Empörung. Wie kann das denn möglich sein, dass ein voll integriertes jugendliches Mädchen, das in die 9. Klasse eines Gymnasiums geht und in Deutschland geboren wurde, wie ein Verbrecher aus dem Unterricht geholt wird und abgeschoben wird. Unfassbar!

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Vorgefühlt: „Über Lang oder Kurz“

Weck, ein fiktiver Ort, an dem die Stimme wohnt. Es treffen sich Lulatsch, Doris und Martin (Foto: Katharina Dielenhein für das Theater Koblenz)

„Ich sag jetzt schon: Daumen hoch!“ ruft ein kleiner Junge, noch bevor die Probe überhaupt begonnen hat, in den Raum und hampelt ganz aufgeregt auf seinem Stuhl rum. Ich vermute mal, das liegt an dem tollen Ausflug ins Theater, den eine zweite Klasse unternehmen durfte, um als Testpublikum das neue Theaterstück im Puppentheater ansehen zu dürfen. Außerdem ist der lässige Spruch „Daumen hoch“ ja auch für alles andere gut. Zum Beispiel für den Ausfall des regulären Unterrichts an diesem Morgen. Ich lasse mich da nicht so einfach zufrieden stellen, naja, für mich fällt ja auch kein Unterricht mehr aus. Eigentlich schade, das Ausflugsgefühl kenne ich noch, das war immer ein besonderer Tag mit Milchschnitte und Capri Sonne, das gab es nur an Ausflugstagen.

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