Vorgefühlt: „Zwiegespräch“ – Tanzabend von Kaho Kishinami und Michael Waldrop

Kaho Kishinamis „Statistik – normal?“ eröffnet den Doppelabend (Foto: Katharina Dielenhein)

Also, wenn ich hier das Sagen hätte, dann…

Ein Satz den die Meisten von uns schon mal in irgendeinem Zusammenhang gesagt oder heimlich gedacht haben. Stimmt es denn aber eigentlich, dass alles besser wäre, wenn man selber die Position des Vorgesetzten einnehmen könnte oder ist das nur so eine daher gesagte Floskel, die im Eifer des Gefechtes so raus rutscht. Die Gefahr, dass die andere Perspektive oder die Verantwortung nämlich doch nicht so einfach sind und andere Herausforderungen birgt, die man als Außenstehender gar nicht sieht, ist in jeder Branche ähnlich. Würde man aber einmal die Chance auf einen Positionswechsel auf Zeit bekommen und damit die Möglichkeit über den eigenen Tellerrand zu gucken, seine eigenen Qualitäten prüfen zu dürfen und Verständnis für den anderen zu entwickeln, dann könnte das eine Win-win-Situation sein.

Dem Ballettensemble bietet sich in der Reihe „50°N 7°O – Tanzt …“ genau diese Möglichkeit. Die Tänzer wechseln die Seite und können sich an eigenen Choreografien ausprobieren, die Steffen Fuchs dann professionell dramaturgisch unterstützt. Besonders hervorgehoben haben sich da in der letzten Veranstaltung von „50°N 7°O – Tanzt …“ Kaho Kishinami und Michael Waldrop. Steffen Fuchs hat den Ballettabend „Zwiegespräch“ in das Programm aufgenommen, um den beiden begabten Nachwuchs-Choreografen eine weitere Plattform zu bieten. Sozusagen einen nächsten Schritt auf der Karriereleiter.

Das Hauptthema des Abends, der sich aus zwei Teilen zusammen setzt, stellt Aspekte der menschlichen Kommunikation dar beziehungsweise den einzelnen Menschen in der Gesellschaft und sein Kommunikationsverhalten mit der Umwelt.

Den Abend eröffnet Kaho Kishinami mit „Statistik = normal?“ Sie hinterfragt statistische Darstellungen und die definierte Norm. Eine Statistik stellt bestimmte Sachverhalte als gegeben dar. Das Individuum wird dabei außer Acht gelassen. Wie jeder einzelne hinter der zusammengefassten Menschengruppe der Statistik wirklich denkt und fühlt, erfährt man nicht. Sind Menschen wirklich so leicht zu kategorisieren? Wie steht es um die Emotionalität hinter den Zahlen und was passiert mit Menschen, die durch das Raster fallen? Dieser Frage geht die junge Choreografin am Beispiel einer Schulklasse auf den Grund. Modern, fröhlich und unterhaltsam ist der erste Teil des jungen Ballettabends mit Musik von japanischen Komponisten.

„without the words“ ist der Titel der Choreografie von Michael Waldrop (Foto: Katharina Dielenhein)

Michel Waldrops Arbeit „without the words“ stellt in seiner Inszenierung die Emotionalität dar, die man nicht in Worte fassen kann. Der Umgang mit Trauer, Trennung und Schmerz in menschlichen Beziehungen steht im Vordergrund. Abstrahierte Bewegungen und amerikanischer Minimalismus zeigen in bewegenden Bildern das was nicht in Worte gefasst werden kann.

Zwei sehr unterschiedliche Inszenierungen erwarten Sie und gerade das macht den Abend zu einem abwechslungsreichen Erlebnis, der auch uns, die die Möglichkeit des Perspektivenwechsels nicht erhalten haben, einen frischen Blick auf das faszinierende Medium des Tanzes erhaschen lässt. Experiment geglückt!

Sie können den Tänzern ganz nah sein, denn Sie sitzen beim Spielort „Hinter dem Eisernen“ mit auf der Bühne. Und was nicht in Worte fassbar ist, müssen Sie sich am 27.05.2017 um 19:30 Uhr selber ansehen.

 

Vorgefühlt: „Die Möwe“

Ridendo corrigo mores. Oder: Wo die Künstler arbeiten. (Foto: Matthias Baus)

 

Die allgemeinen Vorstellungen des Künstlerdaseins entsprechen ungefähr folgendem Bild: verrückt, wahnsinnig, genial, verschwenderisch, arrogant, eigenbrötlerisch, launisch, umtriebig, depressiv, Hang zum Alkohol oder anderen bewusstseinserweiternden Drogen, zwielichtig, chaotisch, introvertiert, narzisstisch, cholerisch, hysterisch, leidenschaftlich, egoistisch, eitel, verarmt, genügsam, realitätsfern, süchtig nach Anerkennung und Ruhm, scheu, klug, begabt, geizig, ausfallend, unberechenbar, wehleidig, ängstlich.

Hinter jedem großen Künstler versteckt sich eine Tragödie. Ist das wirklich so, oder ist das nur Teil eines gesellschaftlichen Bildes vom Künstlerdasein? Auffällig an den aufgeführten, ich nenne sie mal vorsichtig, widersprüchlichen Vorurteilen gegenüber des Künstlerbildes ist, dass es keine allgemeingültige kurze Beschreibung für eine Künstlerpersönlichkeit zu geben scheint. Das Spektrum ist im Hinblick auf die unterschiedlichen Künste und die Menschen, die sich unter dem Überbegriff Künstler sammeln riesig, schwammig und unglaublich streitbar.

Die Kunstdebatte wandelt sich in der Kulturgeschichte stetig und verändert sich mit dem Zeitgeist und der jeweiligen Gesellschaft. In der Kunst wird ständig nach neuen Formen und neuen Ausdrucksweisen gesucht, dabei ist der Grat zwischen genialem Schaffen und einer neuen, nie da gewesenen Ästhetik und einfach nur schlechtem Geschmack schmal und kaum bewertbar, denn jeder hat einen anderen Blick und ein anderes Wissen und vor allem eine andere Sozialisation. Unbestritten bleibt jedoch, und das macht die schwere polarisierende Beschreibung eines echten Künstlers aus, es umgibt ihn eine Aura, die eine Anziehungskraft besitzt, etwas geheimnisvolles, faszinierendes, mysteriöses.

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Vorgefühlt: „Der Vampyr“

Der Opernchor in vollem Einsatz. (Foto: Matthias Baus)

 

Das Biedermeier- Papiertheater „Der Vampyr“ von Heinrich Marschner
Bastel- und Spielanleitung

Im Set enthalten:
1 Guckkastenbühne mit Drehscheibe, Proszenium und Hauptvorhang
(entspricht der Architektur des Theater Koblenz, im Maßstab 1:33)
2 Bühnenprospekte: Vulkanlandschaft, 1 Blankobogen zum selber gestalten
3 Bastelbögen mit Bühnendekoration: Höhle, Gewölbesaal und Ziffernblatt
4 Bastelbögen mit Schiebeelementen: Wald, Vögel etc.
4 Bögen Glanzbilder unterschiedliche Motive: Naturelemente, Menschen, Uhrzeiger
1 Bogen gelber Tonkarton: Mond
1 rundes Stück grüner Filz: Wiesenlandschaft
10 schwarze Stoffstreifen: Seitenaushänge und Soffitten
Requisiten: kleine Plastik-Wiesenblumen
Weingläser, Weinflaschen
Kunstblut, Pistole, Schwert
winzige Festausstattung Bauernhochzeit
Mandlbögen: Sir Humphry, Malwina, Edgar Aubry, Lord Ruthven, Sir Berkley, Janthe, George Dibdin, Emmy, Toms Blunt, James Gadshill, Richard Scrop, Robert Green, Suse, ein Diener, 50 Figuren Vampire
Tonträger mit Dialogen und Musik der Oper
10 Programmhefte mit dem Librettoabdruck von Wilhelm August Wohlbrück

Nicht im Set enthalten:
Schere, Stifte und Farben (gedeckte Töne), etwas Schnur für den Schnürboden und die Vorhangbefestigung, Klebstoff, diverse Stoffreste, kleine Klemmlampen für die Beleuchtung, Abspielgerät für den Tonträger, wenn vorhanden Mini-Nebelmaschine, wenn gewünscht können die benötigten Papp-Figürchen auch durch kleine Plastik-Figuren ersetzt werden und mit entsprechendem Material kostümiert werden

Vielen Dank, dass sie sich für den Kauf dieses schönen Papiertheaters entschieden haben, die Ausschneidebögen waren im Biedermeier Bestandteil der Bilderbogenkultur des 19. Jahrhunderts. Dieses Modell gehört in unserer Serie zu einer limitierten Sonderausgabe für Liebhaber selten aufgeführter Opernwerke. Die Oper hat in vielerlei Hinsicht ihre Tücken, die Sie im Rahmen der Beschäftigung mit dem Material und ihrer eigenen kleinen Inszenierung entdecken werden.

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Vorgefühlt: „Unterirdische Komödie“

Bild könnte enthalten: 5 Personen
Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

Guten Tag, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie aus aktuellem Anlass zu einer Sondersendung der Nachrichten.

Am 5. August 2010 kam es in den Anden, in der chilenischen Atacamawüste, 45 Kilometer nördlich von Copiapó, zu einem schweren Minenunglück, das bislang zu der aufwendigsten und riskantesten Rettungsaktion in der Geschichte des Bergbaus führte.

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Tweetup zu „Der Vampyr“ am 24. April

#TweetupKO – immer wieder gut für ungewohnte Perspektiven (Instgram-Fotos: @theaterkoblenz, @janiwolf, @staatsoperberlin)

Schon länger hatten wir einen Tweetup zu einer Opernproduktion ins Auge gefasst, jetzt ist es endlich soweit. Am Montag, 24. April 2017 ab 18 Uhr geben wir einer ausgewählten Gruppe von Twitterern und Bloggern die Möglichkeit, bei einer Bühnenorchesterprobe zu Heinrich Marschners Oper „Der Vampyr“ mit dabei zu sein. Anmelden könnt ihr euch ab sofort auf unserer Website.

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