Vorgefühlt: „Drei neue Stücke“ – Ecken und Kanten

Die Dramatik lebt: Das Theater Koblenz zeigt drei Uraufführungen junger Dramatik. Bei deren Auswahl das Ensemble mitentscheiden durfte.

Viele Theater betreiben Autorenförderung: Sie vergeben Stückaufträge, schaffen Stellen für Hausautoren, legen Stipendienprogramme auf. Das Theater Koblenz geht einen anderen Weg und setzt direkt an der Ausbildung an: Studierende des Studiengangs Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin bekamen die Aufgabe, kurze Dramen zu verfassen, ohne thematische Einschränkung, aber mit der Auflage, dass nur wenige Darsteller eingesetzt werden und dass die Aufführungsdauer 45 Minuten nicht übersteigen sollte. Aus den eingesandten Stücken wurden drei ausgewählt: Die Familientragödie „Dumbo oder: Vielleicht einer der letzten schönen Tage des Jahres“ von Dorian Brunz, der Politthriller „Judit und Hannah“ von Peter Neugschwentner und Fabienne Dürs Krankenhausdrama „Leben im Vakuum“. Und damit nicht immer nur dieselben entscheiden, was gespielt wird, waren in der Jury neben Intendant und Chefdramaturgin auch drei Ensemblemitglieder vertreten: Raphaela Crossey, Jona Mues und Reinhard Riecke.

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Vorgefühlt: „Arsen und Spitzenhäubchen“ – A Dead Man’s Party


Rodrigo Umseher, Christian Binz, „Arsen und Spitzenhäubchen“ ist wahrscheinlich das einzige Stück, in dem mit Mortimer ein Theaterkritiker eine Hauptfigur ist. Das bringt mir den Stoff schonmal nahe. Aber was interessiert Sie an dem Stück?
Rodrigo Umseher: In erster Linie war das Stück eine Vorgabe des Hauses. Ich habe mich dann durch diesen Wust an Seiten gekämpft und versucht, den Ursprungswitz in die heutige Zeit zu transferieren. Das war meine große Motivation: Wie kriegt man diesen anarchischen Witz, der in den Fünfzigern noch viel mehr gezündet hat, in die Jetztzeit? Eine der Figuren bei Kesselring ist ja eine Übertragung des damals sehr populären Horrorschauspielers Boris Karloff, und das habe ich auf alle anderen Figuren übertragen: Martha ist Angela Merkel, Abby sieht aus wie Theresa May, statt Boris Karloff haben wir Mickey Rourke … Und plötzlich hatte ich so eine Art Metaebene.
Christian Binz: Aber ohne dass wir explizit sagen: Das ist Merkel, das ist May … Im Originalstück hält sich eine Figur für den amerikanischen Präsidenten Teddy Roosevelt. Bei uns ist das Donald Trump.

„Arsen und Spitzenhäubchen“
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Vorgefühlt: „Der Diener zweier Herren“ – Was ist das eigentlich für ein Typ?

Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“ gilt als Höhepunkt der Commedia dell’arte. Schauspieler Christof Maria Kaiser erzählt, was er in der Titelfigur Truffaldino sieht.

Pantalone: Schluss jetzt, Herr, verausgaben Sie sich nicht. Was wollen Sie? Wer sind Sie? Wer schickt Sie?
Truffaldino: Sachte, sachte; brav bleiben! Drei Fragen auf einmal ist zuviel für einfachen Mann.
Pantalone (leise zum Dottore): Schätze, es handelt sich um einen Simpel.
Dottore (leise zu Pantalone): Ich würde eher etwas Burlesques an ihm diagnostizieren.

Christof Maria Kaiser, Sie spielen Truffaldino, die Titelfigur in Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“. Was ist dieser Diener eigentlich für ein Typ?
Der ist irgendwo in einem ganz frühen Stadium stehengeblieben. Der kommt aus Bergamo, in Italien, also aus dem hohen Norden, und da nahm man früher eben an, dass da die Dorftrottel herkommen. Er ist zwar überhaupt nicht doof, aber einfach ein großes Kind geblieben.

Der Diener zweier Herren mit Christof Maria Kaiser

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