Vorgefühlt: „Arsen und Spitzenhäubchen“ – A Dead Man’s Party


Rodrigo Umseher, Christian Binz, „Arsen und Spitzenhäubchen“ ist wahrscheinlich das einzige Stück, in dem mit Mortimer ein Theaterkritiker eine Hauptfigur ist. Das bringt mir den Stoff schonmal nahe. Aber was interessiert Sie an dem Stück?
Rodrigo Umseher: In erster Linie war das Stück eine Vorgabe des Hauses. Ich habe mich dann durch diesen Wust an Seiten gekämpft und versucht, den Ursprungswitz in die heutige Zeit zu transferieren. Das war meine große Motivation: Wie kriegt man diesen anarchischen Witz, der in den Fünfzigern noch viel mehr gezündet hat, in die Jetztzeit? Eine der Figuren bei Kesselring ist ja eine Übertragung des damals sehr populären Horrorschauspielers Boris Karloff, und das habe ich auf alle anderen Figuren übertragen: Martha ist Angela Merkel, Abby sieht aus wie Theresa May, statt Boris Karloff haben wir Mickey Rourke … Und plötzlich hatte ich so eine Art Metaebene.
Christian Binz: Aber ohne dass wir explizit sagen: Das ist Merkel, das ist May … Im Originalstück hält sich eine Figur für den amerikanischen Präsidenten Teddy Roosevelt. Bei uns ist das Donald Trump.

„Arsen und Spitzenhäubchen“
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Vorgefühlt: „Der Diener zweier Herren“ – Was ist das eigentlich für ein Typ?

Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“ gilt als Höhepunkt der Commedia dell’arte. Schauspieler Christof Maria Kaiser erzählt, was er in der Titelfigur Truffaldino sieht.

Pantalone: Schluss jetzt, Herr, verausgaben Sie sich nicht. Was wollen Sie? Wer sind Sie? Wer schickt Sie?
Truffaldino: Sachte, sachte; brav bleiben! Drei Fragen auf einmal ist zuviel für einfachen Mann.
Pantalone (leise zum Dottore): Schätze, es handelt sich um einen Simpel.
Dottore (leise zu Pantalone): Ich würde eher etwas Burlesques an ihm diagnostizieren.

Christof Maria Kaiser, Sie spielen Truffaldino, die Titelfigur in Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“. Was ist dieser Diener eigentlich für ein Typ?
Der ist irgendwo in einem ganz frühen Stadium stehengeblieben. Der kommt aus Bergamo, in Italien, also aus dem hohen Norden, und da nahm man früher eben an, dass da die Dorftrottel herkommen. Er ist zwar überhaupt nicht doof, aber einfach ein großes Kind geblieben.

Der Diener zweier Herren mit Christof Maria Kaiser

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Vorgefühlt: „Die Csárdásfürstin“ – Champagnerlaune und Ironie

„Die Csárdásfürstin“ ist eine platte Liebeskomödie? Keineswegs. Aber wenn es eine wäre, hätte Chordirektor Aki Schmitt kein Problem, diese auszukosten.

Ein warmer Spätsommernachmittag. Aki Schmitt sitzt in einem Straßencafé in der Koblenzer Altstadt und trinkt Apfelschorle, immer wieder dringt das Glockenspiel der nahen Jesuitenkirche herüber. Das passende Ambiente, um den neuen Chordirektor des Koblenzer Theaters kennenzulernen, der sich gerade auf die Premiere von Emmerich Kálmáns Operette „Die Csárdásfürstin“ vorbereitet.

Chordirektor Aki Schmitt (Foto: Matthias Baus)

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Vorgefühlt: “It can’t happen here” – „Da beschleicht einen schon das Grauen“

Ein Populist gewinnt die US-amerikanische Präsidentenwahl und errichtet eine plutokratische Herrschaft – Sinclair Lewis’ Satire „It can’t happen here“ klingt wie eine Vorwegnahme der Trump-Regierung. Die Romandramatisierung des Deutschen Theaters Berlin ist am 1. und 2. September im Theater Koblenz zu sehen – ein Interview mit dem Dramaturgen John von Düffel.

It can't happen here – Foto: Arno Declair
Auf dem Bild: Felix Goeser, Matze Pröllochs, Benjamin Lillie, Wiebke Mollenhauer, Camill Jammal, Michael Goldberg (Foto: Arno Declair)

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