Vorgefühlt: “Prinzessin Hamlet” – Wenn Puppen das Unsagbare ausdrücken

Gedanken zu „Prinzessin Hamlet“ von E.L. Karhu in der Regie von Olga Wildgruber

Die Geschichte vom Dänenprinzen Hamlet glaubt jede und jeder zu kennen: Da ist einer, der seine Rache so lange hinauszögert, bis am dänischen Königshofe alle tot sind. Bis auf Horatio, der die Geschichte von Hamlet der Nachwelt überliefern soll. Aber ist Hamlet, der bei Shakespeare als tragische Gestalt zwischen mittelalterlichem Glauben und neuzeitlichem reformatorischen Denken eingepresst scheitert – und damit im 19. Jahrhundert neben Faust zum Sinnbild eines in der “vernünftelnden” Reflexion versunkenen (“deutschen”) Intellektuellen wurde -, wirklich nur einer, der als neu erwachtes Individuum scheitert?

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Vorgefühlt “AVENUE Q” – Alles Leben ist nur für einen Augenblick

Wer in der AVENUE A wohnt, der muss etabliert und reich sein. Wer sich hingegen eine Wohnung in der AVENUE Q leisten kann, der gehört eher zum sozialen Rand der Gesellschaft, wenn nicht gleich ganz zu den Losern. In ihrem gleichgetitelten Musical erzählen Robert Lopez und Jeff Marx nach dem Buch von Jeff Whitty von einem ganzen Häuserblock, den Christian Binz auf die Bühne stemmt: Ein wunderbar vergammelter Straßenzug, voller Graffiti; zerbröselndes Grau mit Löchern in und an den Mauern. Auch die Straße davor ist grau. Auch ansonsten wirkt dieser Ort unwirtlich. Ein Müllcontainer dominiert das Bild auf der rechten Seite, davor Müll und gelbe Säcke, auf der linken Seite stehen zwei hässliche Plastikstühle: Gemütlich ist es in der AVENUE Q nicht, auch wenn Kinderzeichnungen per Video eine fröhliche Stimmung assoziieren oder Kulissenteile wie ein rotes Sportauto oder das Empire State Building aus einem Bilderbuch ausgeschnitten erscheinen und auf eine naive Fröhlichkeit verweisen…

Wir zeigen euch in diesem Blogbeitrag exklusive Backstage-Eindrücke, fotografiert von Matthias Baus.
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Vorgefühlt: Die Gewalt einer großen Liebe

Notate zu dem Ballettabend „Carmen“ von Steffen Fuchs

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„Wenn diagonal, dann richtig“, so reagiert der Choreograf Steffen Fuchs auf das Bewegungsangebot eines Tänzers auf der Probe zu „Carmen“. Diese Aussage verweist auf zweierlei: Zum einen auf die genaue Beobachtung, die zudem die Partizipation des Tänzers, der Tänzerin zulässt, zum anderen auf einen Perfektionismus, der sich nicht mit sich selbst begnügt, sondern die Zuschauerperspektive mitreflektiert.

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