„Das Sparschwein“: Drei Fragen an Christian Binz

Kannst du uns aus deiner Perspektive als Kostümbildner erklären, was die Ausstattung einer Komödie von der Ausstattung anderer Schauspielstücke unterscheidet?
Zu Beginn unterscheidet sich die Arbeit tatsächlich gar nicht. Es ist erst einmal wichtig, die Figuren zu verstehen und sie ernst zu nehmen. Als nächstes entscheidet man, wie das Stück erzählt und ob die Figuren überzeichnet oder karikiert werden sollen und – ob man einfach nur übertreiben oder schon bloßstellen möchte. Das sind immer die ersten Schritte, egal ob man an einer Komödie oder einem Schauspiel arbeitet.

Was die Charaktere auf dem Papier tragen:

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Ein bisschen Alltag in außergewöhnlichen Zeiten

Studienleiter Karsten Huschke im Gespräch mit Anja Merfeld, Grafikerin und Social Media-Beauftragte am Theater Koblenz

Für unser Interview treffen wir uns auf der Probebühne 4 im Neubau des Theaters Koblenz. Die Bühne ist wie leergefegt. Ein ungewöhnlicher Anblick. Bühnenbildelemente, Requisiten und Kostüme von der Produktion „Vor Sonnenaufgang“ sind von einem auf den anderen Tag verschwunden. Die Bühnentechniker haben ganze Arbeit geleistet, kurz nach der offiziellen Absage der Produktion durch die Theaterleitung. Nur der Flügel und die Stuhlreihen, in denen das Publikum normalweise Platz nimmt, stehen verloren im Raum. Wir versuchen es uns irgendwie gemütlich zu machen, schieben Stühle durch die Gegend und lassen uns dann ungewöhnlich weit auseinander nieder. So ist das nun einmal in außergewöhnlichen Zeiten.

Karsten Huschke während einer Probe im Oberen Foyer
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Vorgefühlt: „Der Diener zweier Herren“ – Was ist das eigentlich für ein Typ?

Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“ gilt als Höhepunkt der Commedia dell’arte. Schauspieler Christof Maria Kaiser erzählt, was er in der Titelfigur Truffaldino sieht.

Pantalone: Schluss jetzt, Herr, verausgaben Sie sich nicht. Was wollen Sie? Wer sind Sie? Wer schickt Sie?
Truffaldino: Sachte, sachte; brav bleiben! Drei Fragen auf einmal ist zuviel für einfachen Mann.
Pantalone (leise zum Dottore): Schätze, es handelt sich um einen Simpel.
Dottore (leise zu Pantalone): Ich würde eher etwas Burlesques an ihm diagnostizieren.

Christof Maria Kaiser, Sie spielen Truffaldino, die Titelfigur in Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“. Was ist dieser Diener eigentlich für ein Typ?
Der ist irgendwo in einem ganz frühen Stadium stehengeblieben. Der kommt aus Bergamo, in Italien, also aus dem hohen Norden, und da nahm man früher eben an, dass da die Dorftrottel herkommen. Er ist zwar überhaupt nicht doof, aber einfach ein großes Kind geblieben.

Der Diener zweier Herren mit Christof Maria Kaiser

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Inszenierungen aus anderen Perspektiven: Schauspieler David Prosenc

Millionen Dinge, die es wert sind zu leben, sammelt der Erzähler der Geschichte „All das Schöne“ im Laufe seines Lebens. Wie viele solcher Dinge fallen Ihnen wohl in diesem Moment und ganz spontan ein? Und wie häufig ist Ihnen dabei ein Lächeln über die Lippen gehuscht? Schauspieler David Prosenc hat das Vergnügen, den Erzähler von „All das Schöne“ – verfasst vom Briten Duncan Macmillan – im Circus Maximus zu spielen. Während wir mit ihm zusammen in der Nachmittagssonne auf einer Bank im Park sitzen, erzählt er uns, was hinter all diesen schönen Dingen steckt und warum der Erzähler überhaupt beginnt, diese Liste zu schreiben.

Interview David Presence
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