Vorgefühlt “Mädchen in Not” – Kampf um den eigenen Körper

Der Regisseur Nis Søgaard adaptiert Anne Leppers „Mädchen in Not“ für die Puppenbühne

Koblenz – Mit ihrer Rolle als Frau hadert Baby in Anne Leppers Stück „Mädchen in Not”. Ihr Mann und ihr Freund engen ihre Freiheit ein – und sie wünscht sich eine Puppe als Mann. Dieses Konzept denkt der dänische Regisseur Nis Søgaard radikal weiter. In der Puppensparte des Theaters Koblenz hat seine Inszenierung am 7. Dezember Premiere. Was reizt den Puppenspielkünstler daran, die Geschlechterkämpfe der Mädchen Baby und Dolly mit Puppen und Objekten in Szene zu setzen? „Sie machen einen Zugang zu den Figuren möglich, der sehr offen und weniger auf die Personen bezogen ist. Da geht es mehr um die Leitgedanken des Dramas.“ Das reizt den Künstler an dem komplexen Text der 40-Jährigen Autorin. Mit dem Stück, das Geschlechterverhältnisse hinterfragt, hat Lepper 2017 den Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen.

Mädchen in Not

Diesen Beitrag weiterlesen →

Vorgefühlt: “Oskar und die Dame in Rosa” – Puppentheater auf Zeit in der Citykirche

Frank Alexander Engel inszeniert „Oskar und die Dame in Rosa“ im sakralen Raum

Koblenz – Menschen in schweren Lebenslagen finden in der Citykirche in der Koblenzer Innenstadt verschwiegene Gesprächspartner und Hilfe. Nun wagt das Team des offenen Gotteshauses am Jesuitenplatz in der Altstadt mit dem Theater Koblenz ein Experiment. Ab 21. September ist dort eine Bühnenfassung von Éric-Emmanuel Schmitts Erzählung „Oskar und die Dame in Rosa” zu erleben. Regisseur Frank Alexander Engel zeigt die Geschichte vom krebskranken Jungen und der ehemaligen Catcherin, die sich als Patientenbetreuerin im Krankenhaus um ihn kümmert, als Produktion mit Stabmarionetten, Flachfiguren und Objekten. Myrjam Rossbach und Arne van Dorsten spielen die Fassung für das Puppentheater.

Diesen Beitrag weiterlesen →

Vorgefühlt: “erst war es leer ohne herz, aber jetzt geht’s wieder” – Verletztes Reh mit Mädchenkörper

Neu im Puppentheater-Ensemble: Luisa Grüning probt Lucy Kirkwoods neue europäische Dramatik

Vom grausamen Erwachen der Prostituierten Dijana aus ihren Mädchenfantasien handelt Lucy Kirkwoods Stück „erst war es leer ohne herz, aber jetzt geht’s wieder”. Diesen sperrigen Satz sagt ein siebenjähriges Mädchen nach seiner Herztransplantation. Und er lässt sich auf die Protagonistin übertragen. Harte Worte wie diese schleudert die britische Dramatikerin dem Publikum nicht nur im Titel entgegen. Für die 29-jährige Luisa Grüning, neu im Puppentheaterensemble des Theaters Koblenz, ist die Arbeit mit dem Text ein Balanceakt. Mit ihrer Kollegin Hendrika Ruthenberg lotet sie Sprachebenen aus, die Traum und Wirklichkeit trennen. Denn Kirkwoods schockierenden Bildern wohnt Poesie inne.

erst war es leer ohne herz, aber jetzt gehts wieder

Diesen Beitrag weiterlesen →

Vorgefühlt: „Wolfsstunde” nach dem Film von Ingmar Bergman

„Hier spukt es!“ dachte ich gestern, als ich mit Herzrasen und schweißgebadet aufwachte. Ich hörte ein knarzen im Wohnzimmer und längliche Schatten huschten über die weißen Wände. Mann, bin ich schreckhaft! Die Schatten wirkten wie hagere Figuren mit langen Armen und Beinen und noch längeren knöchrigen Fingern. Schauerlich, wie aus einem Tim Burton-Film entsprungen. Irgendwie war mir ganz fürchterlich unbehaglich, alles so still und dunkel. Ich hoffte, dass nicht ein Einbrecher in meiner Wohnung sein Unwesen treibt. Ich schlich mich langsam aus dem Schlafzimmer und – natürlich alles in bester Ordung.

Der Gruselstreifen von Ingmar Bergman feiert Uraufführung als Puppentheaterstück. (Foto: Katharina Dielenhein für das Theater Koblenz)

Diesen Beitrag weiterlesen →

Vorgefühlt: „Über Lang oder Kurz“

Weck, ein fiktiver Ort, an dem die Stimme wohnt. Es treffen sich Lulatsch, Doris und Martin (Foto: Katharina Dielenhein für das Theater Koblenz)

„Ich sag jetzt schon: Daumen hoch!“ ruft ein kleiner Junge, noch bevor die Probe überhaupt begonnen hat, in den Raum und hampelt ganz aufgeregt auf seinem Stuhl rum. Ich vermute mal, das liegt an dem tollen Ausflug ins Theater, den eine zweite Klasse unternehmen durfte, um als Testpublikum das neue Theaterstück im Puppentheater ansehen zu dürfen. Außerdem ist der lässige Spruch „Daumen hoch“ ja auch für alles andere gut. Zum Beispiel für den Ausfall des regulären Unterrichts an diesem Morgen. Ich lasse mich da nicht so einfach zufrieden stellen, naja, für mich fällt ja auch kein Unterricht mehr aus. Eigentlich schade, das Ausflugsgefühl kenne ich noch, das war immer ein besonderer Tag mit Milchschnitte und Capri Sonne, das gab es nur an Ausflugstagen.

Diesen Beitrag weiterlesen →

0

Vorgefühlt: „Die verrückten Schlossgespenster“

Es spukt auf der Festung Ehrenbreitstein. Diese Annahme liegt nahe, schließlich bietet das alte Gemäuer unendlich viele Möglichkeiten für ein ungestörtes Gespensterleben. Und wer weiß schon so genau was sich in den vielen hundert Jahren, die es die Festung jetzt gibt, in den Kellergewölben und in den Sälen so zugetragen hat. Häufig hörte ich in der Nacht unheimliches heulen und schreien vom Festungsgelände.

Aber jetzt ist der Spuk endlich vorbei! Gestern habe ich ein Gespenst erwischt. Es huhute durch die Gewölbe und hat seine Zahnbürste gesucht. Ich grusele mich nämlich seit Wochen in der Nacht wie verrückt, wenn von der Festung diese unheimlichen Geräusche zu hören sind. Mit Ketten klirrende bleiche Untote habe ich mir vorgestellt, die mir nachts das Blut aussaugen wollen oder andere schreckliche Gestalten mit roten Augen und spitzen Zähnen. Und jetzt schwebte da gestern, als ich der Sache mal genauer auf den Grund gehen wollte ein kleiner vorwitziger Geist vor meiner Nase herum. Der hat sich vielleicht erschrocken als er mich da nachts getroffen hat. Gustav, ist sein Name und er hat mir erzählt, dass er sich sehr langweilt, weil nur sein Freund Louis noch mit auf der Festung wohnt. Sein anderer Freund, der Fritz hat sich verliebt und nun keine Zeit mehr für Gustav. Außerdem ist der Fritz ein Mensch, der immer Touristen durch die schönen Räume geführt hat. Das hat der Gustav gerne beobachtet und sich immer gefreut, wenn der Fritz sich den Kopf gestoßen hat oder so, der ist nämlich ein bisschen tollpatschig. Und dann ist die Französin Cecile aufgetaucht und der Fritz war plötzlich ganz verliebt.

Naja, jedenfalls sind die beiden Gespenster sehr nett und versuchen mich ständig zu erschrecken, das ist vielleicht lustig. Das Erschrecken scheint ein bisschen eingerostet zu sein, genauso wie Gustavs Witze, obwohl er die so gerne erzählt. Aber was mir da gerade einfällt: Warum braucht ein Gespenst eigentlich ein Zahnbürste? Die haben doch gar keine Zähne!…

Fragt den Gustav mal am Wochenende auf der Festung Ehrenbreitstein selbst, da will er seine Geschichte und die von Fritz und Cecile nämlich für Euch alle nochmal erzählen, damit er neue Freunde findet. Wenn Ihr Euch auch schon immer einen Gespenster-Freund gewünscht habt, müsst ihr unbedingt Gustav und Louis kennenlernen.
Premiere am 09.06.2017 um 18:00 Uhr Festung Ehrenbreitstein Lichthof.

1 2