Vorgefühlt: „Arsen und Spitzenhäubchen“ – A Dead Man’s Party


Rodrigo Umseher, Christian Binz, „Arsen und Spitzenhäubchen“ ist wahrscheinlich das einzige Stück, in dem mit Mortimer ein Theaterkritiker eine Hauptfigur ist. Das bringt mir den Stoff schonmal nahe. Aber was interessiert Sie an dem Stück?
Rodrigo Umseher: In erster Linie war das Stück eine Vorgabe des Hauses. Ich habe mich dann durch diesen Wust an Seiten gekämpft und versucht, den Ursprungswitz in die heutige Zeit zu transferieren. Das war meine große Motivation: Wie kriegt man diesen anarchischen Witz, der in den Fünfzigern noch viel mehr gezündet hat, in die Jetztzeit? Eine der Figuren bei Kesselring ist ja eine Übertragung des damals sehr populären Horrorschauspielers Boris Karloff, und das habe ich auf alle anderen Figuren übertragen: Martha ist Angela Merkel, Abby sieht aus wie Theresa May, statt Boris Karloff haben wir Mickey Rourke … Und plötzlich hatte ich so eine Art Metaebene.
Christian Binz: Aber ohne dass wir explizit sagen: Das ist Merkel, das ist May … Im Originalstück hält sich eine Figur für den amerikanischen Präsidenten Teddy Roosevelt. Bei uns ist das Donald Trump.

„Arsen und Spitzenhäubchen“
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Vorgefühlt “Mädchen in Not” – Kampf um den eigenen Körper

Der Regisseur Nis Søgaard adaptiert Anne Leppers „Mädchen in Not“ für die Puppenbühne

Koblenz – Mit ihrer Rolle als Frau hadert Baby in Anne Leppers Stück „Mädchen in Not”. Ihr Mann und ihr Freund engen ihre Freiheit ein – und sie wünscht sich eine Puppe als Mann. Dieses Konzept denkt der dänische Regisseur Nis Søgaard radikal weiter. In der Puppensparte des Theaters Koblenz hat seine Inszenierung am 7. Dezember Premiere. Was reizt den Puppenspielkünstler daran, die Geschlechterkämpfe der Mädchen Baby und Dolly mit Puppen und Objekten in Szene zu setzen? „Sie machen einen Zugang zu den Figuren möglich, der sehr offen und weniger auf die Personen bezogen ist. Da geht es mehr um die Leitgedanken des Dramas.“ Das reizt den Künstler an dem komplexen Text der 40-Jährigen Autorin. Mit dem Stück, das Geschlechterverhältnisse hinterfragt, hat Lepper 2017 den Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen.

Mädchen in Not

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Vorgefühlt: “Oskar und die Dame in Rosa” – Puppentheater auf Zeit in der Citykirche

Frank Alexander Engel inszeniert „Oskar und die Dame in Rosa“ im sakralen Raum

Koblenz – Menschen in schweren Lebenslagen finden in der Citykirche in der Koblenzer Innenstadt verschwiegene Gesprächspartner und Hilfe. Nun wagt das Team des offenen Gotteshauses am Jesuitenplatz in der Altstadt mit dem Theater Koblenz ein Experiment. Ab 21. September ist dort eine Bühnenfassung von Éric-Emmanuel Schmitts Erzählung „Oskar und die Dame in Rosa” zu erleben. Regisseur Frank Alexander Engel zeigt die Geschichte vom krebskranken Jungen und der ehemaligen Catcherin, die sich als Patientenbetreuerin im Krankenhaus um ihn kümmert, als Produktion mit Stabmarionetten, Flachfiguren und Objekten. Myrjam Rossbach und Arne van Dorsten spielen die Fassung für das Puppentheater.

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Vorgefühlt: “erst war es leer ohne herz, aber jetzt geht’s wieder” – Verletztes Reh mit Mädchenkörper

Neu im Puppentheater-Ensemble: Luisa Grüning probt Lucy Kirkwoods neue europäische Dramatik

Vom grausamen Erwachen der Prostituierten Dijana aus ihren Mädchenfantasien handelt Lucy Kirkwoods Stück „erst war es leer ohne herz, aber jetzt geht’s wieder”. Diesen sperrigen Satz sagt ein siebenjähriges Mädchen nach seiner Herztransplantation. Und er lässt sich auf die Protagonistin übertragen. Harte Worte wie diese schleudert die britische Dramatikerin dem Publikum nicht nur im Titel entgegen. Für die 29-jährige Luisa Grüning, neu im Puppentheaterensemble des Theaters Koblenz, ist die Arbeit mit dem Text ein Balanceakt. Mit ihrer Kollegin Hendrika Ruthenberg lotet sie Sprachebenen aus, die Traum und Wirklichkeit trennen. Denn Kirkwoods schockierenden Bildern wohnt Poesie inne.

erst war es leer ohne herz, aber jetzt gehts wieder

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Vorgefühlt: „Wolfsstunde” nach dem Film von Ingmar Bergman

„Hier spukt es!“ dachte ich gestern, als ich mit Herzrasen und schweißgebadet aufwachte. Ich hörte ein knarzen im Wohnzimmer und längliche Schatten huschten über die weißen Wände. Mann, bin ich schreckhaft! Die Schatten wirkten wie hagere Figuren mit langen Armen und Beinen und noch längeren knöchrigen Fingern. Schauerlich, wie aus einem Tim Burton-Film entsprungen. Irgendwie war mir ganz fürchterlich unbehaglich, alles so still und dunkel. Ich hoffte, dass nicht ein Einbrecher in meiner Wohnung sein Unwesen treibt. Ich schlich mich langsam aus dem Schlafzimmer und – natürlich alles in bester Ordung.

Der Gruselstreifen von Ingmar Bergman feiert Uraufführung als Puppentheaterstück. (Foto: Katharina Dielenhein für das Theater Koblenz)

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