Vorgefühlt: „Der Diener zweier Herren“ – Was ist das eigentlich für ein Typ?

Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“ gilt als Höhepunkt der Commedia dell’arte. Schauspieler Christof Maria Kaiser erzählt, was er in der Titelfigur Truffaldino sieht.

Pantalone: Schluss jetzt, Herr, verausgaben Sie sich nicht. Was wollen Sie? Wer sind Sie? Wer schickt Sie?
Truffaldino: Sachte, sachte; brav bleiben! Drei Fragen auf einmal ist zuviel für einfachen Mann.
Pantalone (leise zum Dottore): Schätze, es handelt sich um einen Simpel.
Dottore (leise zu Pantalone): Ich würde eher etwas Burlesques an ihm diagnostizieren.

Christof Maria Kaiser, Sie spielen Truffaldino, die Titelfigur in Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“. Was ist dieser Diener eigentlich für ein Typ?
Der ist irgendwo in einem ganz frühen Stadium stehengeblieben. Der kommt aus Bergamo, in Italien, also aus dem hohen Norden, und da nahm man früher eben an, dass da die Dorftrottel herkommen. Er ist zwar überhaupt nicht doof, aber einfach ein großes Kind geblieben.

Der Diener zweier Herren mit Christof Maria Kaiser

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Vorgefühlt: „Woyzeck“ – das Wahnsinnsstück

Ein wahnsinniges Stück? Oder ein Stück über den Wahnsinn? Wir waren zu Besuch auf den Proben. Und haben die Regisseurin Olga Wildgruber gefragt, wie sie das eigentlich sieht

Woyzeck: Was hast du?
Marie: Nix.
Woyzeck: Unter deinen Fingern glänzt’s ja.
Marie: Ein Ohrringlein; hab’s gefunden.
Woyzeck: Ich hab’ so noch nichts gefunden. Zwei auf einmal.

Woyzeck u.a. mit Jana Gwosdek
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Vorgefühlt: “It can’t happen here” – „Da beschleicht einen schon das Grauen“

Ein Populist gewinnt die US-amerikanische Präsidentenwahl und errichtet eine plutokratische Herrschaft – Sinclair Lewis’ Satire „It can’t happen here“ klingt wie eine Vorwegnahme der Trump-Regierung. Die Romandramatisierung des Deutschen Theaters Berlin ist am 1. und 2. September im Theater Koblenz zu sehen – ein Interview mit dem Dramaturgen John von Düffel.

It can't happen here – Foto: Arno Declair
Auf dem Bild: Felix Goeser, Matze Pröllochs, Benjamin Lillie, Wiebke Mollenhauer, Camill Jammal, Michael Goldberg (Foto: Arno Declair)

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Requisitenfischen: Zehn Spielzeiten. Zehn Requisiten. Zehn Anekdoten.

Langsam neigt sich die Spielzeit 2017/2018 dem Ende zu. Nach und nach werden Kostüme, Bühnenbilder und Requisiten der abgespielten Produktionen ordentlich zusammengeräumt und im Lager des Theaters verstaut. Dort liegen und warten sie in Reih’ und Glied, bis sie vielleicht für eine nächste Produktion – in einem völlig neuen Zusammenhang – wieder zum Einsatz kommen. Dass einzelne Gegenstände eine ganze Geschichte erzählen können, und zwar nicht nur über sich selbst, sondern auch über eine bestimmte Zeit oder eine einzelne Person, hat uns erst kürzlich das Schauspiel „Das 20. Jahrhundert in Kartons“ gelehrt. An diesem Abend finden die Darsteller in Umzugskartons eine Vielzahl an Dingen, die jeweils eine eigene Geschichte der Vergangenheit erzählen.

Für den Intendanten Markus Dietze geht dieser Tage nicht nur eine weitere Spielzeit zu Ende, viel mehr nähert sich der Beginn seiner 10. Spielzeit am Theater Koblenz. In all diesen Jahren – und nach aktuell insgesamt 215 vergangenen Produktionen – ist so einiges über die Bühne gegangen, über das sich manche Anekdote erzählen ließe. Aus diesem Anlass gräbt Markus Dietze in seinen Erinnerungen. Vor ihm baut sich der bunte Stapel aller Spielzeithefte der nun zehn Jahre auf, hinter dem er verschwindet. Nach und nach blättert er die Hefte durch und wählt aus jeder Spielzeit ein Lieblingsrequisit aus, von dessen Geschichte er uns erzählt, während von ihm nur noch vereinzelt die Hand zu sehen ist, die nach dem nächsten Heft greift.

Markus Dietze und Requisiten
Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

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