Vorgefühlt: “Die Zauberflöte” – Ein Albtraum, der mit uns zu tun hat

Ein Interview mit dem Regie-Team der neuen Inszenierung von Mozarts Oper "Die Zauberflöte" am Theater Koblenz

Jeder liebt Mozarts „Die Zauberflöte“. Aber jeder liebt die Oper anders: Der eine als Märchenoper, die andere als Feier von Aufklärung und Humanismus, wieder jemand anders als Abenteuer in freimaurerischen Ritualen. In Koblenz ist das Erfolgsstück als unruhiger Schlaf Paminas zu sehen, dessen verstörende Bilder in unsere Gegenwart reichen. Ein Gespräch mit dem musikalischen Leiter Mino Marani, der Dramaturgin Marion Meyer und der Regisseurin Mascha Pörzgen.

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Vorgefühlt: “Terminal 5 / Rohlinge” – „Eigentlich war ich ganz zufrieden mit meinem Leben“

In Simon Stephens’ „Terminal 5“ bewegt sich eine Frau durch das Gewimmel einer Großstadt, durch U-Bahn-Schächte und durch Flughafenhallen, bis sie sich am Ende aus den Menschenmassen herauskatapultiert, in einer sanften, unmerklichen Bewegung. In Dorian Brunz’ „Rohlinge“ kommt eine Frau aus dem Urlaub zurück und stellt fest, dass sie in ihrer Wohnung nicht mehr alleine ist. Markus Dietze (Regie) und Marie-Theres Schmidt (Co-Regie) inszenieren die beiden Texte im Atrium der Rhein-Mosel-Halle als Monologe für Magdalena Pircher: Szenische Audioinstallation und exzessive Soloperformance. Ein Gespräch mit dem Regieteam und Dramaturgin Julia Schinke.

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Vorgefühlt: Spielzeit 2021/22 – „Wie bleiben wir zeitgenössisch?“

Intendant Markus Dietze im Interview mit Falk Schreiber.
Das Gespräch fand am Ende der vergangenen Spielzeit statt.

Markus Dietze, wie erinnern Sie sich an die Situation vor einem Jahr? An die Präsentation der Spielzeit 2019/2020?

Die jetzt zu Ende gehende Spielzeit haben wir ja schon im Dezember 2019 präsentiert, da war von Corona noch keine Rede. Und später haben wir mantramäßig „Wenn wir nur fest genug glauben, dann können wir alles durchziehen!“ gesagt. Dieses Jahr ist in einem entscheidenden Punkt anders: Wir haben extrem lange gewartet mit der Veröffentlichung. Das ändert nichts an der Tatsache, dass wir nicht wissen, ob es im Herbst wieder zu solch massiven Einschränkungen kommen wird, dass ein Vorstellungsbetrieb im Theater nicht mehr stattfinden kann.

Das Große Haus in Panoramaansicht vom 2. Rang aus gesehen (Foto: Matthias Baus)
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Zurück zum Ex?

„Wenn Menschen, die einen Partner suchen, nach langer Zeit ihre Jugendliebe wiedersehen, sind sie bereit, den anderen zu idealisieren, weil sie sich an die guten alten Zeiten erinnern und alles andere verdrängen oder vergessen haben“, sagte die Frankfurter Paartherapeutin Christine Backhaus vor ein paar Jahren in einem Interview in der „FAZ“. Anna, zu Besuch bei ihrem Ex Till, geht es genauso. Die junge Autorin Patty Kim Hamilton hat ihnen dabei zugehört – und das Gesprochene, so scheint es, minutiös protokolliert. Das Ergebnis: ihr Stück „Zigaretten zum Nachtisch“, das von Selbsttäuschungen und Lebenslügen erzählt.

Am Set von Du sollst nicht falsch Zeugnis ablegen wider deinen Nächsten
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Was ist gelogen? Was ist wahr?

Dass Marianne Bachmeier den Mörder ihrer Tochter Anna erschoss, ist drei Jahrzehnte her. Es war der bislang aufsehenerregendste Fall von Selbstjustiz in Deutschland und beherrschte monatelang die Schlagzeilen. Die Berliner Autorin Sarah Amanda Dulgeris, damals sechs Jahre alt und heute selber Mutter, hat sich von diesem Fall zu einem Schauspiel inspirieren lassen. Benannt hat sie es nach der Tatwaffe: „beretta kaliber 22“. Die Uraufführung ihres Werks hatten wir für dieses Frühjahr im Theater geplant. Pandemiebedingt können wir es aber nun leider nicht vor einem Live-Publikum spielen. Deshalb haben wir beschlossen, es zu verfilmen.

Ensemble von Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten während der Dreharbeiten zu beretta kaliber
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