Vorgefühlt: „Faust“ – Dunkle Zeiten, dunkle Mächte

„Die Säulen der Erde“, „Der Medicus“, das Papst-Biopic „Borgia“: Pralle Stoffe, derbe Bilder. Das Mittelalter boomt. Allerdings vor allem in Romanen, Filmen und Serien und weniger auf der Bühne. In Koblenz hingegen lässt Regisseur Michiel Dijkema Louis Spohrs „Faust“-Oper tatsächlich in den finsteren Zeiten spielen, irgendwo im späten 15. Jahrhundert.

Alexandra Pitz
Porträt: Gerhard Willert

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Vorgefühlt “Mädchen in Not” – Kampf um den eigenen Körper

Der Regisseur Nis Søgaard adaptiert Anne Leppers „Mädchen in Not“ für die Puppenbühne

Koblenz – Mit ihrer Rolle als Frau hadert Baby in Anne Leppers Stück „Mädchen in Not”. Ihr Mann und ihr Freund engen ihre Freiheit ein – und sie wünscht sich eine Puppe als Mann. Dieses Konzept denkt der dänische Regisseur Nis Søgaard radikal weiter. In der Puppensparte des Theaters Koblenz hat seine Inszenierung am 7. Dezember Premiere. Was reizt den Puppenspielkünstler daran, die Geschlechterkämpfe der Mädchen Baby und Dolly mit Puppen und Objekten in Szene zu setzen? „Sie machen einen Zugang zu den Figuren möglich, der sehr offen und weniger auf die Personen bezogen ist. Da geht es mehr um die Leitgedanken des Dramas.“ Das reizt den Künstler an dem komplexen Text der 40-Jährigen Autorin. Mit dem Stück, das Geschlechterverhältnisse hinterfragt, hat Lepper 2017 den Mülheimer Dramatikerpreis gewonnen.

Mädchen in Not

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Vorgefühlt: „Der Diener zweier Herren“ – Was ist das eigentlich für ein Typ?

Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“ gilt als Höhepunkt der Commedia dell’arte. Schauspieler Christof Maria Kaiser erzählt, was er in der Titelfigur Truffaldino sieht.

Pantalone: Schluss jetzt, Herr, verausgaben Sie sich nicht. Was wollen Sie? Wer sind Sie? Wer schickt Sie?
Truffaldino: Sachte, sachte; brav bleiben! Drei Fragen auf einmal ist zuviel für einfachen Mann.
Pantalone (leise zum Dottore): Schätze, es handelt sich um einen Simpel.
Dottore (leise zu Pantalone): Ich würde eher etwas Burlesques an ihm diagnostizieren.

Christof Maria Kaiser, Sie spielen Truffaldino, die Titelfigur in Carlo Goldonis „Der Diener zweier Herren“. Was ist dieser Diener eigentlich für ein Typ?
Der ist irgendwo in einem ganz frühen Stadium stehengeblieben. Der kommt aus Bergamo, in Italien, also aus dem hohen Norden, und da nahm man früher eben an, dass da die Dorftrottel herkommen. Er ist zwar überhaupt nicht doof, aber einfach ein großes Kind geblieben.

Der Diener zweier Herren mit Christof Maria Kaiser

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Vorgefühlt: „Woyzeck“ – das Wahnsinnsstück

Ein wahnsinniges Stück? Oder ein Stück über den Wahnsinn? Wir waren zu Besuch auf den Proben. Und haben die Regisseurin Olga Wildgruber gefragt, wie sie das eigentlich sieht

Woyzeck: Was hast du?
Marie: Nix.
Woyzeck: Unter deinen Fingern glänzt’s ja.
Marie: Ein Ohrringlein; hab’s gefunden.
Woyzeck: Ich hab’ so noch nichts gefunden. Zwei auf einmal.

Woyzeck u.a. mit Jana Gwosdek
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Vorgefühlt: “La Cenerentola” – Ruckedigu, ruckedigu, Blut ist im Schuh

Das Libretto der 1817 uraufgeführten Oper „La Cenerentola“ basiert auf dem bekannten Märchen „Cendrillon“ aus der Sammlung Charles Perraults. Hierzulande wurde es als „Aschenputtel“ von den Brüdern Grimm in die „Kinder- und Hausmärchen“ aufgenommen. Das Libretto der Opera buffa von Jacopo Ferretti verzichtet allerdings auf jegliche Elemente von Phantastik und Magie – zugunsten eines markanten Realismus und durchaus zeitkritischer Züge. In „Aschenputtel“ drangsaliert noch die böse Stiefmutter das arme Mädchen. In der Oper wird die häusliche Tyrannin, wie bereits in anderen Fassungen des Märchens, durch einen Stiefvater ersetzt. Dieser ist in „La Cenerentola“ ein verarmter Adliger, der sich durch die Ehe einer Tochter mit einem Prinzen finanziell sanieren und gesellschaftlich rehabilitieren will. Die Rolle der Märchenfee übernimmt als Alidoro der Lehrmeister des Prinzen. Und auch der berühmte gläserne Pantoffel (oder Tanzschuh), mit dem der Prinz im Märchen auf der Suche nach seiner mysteriösen Angebeteten von Haus zu Haus reist, kommt nicht mehr vor. Im Libretto wird der Schuh durch einen Armreifen ersetzt. In der Inszenierung von Alfonso Romero Mora erwartet das Koblenzer Publikum in dieser Hinsicht eine Überraschung.

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