Vorgefühlt: „Wolfsstunde” nach dem Film von Ingmar Bergman

„Hier spukt es!“ dachte ich gestern, als ich mit Herzrasen und schweißgebadet aufwachte. Ich hörte ein knarzen im Wohnzimmer und längliche Schatten huschten über die weißen Wände. Mann, bin ich schreckhaft! Die Schatten wirkten wie hagere Figuren mit langen Armen und Beinen und noch längeren knöchrigen Fingern. Schauerlich, wie aus einem Tim Burton-Film entsprungen. Irgendwie war mir ganz fürchterlich unbehaglich, alles so still und dunkel. Ich hoffte, dass nicht ein Einbrecher in meiner Wohnung sein Unwesen treibt. Ich schlich mich langsam aus dem Schlafzimmer und – natürlich alles in bester Ordung.

Der Gruselstreifen von Ingmar Bergman feiert Uraufführung als Puppentheaterstück. (Foto: Katharina Dielenhein für das Theater Koblenz)

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Vorgefühlt: „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter”

Liebe Marie,

ich hoffe, Dir geht es gut. Entschuldige bitte, dass ich Dir schon so lange nicht geschrieben habe. In den Weihnachtsferien habe ich es nicht geschafft und eigentlich war auch alles wie immer.

Aber diese Woche hatten wir mit der Schule ein Theaterprojekt, das richtig Spaß gemacht hat. Ich wusste bisher noch gar nicht, dass Theaterstücke spannend und gleichzeitig lustig sein können.Zuerst war eine Theaterpädagogin in der Schule, die uns viel zu dem Theaterstück erklärt hat.
Das Stück heißt „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ und wurde von Sibylle Berg geschrieben.

Die hat bisher eigentlich noch nichts für Kinder geschrieben und die Theaterpädagogin hat uns gesagt, dass das Stück eine besondere Überraschung ist, weil die Autorin sonst wohl eher mit einem „bitteren Blick auf die Menschen “, so hat die Frau aus dem Theater das beschrieben, schreibt und deprimierende Geschichten erzählt, die meistens nicht gut ausgehen und für Erwachsene geschrieben sind. In dem Kinderstück hat sie das anders gemacht und das ist richtig gut geworden, find ich. Wir hatten dann noch einen Workshop in dem wir selbst Theater spielen durften. Das war richtig cool. Da habe ich Lust bekommen auch mal in eine Theatergruppe zu gehen.

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Vorgefühlt: „Tosca“ ˗ konzertant

Ich schlendere durch eine kleine Gasse in Rom. Die Pflanzen stehen in voller Blütenpracht und der Wind trägt ihren Duft und den Geruch der morbiden Gemäuer durch die Straßen. Die Zikaden zirpen und einige Eidechsen rascheln in den alten Sandsteinmauern, als ich vorüber gehe. Ganz sommerlich wird mir bei der Vorstellung im Herzen, wie mir die warme Junisonne ins Gesicht scheint. War das damals herrlich in Rom, diese angenehme Mischung aus „La dolce vita“ und dem morbiden Charme der alten ehrwürdigen Gebäude. Die alten Kirchen, die Engelsburg und der Palazzo Farnese kommen mir in Erinnerung.

Um mir das angenehme Sommergefühl in der dunklen Jahreszeit noch etwas zu erhalten, mache ich es mir auf dem Sofa gemütlich, setze die Kopfhörer auf und höre mir eine Aufnahme von Puccinis „Tosca“ an. Wenn ein italienischer Komponist die Handlung Mitte Juni im Rom des Jahres 1800 ansiedelt, dann wird sich mein Sommergefühl trotz der winterlichen Temperaturen vor meinem Fenster sicher einstellen. Ich drücke die Play-Taste und lehne mich voller Vorfreude zurück. „Tosca“ ist mir nämlich bisher völlig unbekannt.

Was mich da allerdings bereits in den ersten Takten erwartet, lässt mich fast den Tee verschütten vor Schreck. Es eröffnet sich mir kein lyrisches Klanggemälde, das mich in ein süßes italienisches Lebensgefühl einhüllt, vielmehr entführt mich meine Phantasie unter dem Einfluss der Musik in eine Welt, die eher einem Opern-Krimi gleich kommt.

Dezente Requisiten und kleine spielerische Handlungen führen optisch durch den konzertanten Abend. Foto: Theater Koblenz

 

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Vorgefühlt: „Pippi auf den sieben Meeren“

Eine Flaschenpost ist immer aufregend. Man nimmt eine Flasche, ein Blatt Papier, einen Stift und einen Korken, naja oder eben eine Plastikflasche mit Schraubverschluss, geht auch, ist aber irgendwie nicht so aufregend wie eine Glasflasche mit Korken. Dann schreibt man eine Botschaft auf den Zettel, sowas wie: Lieber Unbekannter, wenn Du diese Nachricht findest, schreibe mir doch mal, wo Du die Flaschenpost gefunden hast. Oder man schreibt eine Bitte oder einen Wunsch, den man selbst hat auf den Zettel. Und dann kann man die Flaschenpost schon auf ihre große Reise schicken.

Ein unschlagbares Team (Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

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Vorgefühlt: “Ball im Savoy”

Paul Abraham, der ‚König der Operette’, brachte mit „ Ball im Savoy “ im Dezember 1932, am Vorabend des 2. Weltkrieges in Berlin einen Triumph zur Uraufführung. Und dies zu Zeiten der Endzeitstimmung.

Kein Ball im Savoy ohne Modetanz: Hier der Känguru-Foxtrott (Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

„Die werden doch keinen Krieg gegen die Operette führen“, sagte Abraham und verkannte den Ernst der politischen Lage. Er empfand sich als Operettenkomponist. Alles andere war für ihn unwichtig. Er registrierte zwar die Pöbeleien und gewalttätigen Übergriffe der neuen Staatsgewalt, die das Volk einschüchterten, verdrängte sie dennoch. Eine Haltung, die ihn wegen seiner daraus resultierenden späten Flucht aus Berlin ins Exil und somit fast in Lebensgefahr brachte. Hitlers Machtergreifung zwang den in Ungarn geborenen Juden zur Emigration, was gleichzeitig das Ende seiner künstlerischen Karriere bedeutete.

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Vorgefühlt:”Hexenjagd”

(Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz)

Wir legten einen Kreis aus Buchstaben auf den Tisch, verdunkelten den Raum, zündeten Kerzen und einige von diesen penetrant riechenden Räucherstäbchen an und stellten ein Glas in die Mitte des Tisches. Aufregend war das, der verbotene Blick in die Zukunft und in das Reich der Toten. Bedeutungsvoll sahen wir uns an, reichten uns die Hände und die Mutigste meiner Klassenkameradinnen übernahm die Rolle des Mediums. Wir atmeten tief ein und aus, schlossen die Augen, legten unsere Zeigefinger auf den Rand des Glases. Insgeheim hoffte ich, dass unser Vorhaben nicht funktioniert, was wäre passiert, wenn wir durch einen kleinen Fehler den Teufel gerufen hätten, der uns einen Dämon schickt. Kurz vor unserer ersten spiritistischen Sitzung hatte ich mich sicherheitshalber schon einmal mit den Merkmalen und Kennzeichen, an denen man den Teufel oder die dämonische Besessenheit angeblich erkennt, beschäftigt, um im Notfall rechtzeitig den Exorzisten informieren zu können. Ich hatte nämlich keinesfalls vor wie das Mädchen aus dem Film „Der Exorzist“ schreiend, schwitzend, mit Krämpfen und Schaum vor dem Mund unseren Gemeindepfarrer zu beleidigen. Besessene plaudern nämlich oft Bosheiten über andere aus, die sie eigentlich nicht wissen können. Ich war auf folgende Symptome vorbereitet:

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