Vorgefühlt: “Lulu”

Tänzer aus der Tanzrevue "Lulu"
Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

Die Büchse der Pandora ist geöffnet!

Aber nicht, weil sie jemand geöffnet hätte, sondern, weil der Zahn der Zeit an ihr genagt hat. Jetzt ist sie porös, und ihr Inhalt schwappt rücksichtslos aus ihr heraus. Zur Erinnerung: Die Büchse der Pandora bedeutet laut der griechischen Mythologie nichts Gutes. Zeus wies Pandora an, den Menschen die Büchse zu schenken und ihnen mitzuteilen, dass sie unter keinen Umständen geöffnet werden dürfe. Die neugierige Pandora öffnete gleich nach ihrer Hochzeit die Büchse trotzdem und brachte damit bisher unbekannte Übel über die Menschen – wie Arbeit, Krankheit, Tod, Laster und Untugenden. Von diesem Zeitpunkt an eroberte das Schlechte die Welt.

Was haben Pandora und die griechische Mythologie mit „Lulu“ zu tun? Frank Wedekind hat zwei Tragödien geschrieben: „Der Erdgeist“ (1898) und „Die Büchse der Pandora“ (1904). Diese beiden Stücke wurden zu „Lulu“ zusammengefasst, das war 1913 – benannt nach der Protagonistin der beiden Tragödien. Der erste Teil beschreibt den sozialen Aufstieg eines Mädchens, das auf der Straße lebte und gerettet worden ist. Sie wird von allen Männern begehrt und weiß ihre Reize gezielt einzusetzen. Der zweite Teil beschreibt die Wende in Lulus Leben. Nach einer luxuriösen Zeit in Paris flieht sie nach London, um einem Mädchenhändler zu entkommen. Dort haust sie verarmt mit Freunden auf einem Dachboden … wie es weitergeht, erzähle ich hier natürlich nicht.

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Vorgefühlt: “Der selbstsüchtige Riese”

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Foto: Theater Koblenz

Als ich heute Morgen das Theater betreten habe, bin ich von einem fürchterlichen Rumpeln begrüßt worden. Es donnerte so laut durch die Flure, dass ich vermutete, das sei den unzähligen Baustellen geschuldet, die momentan das Theater umgeben. Da hatte ich mich aber mächtig getäuscht. Als ich dem Rumpeln folgte, fand ich mich vor der Tür der Probebühne 2 wieder. Ich öffnete sie vorsichtig und entdeckte eine Riesin, die in einem wunderschönen Garten saß und sich mit winzigen Kindern unterhielt. Ach natürlich, da hatte ich ja gar nicht mehr dran gedacht: Das Puppentheater probt gerade für die Geschichte „Der selbstsüchtige Riese“ nach Oscar Wilde. Continue reading →

Vorgefühlt: “Fräulein Julie”

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Katja Sieder als Fräulein Julie – Foto: Theater Koblenz

 „Ohne Perso kommst du hier nicht rein! Nee, sorry, da kann ich auch keine Ausnahme machen … “ „Was ist hier denn los? Geht’s noch?“, frage ich mich, als ich an der Tür des Luxors ankomme. Voller Vorfreude auf die Premiere am 24. September und die interessanten Neuigkeiten, die ich zu erfahren hoffte, habe ich mich auf den Weg gemacht und werde erst mal von einem bulligen Türsteher angemault. Klar, der Einlass zu der Vorstellung ist erst ab 16 Jahre, spielt ja schließlich in einem Nachtclub, aber man muss es ja auch nicht übertreiben. Ich zeige also meinen „Perso“ mit dem betont lässigen Kommentar „Kein Ding, Alter!“ und betrachte die Anmache als Kompliment.

Als ich das Foyer des Luxors passiere, kommt mir ein etwas überdrehtes Partygirl entgegen, das mich in Empfang nimmt, und ehe ich mich versehe, finde ich mich in einem anrüchigen Nachtclub-Bühnenbild wieder, in dem die Erotik und die zügellosen Nächte noch in der Luft zu hängen scheinen. Das Luxor eignet sich durch seine plüschige Gestaltung und die roten Samttapeten perfekt als bespielbarer Bühnenraum. Ich bin auf einer Probe für die Produktion „Fräulein Julie“.

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Vorgefühlt: “Le nozze di Figaro”

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Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

Jetzt wird es feierlich! Figaros Hochzeit steht vor der Tür und Sie sind, wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß, alle eingeladen. Wenn das kein Grund zur Freude ist.

Das junge, internationale Team um „Le nozze di Figaro“ hat am vergangenen Sonntag strahlend schön und gut gelaunt einen verlockenden Vorgeschmack auf die Premiere am kommenden Samstag gegeben.

Bevor wir uns in die temperamentvollen Feierlichkeiten stürzen dürfen, die Aromen von Jamón Serrano die Luft erfüllen und uns in die spanische Sonne entführen, wird es erst einmal heikel. Der Inhalt der komischen Oper ist nämlich ein verzwicktes Verwirrspiel, das Telenovelas nicht besser erdenken könnten.

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Vorgefühlt: “Hamlet”

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Foto: Matthias Baus für das Theater Koblenz

Das Theater Koblenz hält in dieser noch blutjungen Spielzeit ein neues Format auf der Seitenbühne für Sie bereit, das Ihnen ermöglicht, einen kleinen Vorausblick auf die kommende Premiere zu erhalten. Neugierig wird Anna Drechsler ihre Nase in die Probenarbeit stecken, um Sie mit allen wichtigen Informationen zu versorgen, die die Vorfreude auf die jeweilige Premiere noch erhöhen. Dabei wird sie vielleicht auch die ein oder andere Anekdote bereithalten. Freuen Sie sich auf Neuigkeiten aus der Endprobenphase, die Ihnen gerade noch gefehlt haben …

Spielzeiteröffnung mit Shakespeares „Hamlet“
Jeder kennt „Hamlet“! Ob aus dem leicht verblichenen Deutschunterricht, irgendeinem geerbten Buch, dem abgebrochenen Germanistik-Studium oder aus der ernsthaften Beschäftigung mit William Shakespeare und seinem weltberühmten Werk. Kurzum: Gänzlich unbekannt sind der englische Schriftsteller und sein Schauspiel in fünf Akten wohl niemanden. Wenngleich der Respekt vor diesen schweren dramatischen Stoffen ungebrochen bleibt und die Interpretationsansätze auf literarischer, musikalischer und filmischer Ebene unzählbar sind, sind das Interesse und die Lust an William Shakespeare und seinen Familiendramen sowie einfühlsamen Liebesgeschichten ungebrochen und von den Theaterbühnen nicht wegzudenken. Das Jahr 2016 ist das Jahr des 400. Todestages Shakespeares und damit ein guter Anlass, den Großmeister der Dramenliteratur erneut zu würdigen.

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