“Dead Man Walking”: Einblick in die Komponistenwerkstatt

Als sich Regisseur und Intendant Markus Dietze vor einigen Wochen mit dem Komponisten der Oper, Jake Heggie, 60, in Frankfurt zum Gespräch traf, war das eine einmalige Chance, auch ein wenig in den Alltag eines Komponisten hineinblicken zu können.

Das Libretto der Oper schrieb Terrence McNally (1938-2020), einer der großen amerikanischen Dramatiker. Sein vielleicht bekanntestes Werk: „Meisterklasse“ aus dem Jahr 1995 über die Sopranistin Maria Callas, wie sie gegen Ende ihres Lebens – und nach dem Verlust ihrer Stimme und dem Ende der Bühnenkarriere – drei verschüchterte Nachwuchssänger unterrichtet. 

Als Heggie und McNally 1997 zusammenfanden, stand der Komponist noch ganz am Anfang seiner Karriere – und der Librettist, 22 Jahre älter, befand sich auf dem Gipfel seines Ruhms.

Einblick in die Komponistenwerkstatt. Ein Gespräch mit Jake Heggie.
Continue reading →

„Dead Man Walking”: Gedanken zur Todesstrafe

In amerikanischen Gefängnissen ruft der Wärter “Dead Man Walking”, wenn er einen zum Tode Verurteilten auf seinem letzten Gang begleitet. Hin zu einem Raum, in dem er – früher auf dem elektrischen Stuhl, heute zumeist mittels letaler Injektion – hingerichtet werden wird. Helen Prejean, eine katholische Ordensschwester aus Louisiana, hat in den 80er-Jahren über ihre Arbeit als geistlicher Beistand dieser Todeskandidaten ein Buch geschrieben. Verfilmt von Tim Robbins, kam es 1995 in die Kinos. Und fünf Jahre später als Oper auf die Theaterbühnen. 

Am 15. Januar hat das Werk in Koblenz Premiere, inszenieren wird Intendant Markus Dietze. Vor einigen Wochen hat er Jake Heggie, den Komponisten der Oper, in Frankfurt getroffen. Der ihm erzählte, er wolle sein Werk ausdrücklich nicht als Polit-Oper verstanden wissen. Für ihn gehe es vorrangig um humanitäre Themen: Schuld und Sühne, Rache und Vergebung. Wobei natürlich seine Oper ohne die Debatte um die Todesstrafe gar nicht denkbar ist.

Die Frage nach ihrer Legitimation hat Markus Dietze bei der Vorbereitung seiner Inszenierung intensiv beschäftigt. Für uns hat er seine Gedanken dazu aufgeschrieben.

Gedanken zur Todesstrafe. Überlegungen zur Oper "Dead Man Walking"
Continue reading →

„Dead Man Walking”: Komponist Jake Heggie in der Selbstauskunft

Den Film mit Susan Sarandon und Sean Penn kennt fast jeder. Aber wer weiß, dass es auch eine gleichnamige Oper gibt? Vor gut 20 Jahren wurde sie in San Francisco uraufgeführt – und verhalf einem aufstrebenden Komponisten zum weltweiten Durchbruch: Jake Heggie, damals 40 Jahre alt und zuvor Mitarbeiter in der PR-Abteilung des Opernhauses. Zufälligerweise war Heggie vor einigen Wochen für ein paar Tage in Frankfurt. Dort hat ihn Regisseur und Intendant Markus Dietze zum Gespräch getroffen und um Auskunft gebeten …

"Dead Walking": Komponist Jake Heggie in der Selbstauskunft.
Continue reading →

„Dead Man Walking”: Sister Helens Reise

Susan Sarandon und Sean Penn. „Dead Man Walking“. Ein weltberühmter Film von 1995. Aber nicht nur das. Es ist auch eine weltberühmte Oper. Geschrieben hat sie der amerikanische Komponist Jake Heggie, 60. Es war sein erstes Werk für die Opernbühne, wurde am 7. Oktober 2000 in San Francisco uraufgeführt – und bis heute auf der ganzen Welt dutzendfach nachgespielt.

Ab Januar steht es auch in Koblenz auf dem Spielplan. Ein glücklicher Zufall wollte es, dass Heggie vor einigen Wochen in Deutschland war. In Frankfurt, um genau zu sein. Intendant und Regisseur Markus Dietze hat die Gelegenheit genutzt und ihn dort zum Gespräch getroffen.

Markus Dietze und Jake Heggie im Gespräch zu Sister Helens Reise in der Oper "Dead Man Walking"
Continue reading →

Vorgefühlt “Romeo und Julia”

The star-cross’d lovers – Über das Schicksal der Liebenden

„Romeo und Julia“ 2021/22 im Theater Koblenz: Wie hat es dieses „unsternbedrohte“ Liebespaar nur geschafft, den Spielplan so raumgreifend zu erobern? Im Sommer auf der Festung Ehrenbreitstein starb die Liebe von Tony und Maria auf dem harten Asphalt der New Yorker West Side. Gegen die Straßenkämpfe zwischen den verfeindeten Jets und Sharks hatte sie keine Chance auf eine gemeinsame Zukunft. „There’s a place for us…“ – die Liebenden konnten keinen Ort finden, an dem sie hätten glücklich werden können. Ihnen geht es damit so wie ihren Rollenvorbildern: Romeo und Julia. 

Continue reading →
1 2 3 4 43