Vorgefühlt: „Tosca“ ˗ konzertant

Ich schlendere durch eine kleine Gasse in Rom. Die Pflanzen stehen in voller Blütenpracht und der Wind trägt ihren Duft und den Geruch der morbiden Gemäuer durch die Straßen. Die Zikaden zirpen und einige Eidechsen rascheln in den alten Sandsteinmauern, als ich vorüber gehe. Ganz sommerlich wird mir bei der Vorstellung im Herzen, wie mir die warme Junisonne ins Gesicht scheint. War das damals herrlich in Rom, diese angenehme Mischung aus „La dolce vita“ und dem morbiden Charme der alten ehrwürdigen Gebäude. Die alten Kirchen, die Engelsburg und der Palazzo Farnese kommen mir in Erinnerung.

Um mir das angenehme Sommergefühl in der dunklen Jahreszeit noch etwas zu erhalten, mache ich es mir auf dem Sofa gemütlich, setze die Kopfhörer auf und höre mir eine Aufnahme von Puccinis „Tosca“ an. Wenn ein italienischer Komponist die Handlung Mitte Juni im Rom des Jahres 1800 ansiedelt, dann wird sich mein Sommergefühl trotz der winterlichen Temperaturen vor meinem Fenster sicher einstellen. Ich drücke die Play-Taste und lehne mich voller Vorfreude zurück. „Tosca“ ist mir nämlich bisher völlig unbekannt.

Was mich da allerdings bereits in den ersten Takten erwartet, lässt mich fast den Tee verschütten vor Schreck. Es eröffnet sich mir kein lyrisches Klanggemälde, das mich in ein süßes italienisches Lebensgefühl einhüllt, vielmehr entführt mich meine Phantasie unter dem Einfluss der Musik in eine Welt, die eher einem Opern-Krimi gleich kommt.

Dezente Requisiten und kleine spielerische Handlungen führen optisch durch den konzertanten Abend. Foto: Theater Koblenz

 

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