„How to Date a Feminist“ wurde 2016 in London uraufgeführt. Die heute 45-jährige Autorin Samantha Ellis hat die Komödie so konzipiert, dass die sechs Rollen minimal besetzt werden können. So spielt eine Schauspielerin in fliegendem Wechsel Kate, Carina und Morag – also eine junge, frisch verliebte Journalistin und außerdem die Ex ihres neuen Freundes und dessen Mutter.

Ein Schauspieler springt zwischen Kates neuem Freund, Kates Exfreund Ross und ihrem Vater Joe hin und her. Diese rasanten Rollenwechsel sind extrem temporeich – und erinnern stark an Theatersport. Wenn also nach ca. 90 Minuten die beiden nassgeschwitzten Menschen auf der Bühne unter ihrem wohl verdienten Applaus zusammenbrechen, wird ihre Fitness zu Recht gefeiert. Doch die Autorin überlässt es den jeweils aufführenden Theatern, das Stück nur mit zwei Personen spielen zu lassen – also die beschriebene sportliche Variante – oder aber alle Rollen einzeln zu besetzen.

Das hat im deutschsprachigen Raum bisher keine Bühne gewagt, aber am Theater Koblenz fiel die Entscheidung, mit der Inszenierung von Jan Käfer genau diesen Weg zu gehen. Denn er macht zweierlei erst möglich: den Charakteren eine individuelle Geschichte und profundere Tiefe zu geben, sie nicht nur über ein schnell übergeworfenes Kostüm zu unterscheiden, sondern ihre Konflikte und Annäherungen im Stück stringent zu erzählen. Und zum Zweiten sind Szenen möglich, in denen sich gewollt oder ungewollt die Figuren begegnen, die Verletzungen nach einer Trennung, die Freude und die Zweifel teilen. Leicht und sehr rasant bleibt es trotzdem auf der kleinen, von Sandra Linde gestalteten Probebühne 2: Im fliegenden Wechsel zwischen den Szenen sind die sechs Darsteller*innen allein für ihre Umbauten und Umzüge verantwortlich, immer wieder fällt in dieser offenen Spielform die sogenannte „vierte Wand“ und das Publikum ist mittendrin in einem turbulenten Stakkato ungemein komischer Szenen. 

Und es gibt in der Tat sehr viel zu lachen: Steve, von seiner pazifistischen Mutter und zugleich besten Freundin zum Vorzeige-Feministen erzogen, vermasselt bei Kate um ein Haar sowohl das erste Date, als auch die erste gemeinsame Nacht und erst recht den Heiratsantrag. Den hatte seine Mutter extra vorher mit ihm geübt, speziell die lange Einleitung, in der sich Steve für zweitausend Jahre Patriarchat entschuldigt, bevor er Kate bittet, diesem Versklavungsvertrag namens Ehe zuzustimmen. Kate weiß zunächst überhaupt nicht, was sie damit anfangen soll. Ihre Vorstellung von Romantik entspringt größtenteils der Welt von Liebesschnulzen à la Bridget Jones. Das entspricht auch ihrer Erziehung, denn ihr Vater, bei dem sie nach der Scheidung der Eltern blieb, ist sowas von „vom alten Schlag“, dass sein größter Wunsch ist, seine Tochter nach guter alter Tradition zum Traualtar zu führen. Bis dahin ist es allerdings ein weiter Weg – zum Glück, denn den sechs Schauspieler*innen dabei auf der Bühne zuzuschauen, ist ein Fest für Komödienfans. 

Durchkreuzt wird Kates und Steves Liebesgeschichte nicht nur von den Anstrengungen, den Eltern die jeweiligen Erwartungen an die Hochzeit auszureden, also etwa: Schleier oder Jeans? Festsaal oder Jurten? Konfetti oder Blütenblätter? Kurzfristig kommen ihnen auch noch ihre Ex-Partner in die Quere. Die rustikale Steinmetzin Carina bereut plötzlich, Steve verlassen zu haben, weil sie ihn vielleicht doch als Menschen und nicht nur als Konzept lieben könnte. Und Kates Exfreund und Chefredakteur Ross lässt auch noch mal seinen nahezu unwiderstehlichen Charme spielen. Das Glück im ersten Anlauf wäre ohnehin viel zu banal für Steve und Kate. Jede Menge Action also bei „How to Date a Feminist“. Und natürlich, wie es sich gehört, ein zünftiges Happy End, in dem Kate endlich verstanden hat: Manchmal braucht es Eier, um eine Frau zu sein. Steve, als guter Feminist, wusste das natürlich längst! Und schafft es am Ende sogar endlich, Morag die Stirn zu bieten: „Ich will mein Leben selbstbestimmt ruinieren!“ Das ist Steves Triumph der Emanzipation aus den Fängen der überstarken pazifistischen Supermutter. 

Premiere ist am Samstag, den 02. Oktober 2021 um 20:00 Uhr auf der Probebühne 2 im Theater Koblenz. Karten gibt’s an der Theaterkasse im Forum Confluentes oder auf www.ticket-egional.de.

Autorin: Juliane Wulfgramm
Fotos: Arek Głębocki