An island never cries (Peter Pan)
von Markolf Naujoks nach James Matthew Barrie · Uraufführung
Eine facettenreiche Auseinandersetzung mit der Peter-Pan-Erzählung zwischen unbeschwerter Kindheit und düsterem Eskapismus.
Peter Pan, der Junge, der sich weigert, erwachsen zu werden, ist seit seinem ersten Erscheinen in der Erzählung von James Matthew Barrie aus dem Jahr 1902 in das romantisierte kollektive Gedächtnis eingegangen. Die Insel Neverland, auf der Peter Pan mit den „lost boys“ lebt und auf die er auch die Kinder Wendy, Michael und John Darling aus London mitnimmt, ist voller Abenteuer, nicht zuletzt wegen des gefährlichen Captain Hook, der sich an Peter Pan für den Verlust seines Armes rächen will. Peter Pan verkörpert in der allgemeinen Lesart die Unschuld und Unbekümmertheit der Kindheit, die Freude an imaginären (und manchmal brutalen) Abenteuern, ohne Sorge oder Verständnis für reale Gefahren. Im Gegensatz zu anderen Kindern kann Peter seine Kindlichkeit nur dadurch bewahren, dass er alles andere, alles Veränderliche schnell vergisst – auch Menschen und Dinge, die ihm einmal sehr wichtig waren. Peter Pan steht aber auch für eine Form der Verweigerung, am realen Leben teilzunehmen und stattdessen in einer kindlichen Traumwelt zu verharren. Das Peter-Pan-Syndrom bezeichnet eine Tendenz zum Eskapismus, zur Flucht in eine Fantasiewelt – vor zu viel sozialer Interaktion, Verantwortung und dem Druck, vernünftig und „erwachsen“ zu handeln. Wer sich eine eigene Welt um sich herum erschafft, sein eigenes Neverland, macht sich zu deren Mittelpunkt – geschützt, unangreifbar, Einzelgänger:in und Zentrum des eigenen Universums, eine Insel: „An island never cries“.
Die zeitlose Schönheit der Peter-Pan-Erzählung wird in dieser Inszenierung spielerisch in ihren vielen Schichten und Facetten freigelegt. Die Kombination aus Schattentheater, Live-Musik und Hörspiel macht den Theaterabend zu einem atmosphärisch und poetisch bezaubernden Erlebnis.
Spielort
Großes Haus
Werkeinführung
30 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Oberen Foyer