SOKO Shakespeare – Wachsen Sie über sich hinaus!

17. April 2026 · Gesa Füßle

Gesa Füßle berichtet mit viel Witz von „SOKO Shakespeare – Mord auf der Hinterbühne“ – ein interaktives Puppentheater voller Rätsel, Überraschungen und jeder Menge Spaß.

„Die ganze Welt ist eine Bühne und alle Frauen und Männer nur Schauspieler.“ (Shakespeare)

Wenn ich schon in Koblenz bin, dann möchte ich doch bitte auch Puppentheater sehen. Regisseur Stephan Siegfried hat ein neues Stück geschrieben, das ich mir als echter Fan nicht entgehen lassen möchte. Ein Escape-Drama! Entzückend! In meinem anderen Leben als Lektorin hatte ich eine Zeitlang viel mit Rätseln aller Art zu tun, bin also umgehend Feuer und Flamme.

Wer schon einmal in einem Escape-Room war, weiß, worum es geht und darf diesen Absatz überspringen. In einem Escape-Room geht es darum, Lösungshinweise zu finden und korrekt anzuwenden, um am Ende aus dem Raum ausbrechen zu können. Man muss also genau aufpassen, was gesagt wird (und von wem), was relevant sein könnte, ob irgendetwas suspekt aussieht usw. Die Hinweise können zum Beispiel eine PIN ergeben, die an einer bestimmten Stelle eingetippt werden muss, sie können aber auch auf eine verdächtige Person deuten oder in eine ganz andere Richtung führen. Alles ist möglich und auf keinen Fall sollte irgendeine Möglichkeit leichtsinnig ausgeschlossen werden. Ein korrekt umgesetzter Hinweis führt in der Regel zum nächsten, sodass man sich sukzessive durch den Raum rätselt, bis man die Tür nach draußen erfolgreich öffnen kann und somit den Escape (die Flucht) geschafft hat. ABSATZ ENDE, hier können auch die Escape-Profis wieder einsteigen.

Ähnlich ist es bei einem Escape-Spiel, in dem es meistens darum geht, einen Verbrechensfall aufzuklären. Es ist also gut, wenn Sie eine gewisse Übung im Lösen von Problemen haben, denn Ihre Expertise ist auch bei der SOKO Shakespeare gefragt. Dabei sind keine Fähigkeiten im kriminellen Bereich erforderlich. Es reicht, wenn sich Ihre Probleme auf die morgendliche Wahl der Sockenfarbe beschränken – solange Sie die Frage bisher erfolgreich lösen konnten. Wenn Sie schon daran scheitern, sehe ich für Ihre Ermittlungskarriere im Kaisersaal einigermaßen schwarz. Probieren Sie es trotzdem, vielleicht lernen Sie ja noch was!

Wer würde sich bei einem Stück über Mord und Totschlag besser als Pate eignen als William Shakespeare himself, der sich in seinen 38 Dramen schließlich bei blutrünstigen Themen auch niemals zurückgehalten hat? Regisseur und Autor des Stücks „O I AM SLAIN“, um das es bei „SOKO Shakespeare“ geht, ist der regelmäßig an seiner eigenen Mittelmäßigkeit scheiternde Friedrich David Kasper, der sicherheitshalber auch gleich noch die Hauptrolle übernimmt. Unerfreulicherweise überlebt er die Premiere allerdings nicht. Auf der Bühne bricht er sehr überzeugend tot zusammen – weil er es ist. Heimtückisch ermordet. Wer steckt dahinter?

„Liebe alle. Vertraue wenigen. Tue keinem Unrecht.“ (Shakespeare)

Ohne Sie als Teil der „SOKO Shakespeare“ gibt es kaum eine Chance, die Hintergründe aufzuklären. Dass das Ganze nicht gespielt, sondern die harte Realität ist, erkennt man schon an den Video-Sequenzen mit den Zeug:innen. Mithilfe einer ausgefeilten Technik sind die Filmchen in modernster 3-D-Optik gedreht worden. Vielleicht übernehmen Sie die Rolle des oder der Medienbeauftragten und spielen das Video für uns ab? Können Sie vielleicht noch mal zurückspulen? War da nicht ein relevanter Hinweis? Ist Ihnen das auch aufgefallen? Wir sitzen alle im selben Boot, oder vielmehr am selben Tisch, Zusammenarbeit ist also der Schlüssel zum Spind, oder hatte der ein Zahlenschloss? Wem kann man überhaupt vertrauen? Wer liegt mit wem im Clinch, wer hat berufliche Probleme, wer hat etwas gesehen – oder war das nur Einbildung?

Sie sehen schon: Das wird kein Abend, an dem Sie sich einfach nur mit Lebensweisheiten berieseln lassen können, oh nein, Sie denken bitte schön mit. Werden Sie Schriftführer:in und notieren Sie sich alles, was einen Hinweis ergeben könnte. Sollten Sie Lesebeauftragte:r werden wollen, denken Sie unbedingt an Ihre Lesebrille. Eine Blogautorin, die anonym bleiben möchte, hatte da gewisse Probleme. Doch bewahren Sie vor allen Dingen die Ruhe. Alle Beweismittel wollen gesichtet werden, alles könnte sich später als wichtig erweisen. „Wer aus einem Weizen einen Kuchen haben will, muss das Mahlen abwarten.“ (Shakespeare) Gehen Sie allen Fährten nach! Nicht, dass Ihnen am Ende der Täter oder die Täterin durch die Lappen geht. Wir können niemanden auf Gutdünken verhaften, die Beweise müssen stimmen, raten gilt nicht. Man kann nicht auf jemanden zeigen und hoffen, es möge die richtige Person sein. „Hoffnung ist oft ein Jagdhund ohne Spur.“ (Shakespeare)

„Denn Mord, hat er schon keine Stimme, spricht mit wundervollen Stimmen.“ (Shakespeare)

„Und was ist jetzt mit dem Puppentheater? Wie passt das dazu?“ (Hochverehrte Leserschaft) Üben Sie sich in Geduld! Alles eine Frage der Perspektive. Was weiter weg ist, erscheint kleiner, das lernen wir schon im Kunstunterricht. Immer schön, wenn man Weisheiten aus der Schulzeit endlich auch im richtigen Leben anwenden kann, nicht wahr? Vorteilhaft mag es auch sein, wenn man die Schrift von anderen entziffern kann. Das war damals beim Spicken gut und kann auch heute niemandem schaden. Aber nur eins ist wirklich wichtig an diesem Abend im Kaisersaal: „Was getan wird, kann nicht rückgängig gemacht werden.“ (Shakespeare) Oder auch: Einmal tot, immer tot, also halten Sie sich ran und finden Sie heraus, wer es war! Wachsen Sie über sich hinaus!

Ich verspreche Ihnen einen extrem kurzweiligen Abend und garantiere Ihnen, dass Sie das Ende nicht vorhergesehen haben werden. „Sonst will Puck ein Lügner sein!“ (Shakespeare) So sehr waren Sie noch nie in die Theaterwelt eingebunden, so nah waren Sie den (zugegebenermaßen etwas exzentrischen) Schauspielenden noch nie. Puppenbauer Christof von Büren hat hervorragende Arbeit geleistet: Sie werden sich bis zum Schluss fragen, an welcher Stelle eigentlich Puppentheater vorkam. Auch die Props und Beweismittel in den verschiedensten Formen machen große Freude. Scheuen Sie sich nicht, alles genau zu untersuchen, zu drehen und zu wenden, bis Sie auf die richtige Spur gekommen sind. 

Im Kaisersaal kommt die absolute Ermittlungselite zusammen, das werden Sie schnell gemerkt haben. Freuen Sie sich auf ein ausgeklügeltes Stück mit ständig neuen Überraschungen, auf liebevoll gestaltete Details, reizendes und auskunftsfreudiges Theaterpersonal, Karrierehengste und eine SOKO, die ohne Ihre Mithilfe an mancher Hürde scheitern würde. Vor allem aber freuen Sie sich auf jede Menge Spaß und einen gelösten Mordfall. So viel darf ich noch erwähnen: Es ist Platz für 18 ZuschauendeErmittelnde. „SOKO Shakespeare“ eignet sich also auch ausgezeichnet dazu, mit 17 befreundeten Menschen eine Elite-SOKO zu gründen. Mehr verrate ich jetzt aber wirklich nicht.

„Der Rest ist Schweigen.“ (Shakespeare)

Gesa Füßle ermittelt normalerweise im eigenen Zuhause in Hamburg hinterm Deich. Dort beschränkt sie sich allerdings meistens auf abhandengekommene Bleistifte und die Frage, wo der alternde Hund gerade wohl liegen könnte. Die Idee, für die SOKO Shakespeare Hinweiszettel in Sütterlin zu schreiben, wurde leider verworfen, da noch immer nicht alle Menschen einen Entzifferworkshop bei ihr besucht haben.

Text: Gesa Füßle 
Fotos: Arek Głębocki